Die Hölle. 33. Gesang. |
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| S. 149-154 | |
| Ugolino della Gheradesco, um welchen es sich in diesem Gesang handelt, war eine Zeitlang das Haupt der Ghibellinen in Pisa, jedoch verschwägerte er sich mit den Guelphen. Während des Krieges mit Genua entfernte er sich aus der Seeschlacht und eilte nach Pisa zurück, um es durch Bündnisse, welche er mit guelphischen Städten einging, zu retten und die Herrschaft ganz an sich zu reißen. Später mußte er sie mit seinem Neffen, Nino dei Visconti, theilen. Bald entstand der heftigste Streit unter ihnen; das Volk setzte Beide ab und ernannte Bongi zum Oberhaupt. Nun wurden die feindlichen Verwandten gleich wieder einig, und es gelang ihnen auch, Jenen zu entfernen. Die echte, alte Partei der Ghibellinen war jetzt wieder emporgekommen; an ihrer Spitze stand der Erzbischof von Pisa, Roger degli Ubaldini. Obgleich Ugolino dessen Neffen umgebracht hatte, wies ihn Roger nicht zurück, als Jener sich der Ghibellinischen Partei wieder anschloß und verschob die Rache auf eine spätere Zeit. Diese wurde denn auch in furchtbarer Weise geübt, als man Beweise von Ugolino's Zweideutigkeit in Händen hatte und sich die Nachricht verbreitete, er wolle ein Heer seiner persönlichen Anhänger bei Nacht in die Stadt schmuggeln, um diese ganz in seine Gewalt zu bekommen. Alle Glocken wurden geläutet, ein furchtbarer Kampf entbrannte, zuletzt ward Feuer an den Volkspalast, der Burg des Ugolino, gelegt. Da er mit den Seinen unterlag, ließ ihn der Bischof in die Gualanda alle sette vie, ein Thurm, zu welchem sieben Straßen führten, sperren. Der Thurm wurde später verschlossen und der Schlüssel in den Arno geworfen. Die schreckliche Art von Ugolino's Tod soll dadurch entschuldigt werden, daß ein Geistlicher kein Blut vergießen darf. Des Dichters Zorn entlädt sich nun ganz über Pisa, welches er den Schandfleck aller Länder nennt, wo das sì ertönt, also der romanischen, denn in allen diesen wird das Wort sì (ja) gebraucht. Er ruft Gorgona und Capraja, zwei Inseln an der Arnomündung, an, den Fluß zu stauen, damit dieser dann alles Volk ringsum ersäufe, er vergleicht die That an Ugolino ausgeübt mit den Gräueln, die in Theben geschehn sind, und beklagt die Söhne des Vorgenannten, Uguccione und Brigata. Dann trifft Dante den Alberigo dei Manfredi an, einen der frati gaudenti, von denen wir schon früher als einer halb religiösen, halb lebenslustigen Zunft, wie schon ihr Name besagt, frati gaudenti, lustige Mönche, hörten. Dieser, mit einem Verwandten in Streit gerathen, nahm die Abbitte desselben an und lud ihn zum Versöhnungsmahl ein. Mit dem Wort: "Bringt die Früchte", gab (150) er aber beim Nachtisch das Signal zu dem Tode desselben. Er klagt deßhalb ironisch, "für die Feigen, welche er Jenem vorgesetzt, bekäme er jetzt süße Datteln" zurück. An dieser Stelle wird auch die in der Vorrede schon berührte Meinung, daß der Geist des Verräthers den Körper schon in dem Augenblick verläßt, wo der Verrath geübt wird, wieder ausgesprochen. Ein Dämon haust dafür fortan in seiner irdischen Hülle. Der Gerechtigkeitssinn des Dichters war so groß, daß er wohl meint, Verrath dürfe keinen Moment ungestraft bleiben; deßhalb liefert er den Verbrecher sogleich in die Hölle ab, ehe noch Atropos, die den Lebensfaden abschneidende Parze, ihr Werk verrichtet hat. In diesem Kreise finden wir noch Branca d' Oria von Genua, welcher Michael Zancke, den Venetianer, von dem schon am Pechsee die Rede war, seinen Schwiegervater, bei einem Gastmahl verrätherisch ermordete. Dante wurde um des Ausfalls willen, welchen er hier auf Jenen macht, in Genua, bei Anwesenheit Kaiser Heinrichs des VII., von der Partei, an dessen Spitze d'Oria stand, sehr schlecht behandelt. Mit dem schlechtesten Geist aus der Romagna, in dessen Gesellschaft sich dieser befindet, ist wohl Alberigo de Manfredi aus Faenza, den wir hier näher kennen lernen, gemeint. |
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| 1 | Den Mund erhob vom Schmaus der Kannibale, |
| Am Haar des Hauptes, das zerfleischt, die Spur | |
| Abwischend von dem schauderhaften Mahle. | |
| 4 | Dann hob er an: "Den Schmerz, den ich erfuhr, |
| Soll ich erneu'n? eh ich die Qual erzähle, | |
| Zerreißt mein Herz sie, denk ich ihrer nur; | |
| 7 | Doch könnten, wenn ich jetzt dir nichts verhehle, |
Zum Samen werden meine Worte je, |
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Der zeitigt Schmach für die Verrätherseele, |
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| 10 | So red' ich weinend, achtend nicht mein Weh. |
Nicht wie du heißt, weiß ich, noch wie du Kühner |
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In diesen Abgrund kamst aus lichter Höh', |
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| 13 | Doch nach der Sprache bist du Florentiner! |
So wisse denn, ich war Graf Ugolin, |
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Und der, Bischof Rugier, der Kirche Diener. |
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| 16 | Warum ich solch' ein Nachbar bin für ihn, |
Vernimm! Doch thut's nicht Noth, daß ich berichte, |
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Wie's ihm gelang mich in sein Netz zu zieh'n, |
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| 19 | Auch daß ich starb erfuhrst du durch Gerüchte; |
Doch wie ich starb, was keiner ahnt, das weist |
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| Auch du nicht; erst wenn du's erfährst, dann richte, 151 | |
| 22 | Dann sag, ob mich gekränkt hat dieser Geist! |
Schon hatte durch ein Loch im Vogelbauer, |
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Den man nach mir den Hungerthurm jetzt heißt, |
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| 25 | In den man And're sperrn'n noch wird, voll Trauer |
Ich manchen Mond gesehn, als mir ein Traum |
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Den Schlei'r zerriß, der deckt der Zukunft Schauer. |
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| 28 | Als Herrn der Jagd sah ich im Waldesraum, |
Am Berg, der Pisa trennt von Lucca, Diesen! |
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Dem Wolf, der floh bedeckt mit Schweiß und Schaum |
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| 31 | Und seinen Wölfchen folgt er, und es wiesen |
Gualandi ihm, Safranchi, Sigismund |
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Und ihre Meute genau den Weg; sie kiesen |
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| 34 | Zum Führer ihn! matt wird im Waldesgrund |
Der Wolf nach kurzem Lauf. Ihn und die Seinen |
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Fällt an mit grimmem Biß jetzt Hund auf Hund. |
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| 37 | So träumend hört' ich schon die Kinder weinen, |
Die mit mir eingesperrt. Als ich erwacht, |
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Vor Tag, schon baten mich um Brod die Kleinen; |
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| 40 | Hart bist du, ahnst du, was ich da gedacht, |
Und weinst noch nicht; was ist denn werth der Zähren? |
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Es kam die Zeit, wo sonst man Brod gebracht; |
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| 43 | Der Träume wegen, waren wir, der schweren, |
Gespannt und ängstlich; horch, da traf mein Ohr |
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Geräusch von Schritten, deutlich konnt' ich hören |
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| 46 | Wie unten man verschloß des Thurmes Thor. |
Da blickt in's Antlitz starr ich meinen Söhnen, |
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Doch brachte ich kein einzig Wort hervor. |
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| 49 | Ich weint' auch nicht, ich hatte keine Thränen, |
Mein Herz ward Stein; doch weinten bitterlich |
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Die Knaben; Anselmuccio hört' ich stöhnen: |
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| 52 | "Was hast du, warum starrst du so auf mich, |
O Vater!" Doch ich schwieg und weinte nimmer; |
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So ging der Tag hin und die Nacht verstrich; |
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| 55 | Am nächsten Morgen sah beim grauen Schimmer |
In vier Gesichtern ich mein eignes Bild. |
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Bei solchem Anblick ward mein Schmerz noch grimmer, |
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| 58 | In beide Hände biß ich selbst mich wild! |
Dem Hunger schrieben zu die Unschuldsvollen |
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Mein Thun; sie standen auf und sprachen mild: 152 |
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| 61 | "Nimm uns zur Speise, Vater! lieber wollen |
Wir sterben, als noch anschau'n deine Noth! |
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Umhüllt hast du, dem wir das Leben zollen, |
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| 64 | Mit diesem Fleisch uns, nimm's zurück im Tod!" |
Da hielt, daß nicht ihr Leid gesteigert werde, |
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Ich ruhig mich, und Keiner bat um Brod. |
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| 67 | Warum thatst du nicht auf dich, harte Erde? |
So kam und schwand zum viertenmal der Tag, |
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Da fiel zu Füßen mir mit Angstgeberde |
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| 70 | Mein Gaddo hin. "O Vater", seufzt' er schwach, |
"Warum hilfst du mir nicht?" so starb der Knabe. |
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Wie du mich siehst, so sah ich nach und nach |
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| 73 | Die drei verscheiden noch im Kerkergrabe. |
Zum sechstenmal ward's Licht, da tappt umher |
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Schon blind nach Jenen ich; gerufen habe |
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| 76 | Ich sie zwei Tage noch, und dann nicht mehr! |
Was nicht der Schmerz gekonnt um meine Söhne, |
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Das that an mir der Hunger bald nachher!" |
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| 79 | Er schwieg und schlug in jenes Haupt die Zähne |
Bis auf den Knochen ein, das halbzernagt; |
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Wie'n Hund riß er vom Schädel Fleisch und Sehne! |
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| 82 | Schandfleck des schönen Land's, wo si man sagt, |
O Pisa! wenn dich nicht die Nachbarn strafen, |
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Dann reiß Caprara, das dem Meer entragt, |
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| 85 | Sich mit Gorgona los, und sperr' den Hafen, |
Das Arno, aufgestaut, dein Volk ertränkt! |
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Ja heißt's auch, deine Schlösser sei'n vom Grafen |
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| 88 | Verrathen worden, nicht hat dich gekränkt |
Der Kinder eins! lag doch in ihren Jahren |
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Der Unschuld Bürgschaft! jung und rein, bedenkt, |
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| 91 | War Uguccione und Brigato, waren |
Die Beiden, die genannt ich schon im Lied. |
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"O Pisa, neues Theben! o Barbaren!" |
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| 94 | Wir schritten fort jetzt, Jammer im Gemüth, |
Und Andre sah'n wir auf dem Rücken lehnen, |
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Die weinten, doch es fror im Augenlid |
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| 97 | Der Strom, denn Abfluß hatten nicht die Thränen; |
Sie wurden zu crystallenem Visier; |
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| Und rückwärts ebbend steigerten bei Jenen 153 | |
| 100 | Die inn're Angst sie; den gehemmt ward hier |
Das Weinen durch das Weinen. Ob wie Schwielen |
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Der Frost die Haut auch machte, blutlos schier, |
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| 103 | So meint' ich doch 'nen leisen Wind zu fühlen; |
Deshalb frug staunend ich: "Wo kommen her |
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Die Lüfte, die so herb hier wehn, die kühlen? |
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| 106 | Fehlt's doch an Dunst, der Wind erzeugt!" und er |
"Bald wirst die Ursach' sehn du dieser Winde, |
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Bald giebt dein Aug' dir Antwort!" "Kommt hier quer |
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| 109 | Herüber", rief ein Mensch aus kalter Rinde, |
"O Seelen ihr von so verderbter Art, |
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Daß Euch zum tiefsten Platz wies Eure Sünde! |
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| 112 | Vom Auge zieht den Schlei'r mir kalt und hart, |
Daß Luft mein Schmerz sich macht! zu schnell nur ballen |
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Die Zähren wieder sich vom Frost erstarrt." |
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| 115 | Und ich: "Gern will ich thun dir nach Gefallen, |
Doch sag erst wer du bist, helf dann ich nicht, |
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So will in's Eis bis auf den Grund ich fallen!" |
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| 118 | "Mönch Albrich bin ich", sprach der Bösewicht, |
"Der aus dem gift'gen Garten nahm die Früchte, |
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Und der statt Feigen hier sich Datteln bricht!" |
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| 121 | "So starbst du schon?" frug ich. "Was dort im Lichte", |
Erwidert er, "aus meinem Körper ward, |
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Das weiß ich nicht; mein Geist stand im Gerichte; |
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| 124 | Denn sieh, es ist der Tolomea Art, |
Daß oft, eh' Attropos zerschnitt den Faden, |
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Wenn irdisch Leben noch der Leib bewahrt, |
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| 127 | Den Geist hinab sie reißt auf Schattenpfaden. |
Damit du lieber abwischt mir dies Eis, |
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Und ich der Angst mich besser kann entladen, |
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| 130 | Sag mehr ich noch, sag Alles was ich weiß. |
Es treibt den Geist aus seines Körpers Zelle, |
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Sobald Verrath er übt, in diesen Kreis |
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| 133 | Ein Teufel fort, und wohnt an seiner Stelle |
Im Leib, bis zum bestimmten Lebensziel. |
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So lebt der Leib, deß Seele in der Hölle. |
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| 138 | Vielleicht besteht auch fort im Weltgewühl |
Hier meines Nachbars irdisches Gehäuse; |
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Du weißt's gewiß, du, der herab just fiel! 154 |
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| 139 | Sieh, Branca d'Oria ist schon lang im Eise." |
"Der lebt", rief ich, "du willst mich narr'n, der ißt, |
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Trinkt, schläft und kleidet sich in alter Weise!" |
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| 142 | Und er: "Ob Michel Zancke hier schon ist |
Am Pechsee, wo die Malebranchen toben, |
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Sahst du da nicht den Inbegriff der List?" |
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| 145 | "Ein Teufel blieb in seinem Körper droben", |
"Und nahm von dem Verwandten auch Besitz", |
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"Der an dem Truggespinste mitgewoben." |
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| 148 | "Ich sprach, - nun rein'ge mir des Auges Schlitz." |
Doch that ich's nicht, denn höflich sein mit Bösen |
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Das zeugt von edler Sitte nicht und Witz. |
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| 151 | Weh Euch, ränkevolle Genuesen, |
| Warum verjagt man Euch nicht aus dem Land, | |
| Vertilgt Euch ganz, die Erde zu erlösen? | |
| 154 | Denn bei Romagna's schlimmstem Geiste fand |
| Von Euch ich den, der in Cocytus Welle | |
| Die Seele taucht zum tiefsten Schlund verbannt, | |
| 157 | Und dessen Leib doch lebt in Sonnenhelle. 16.09.2006 |