Paradies. 2. Gesang. |
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In diesem Kapitel wird des Jason gedacht, welcher nach Colchis zog, um das goldene Vließ zu holen. Er brachte als Zeichen höherer Gesittung den Myniern den Landbau bei, worauf sich die Worte des Ovid beziehen, als er den mit feuerschnaubenden Stieren pflügenden Jason schildert: ""Und auflegend das Joch zwingt er sie zu tragen des Pfluges Last, mit dem Stahl durchschneidend das ungewohnte Gefilde. Colchis Volk erstaunt, und der Mynier Rufen erfüllet Rings die Luft, erhöhend den Muth." Nun geht Dante zu näherer Charakterisirung des ersten Sterns, des Mondes, der hier in gleicher Reihe mit den übrigen Planeten steht, über. Wegen seiner Wandelbarkeit und seiner Flecken gilt er nicht als vollkommen, weßhalb auch in ihm die Geister wohnen, die zwar der ewigen Seligkeit würdig sind, aber doch auf Erden ihre Aufgabe nicht ganz erfüllt haben. Es folgt eine Auseinandersetzung über die Mondflecken, und wird der Aberglaube, als weile dort Cain mit seinem Dornbusch zurückgewiesen. Wiederum kommt Dante auf die Strahlenbrechung zurück und erzählt von folgendem Experiment: man setzt drei Spiegel, einen rechts, einen links, einen grade vor sich hin, doch letzteren in weiterer Entfernung. Von einer Kerze, die im Rücken des Experimentirenden steht, läßt man einen Strahl in den Spiegel links fallen, dieser wirft ihn dem mittleren zu und der mittlere dem rechtsstehenden Glase. Diese drei Strahlen kommen von jeder Richtung und aus jeder Entfernung, gleich schnell und gleich stark zum Auge des Beschauers. Dies Experiment soll beweisen, daß nicht verschiedene Dichtigkeit des Stoffes, welche Licht durchläßt, das in den dunklen Weltraum fällt und wegen der Ferne abgeschwächt zurückkehrt, die Ursache der Mondflecken ist. Einen anderen Beweis für gleiche Dichtigkeit der Mondsubstanz findet er darin, daß bei Sonnenfinsternissen, wo der Mond zwischen Sonne und Erde steht, das Licht nirgends durchfällt. Die Ursache der Verschiedenheit, welche der Mond darin mit den übrigen Planeten hat, seine Eigenthümlichkeit, findet der Dichter zuletzt in der ihm anerschaffenen Art, wie er solche Mannichfaltigkeit auch im Sternenhimmel entdeckt, wo nicht bloß mehr oder minder Helligkeit, sondern viele andere besondere Eigenschaften die Sterne unterscheiden. Daß er, wie'n Strahl in's Wasser, in den Mond eingeht, läßt ihn zweifeln, ob er noch im irdischen Leibe sei, indem der Stoff doch den Stoff verdrängt? Das Räthsel bleibt ungelöst. Am Schluß beginnt die Entwicklung (337) des Systems der Engelhierarchie. Gott, im höchsten, ruhenden Himmel, bewegt alle untere Kreise; auf die Engel, welche sie leiten, fließt seine Schöpferkraft über, und sie verbreiten nun wieder neues Leben und streuen neue Samen aus. Solche Wirkung entspricht der, welche die Seele ausübt, indem sie sich den Leib baut, die Glieder bildet und die Sinne organisirt, Bei dieser Vereinigung irdischer und himmlischen Substanz, des irdischen Leibes also und des Mondlichts, wird Dante an das Doppelwesen des Heilands erinnert und von lebhafter Sehnsucht, nach seiner Anschauung ergriffen. |
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| 1 | Ihr, die auf kleinem Boot Ihr durch die Wogen |
| Gefolgt seid meinem Schiff, das singend fährt, | |
| Ihr, die Begier zu horchen, nachgezogen, | |
| 4 | O wendet um! zum Heimathstrande kehrt, |
| Zum Port zurück! traut nicht dem Oceane! | |
| Ihr irrtet, wenn Ihr meine Spur verlört | |
| 7 | Rathlos umher, verlockt von manchem Wahne. |
| Kein Schiffer fuhr noch, wo ich fahren soll. | |
| Hauch Fahrwind, Pallas! leuchte meinem Kahne, | |
| 10 | Und führ' auf hoher See ihn, o Apoll, |
| Die Bären aber zeigt mir, Ihr Kamönen! | |
| Doch Ihr, Ihr Wen'gen, heil'gen Eifers voll, | |
| 13 | Die, vorgestreckt den Hals, sich müh'n und sehnen |
| Schon lang, zu kosten von dem Engelbrod, | |
| Das nährt, doch satt nicht macht, folgt unsern Tönen | |
| 16 | In's off'ne Meer, da Euch kein Unheil droht. |
| Doch bleibt dicht hinter'm Schiff, weil rasch die Wellen | |
| 19 | Verwischen jede Spur, die zieht ein Boot! |
| Mehr sollt Ihr staunen noch, als die Gesellen | |
| Des Jason staunten, da sie mit dem Pflug | |
| 22 | In Colchis sahn den Fürst das Feld bestellen! |
| Der ew'ge Durst, der angebor'ne Zug | |
| Nach jenem Reich, in welchem Gott sich spiegelt, | |
| 25 | Riß uns empor. Nicht schneller kann der Flug |
| Der Sphären sein, die nur der Schöpfer zügelt. | |
| Der Bolzen braucht, bis von der Armbrust Nuß | |
| 28 | Zum Ziel er fliegt, mehr Zeit als ich beflügelt |
| Von Sehnsucht brauchte, um in einem Schuß | |
| Emporzueilen zu dem großen Lichte. | |
| 31 | Ich starrte in den Strahlenüberfluß, |
| Da sprach die Hehre: "Dankeshymnen richte | |
| An Gott, der uns dem ersten Stern verband." | |
| 34 | Jetzt deckte eine Wolke, eine dichte, |
| Uns zu, die funkelte wie'n Diamant. | |
| Das Wasser nimmt den Strahl auf, doch gespalten | |
| 37 | Wird's nicht durch ihn, steigt deßhalb nicht am Rand; |
| In gleicher Weise nahm uns Lichtgestalten | |
| Die ew'ge Perle auf ihren Glanz. | |
| 40 | War ich ein Körper? war ich's, konnt' enthalten |
| Mich dann der Raum, von anderer Substanz | |
| Erfüllt noch wie zuvor? konnt' auf ich lösen | |
| 43 | Mich in ein andres Sein, und blieb doch ganz? |
| Da wuchs der Wunsch in mir zu schau'n das Wesen, | |
| In dem Natur und Gott zusammenfloß, | |
| 46 | Um die verlor'ne Menschheit zu erlösen, |
| Ein Vorgang, der für den Verstand zu groß, | |
| Doch der, wie Wahrheit, die in's Herz geschrieben | |
| 49 | Von Anbeginn, geglaubt wird zweifellos. |
| "Dem dank ich, der der Erde mich, der trüben, | |
| Entrückt! doch sag die Zeichen, schwarz wie Rauch | |
| 52 | Im Mond, was sind sie? ist es wahr, was drüben |
| Man schwatzt von Cain mit dem Dornenstrauch?" | |
| Und sie, mitleidig' Lächeln in den Mienen: | |
| 55 | "Hörst künftig du ein thöricht Urtheil auch |
| In Sachen, wo zum Schlüssel Euch nicht dienen | |
| Die Sinne können, staunst du wohl nicht mehr, | |
| 58 | Da selbst in denen, wo Ihr doch von ihnen |
| Berathen, dir schon das Verständniß schwer. | |
| Doch sprich, was meinst du selbst von diesen Dingen?" | |
| 61 | "Der Stoff ist dünn hier", sprach ich, "und fast leer |
| Ist an Substanz der Raum bei diesen Ringen." | |
| Und sie: "Hab ich dich erst vom Wahn befreit, | |
| 64 | Dann springt's in's Auge dir, wie kurz die Schwingen |
| Des menschlichen Verstands: er fliegt nicht weit! | |
| Viel Körper kreisen in der achten Sphäre, | |
| 67 | Verschieden nicht allein an Dichtigkeit, |
| Nein auch an Art. Verschiedenes Wesen wäre, | |
| Verschiedene Natur hier rätheselhaft, | |
| 70 | Beständ' in Anhäufung des Stoffs und Schwere |
| Der einz'ge Unterschied. Es lebt 'ne Kraft | |
| In jedem Stern, die formt die losen Massen, | |
| 73 | Und ihm verleiht besond're Eigenschaft. |
| Ursache ist nich dieser schwarzen Gassen | |
| Die Ungleichheit des Stoffs, sonst säh gewiß | |
| 76 | Man einen Schein, wenn auch nur einen blassen, |
Grad dort bei einer Sonnenfinsterniß, |
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| Auch nicht, daß hier die Masse liegt in Schichten | |
| 79 | Wie Blätter in 'nem Buch, und durch 'nen Riß |
| Etwa und durch den Stoff, den wen'ger dichten, | |
| Fortschösse, ohne abzuprall'n ein Strahl | |
| 82 | Bis in den Weltraum, in den minder lichten, |
| Um spät zurückzukehren, matt und fahl. | |
| Nicht raubt der weite Flug dem Licht die Helle, | |
| 85 | Das lehren ja Versuche ohne Zahl, |
| Erfahrung lehrt's, der Wissenschaften Quelle. | |
| Versuch's, nimm Gläser, unterlegt mit Blei, | |
| 88 | Setz rechts hin, eins von dir, eins links, dann stelle |
| Den dritten Spiegel zwischen jene zwei, | |
| Doch mußt viel weiter fort du diesen rücken. | |
| 91 | Laß durch ein Licht bestrahlen alle drei, |
| Doch wende du der Kerze stets den Rücken. | |
| Ein Spiegel wirft dem andern zu das Licht; | |
| 94 | Dich überzeugen kannst du da mit eig'nen Blicken, |
| Daß schwächer nicht der Strahl, der fern sich bricht, | |
| Als der, der wieder abprallt in der Nähe. | |
| 97 | Dein Irrthum schmolz vor Gründen von Gewicht, |
| Wie Schnee schmilzt vor den Strahlen aus der Höhe; | |
| Dem Boden gleich im Lenz ward frei dein Geist, | |
| 100 | Daß man der Wahrheit Korn in's Erdreich säe. |
| Nun will ein Licht, das in die Augen beißt, | |
| Hell, daß die Luft erbebt, ich vor dir halten. | |
| 103 | Im Himmel ew'gen Gottesfriedens kreist |
| Die Urkraft; Fähigkeit hat zu gestalten | |
| In solchem Maaß sie, daß das künft'ge Sein, | |
| 106 | Was ist und was entsteht in ihr enthalten. |
| Und diese Fähigkeit pflanzt auch sie ein | |
| Den andern Sphären, die ein eignes Leben | |
| 109 | Bethät'gen und nun selber Samen streu'n. |
| Der nächste Kreis schon theilt, was ihm gegeben, | |
| Da aus dem Urglanz er die Sterne schafft; | |
| 112 | Vom zweiten Himmel sind sie rings umgeben |
| Doch sind sie von verschied'ner Art und Kraft. | |
| Die tief'ren Kreise nehmen auf und spalten | |
| 115 | Und wandeln um die Stoffe räthselhaft, |
| Die von den höh'ren Himmeln sie erhalten, | |
| Und machen sie zu anderm Zweck geschickt. | |
| 118 | Du siehst nun klar der Weltorgane Walten, |
| Wie Stufe hier vor Stufe weiterrückt | |
| Die schöpf'rische Entwicklung aller Kreise. | |
| 121 | Von oben nehmen auf sie hochentzückt |
| Die Urkraft, um sie dann in gleicher Weise | |
| Nach unten abzugeben, Merk nun gut, | |
| 124 | Wie ich die Wahrheit, Satz für Satz, beweise, |
| Damit die Furth du durch der Zweifel Fluth | |
| Auch finden lernst durch eig'ne Ueberlegung. | |
| 127 | Wie keinen Schlag von selbst der Hammer thut, |
| Nein, nur vom Schmied die Kunst ausgeht der Prägung, | |
| So ist's auch hier. Nur von dem Führer stammt | |
| 130 | Des Kreises, dessen Wesen und Bewegung. |
| Die Sphäre, die von tausend Leuchten flammt, | |
| Ist wie mit ihres Leiters Bild besiegelt, | |
| 133 | Sie drückt es auf den Sternen insgesammt, |
| Indem sie um ihn kreist, von ihm beflügelt. | |
| Und wie im Erdenleib die Seele auch | |
| 136 | Sich Sinne schafft und sich in diesen spiegelt, |
| Sich in die Glieder, zu verschied'nem Brauch | |
| Und Zweck geeignet, auflöst, so durchdringet | |
| 139 | Die Himmelskörper ihrer Führer Hauch, |
| Indeß der Urgeist um sich selbst sich schwinget, | |
| Und, durch die Sterne, die er angefacht | |
| 142 | Vervielfacht, Segen allen Wesen bringet. |
| Da Freude athmet diese Schöpfermacht, | |
| Haucht Lust sie ein den Lenkern auch der Sterne, | |
| 145 | Und wie die Freude aus den Augen lacht, |
| Strahlt hier sie auch aus jedem Strahlenkerne. | |
| Licht wird und Schatten nicht bedingt, wie's heißt, | |
| 148 | Durch Dichtigkeit und Dünne, Näh' und Ferne; |
| Ihr Grund ist nur der schöpferische Geist." 16.12.2006 | |