Paradies. 12. Gesang. |
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| Wie der Dominikaner Thomas von Aquin den h. Franziskus preist, so jetzt der Franziskaner Bonaventura von Bagnoreggio den h. Dominicus und seine Ordensbrüder. Die Namen, welche hier vorkommen, sind diejenigen von bedeutenden Gelehrten, unter denen Matheus von Aquasparta und Uberlin von Casal eine besonders strenge Richtung bezeichnen. Ostiensis und Thaddäus hingegen sind Gelehrte, welche nach weltlichem Gewinn strebten. Calaroga ist die Geburtsstadt des h. Dominicus in Spanien, dem Lande, von woher der Zephir, der Westwind kommt, der Löwe ist eine Anspielung auf das Wappen von Castilien und Leon. Hier fallen wieder einige Seitenhiebe für den h. Stuhl 384 ab, jedoch gelten die wohl nur Bonifaz dem VIII., dem großen Feind des Autors. Wenn vom ewigen Kaiser die Rede ist, so meint der Dichter damit den Heiland. Von mythologischen Anspielungen findet sich nur diejenigen auf Iris, welche eine Dienerin der Juno war, und auf Echo, eine reizende Nymphe, die den Narziß liebte. Als sie dieser, bekanntlich in sein eignes Spiegelbild verliebte Jüngling verschmähte, verzehrte sie sich vor Gram in der Waldeinsamkeit. Nur die Stimme blieb und antwortete dem, der sie anruft. | |
| 1 | Die seel'ge Flamme hatte kaum geendet, |
| Da setzte schon das heil'ge Rund in Gang | |
| Auf's Neue sich; doch eh, der Kreis vollendet | |
| 4 | Sah ich ein Andres, das um dies sich schlang, |
| Annehmend die Bewegung und das Tönen | |
| Des ersten; und so hold war dieser Sang, | |
| 7 | Das er das Lied der Musen und Sirenen |
| So weit noch übertraf als eig'nes Licht, | |
| Geborgtes, übertrifft. Nach Himmelsthränen | |
| 10 | Siehst oft du, wenn die Sonne wieder sticht, |
| Und Juno ihre Magd berief, die schnelle, | |
| Zwei Bogen steh'n auf zarter Wolkenschicht. | |
| 13 | Vom innern wird der äußre parallele |
| An Farbe ihm entsprechend auch, bedingt, | |
| So wie ein Ruf, tönt er an günst'ger Stelle | |
| 16 | Zum Gegenruf die holde Nymphe zwingt, |
| Die Schmerz verzehrt, weil Liebe rasch verflogen, | |
| Dem Wölkchen gleich, das weg die Sonne trinkt. | |
| 19 | Ja wie einander ähnlich diese Bogen, |
| Die oft an Noah mahnen und die Fluth | |
| Und prophezeih'n, daß anschwell'n nicht die Wogen | |
| 22 | Zum zweitenmale soll'n mit gleicher Wuth, |
So waren ähnlich sich die beiden Kränze |
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Aus ew'gen Rosen, so die Farbengluth |
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| 25 | Die übertraf, was je ich sah im Lenze. |
Als sanft nur noch gewallt der Blumenflor |
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Der Jubel schwieg und aufgehört die Tänze, |
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| 28 | Gleichzeitig in dem ein und andern Chor, |
Wie man zugleich auch schließt die Augen beide |
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Und öffnet, drang 'ne Stimme an mein Ohr, |
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| 31 | Aus eines neuen Geistes Strahlenscheide, |
Der lauschend ich entzückt, mich zugeneigt. |
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Ich richtete mich nach dem Ton der Freude |
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| 34 | Fest wie die Nadel nach dem Nordstern zeigt. |
"Die Lieben, die mich hier verschönt, läßt weiter |
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Nicht zu," sprach er, "daß meine Zunge schweigt. |
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| 37 | Ich will nun reden von dem andern Leiter, |
Um dessentwillen meinen man erhob. |
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Sie waren für dieselbe Sache Streiter, |
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| 40 | So schalle auch zusammen jetzt ihr Lob! |
Viel kostete es Christi Heer auf's Neue |
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Zu waffnen! wenn es ganz auch nicht zerstob, |
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| 43 | Folgt's doch der Fahne nicht mit alter Treue. |
Da gab der ew'ge Kaiser seinem Heer |
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In jenen Männern Feldherrn, und die zweie |
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| 46 | Sind auch für seine Braut so Schutz als Wehr. |
Ihr Wort, ihr Beispiel bracht' das Volk, das wilde, |
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Zurück zum Lager, das schon menschenleer. |
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| 49 | Im Land, aus dem der Zephyr kommt, der milde, |
Um aufzuthun die neuen Blätter all, |
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In die Europa kleidet ihr Gefilde, |
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| 52 | Nicht fern der Küste, wo der Wasserschwall, |
Weil endlos weit sich dehnt die Wellenkette, |
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Verbirgt oft Vielen unsern Sonnenball, |
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| 55 | Liegt Caloroga, die beglückte Stätte, |
Beschützt vom Schild, in dessen erstem Feld |
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Der Löwe oben steht, im zweiten Brette |
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| 58 | Dagegen unten treue Wache hält. |
Ein Freund des Glaubens über alle Freunde, |
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Ein heiliger Athlet kam dort zur Welt, |
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| 61 | Der hold den Seinen, schrecklich war dem Feinde, |
Durch den Prophetin ward die Mutter schon, |
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Eh' sie ihn noch gebar. Als die Gemeinde |
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| 64 | Versammelt, um zu taufen ihren Sohn, |
Nachdem vollzogen war an heil'ger Quelle |
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Der Bund des Knaben mit der Religion, |
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| 67 | Sah die, die Antwort gab an seiner Stelle |
Voraus im Geist den reichen Segen auch, |
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Der ausgeh'n sollte einst von seiner Zelle |
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| 70 | Und von den Jüngern, folgend seinem Brauch. |
Damit den Menschen man am Namen kenne, |
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Gebot der Mutter eines Geistes Hauch, |
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| 73 | Daß sie Dominicus den Knaben nenne, |
Das heißt: ein Wesen, das gehört dem Herrn. |
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Den Ackersmann im Feld und auf der Tenne, |
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| 76 | Gehülfen Christi, heiße ich ihn gern. |
War doch des Kindes erstes Lieb' entglommen |
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Für Tugenden, die sind des Glaubens Kern. |
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| 79 | Die Amme fand ja in der Nacht den Frommen |
Oft wach und ernst am Boden, gleich als dächt' |
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Er still sich: dazu bin ich gekommen! |
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| 82 | O Vater, den man Felix nennt mit Recht, |
O Mutter die Johanna ist, will sagen |
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Die Segenbring'rin für ihr ganz Geschlecht. |
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| 85 | Gelehrt ward' er, doch nicht um zu erjagen |
Den eitlen Ruhm und nicht der Welt zu lieb, |
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Wie's Viele thun bei des Ostiensis Fragen, |
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| 88 | Und auf Thaddeus Spur. Mit heißem Trieb |
Sucht er das Manna nur auf allen Wegen. |
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Den Weinberg, welcher offen steht dem Dieb, |
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| 91 | Wenn träg der Winzer, sieht man ihn umhegen. |
Vom Stuhl, der mind're Großmuth offenbart, |
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Als sonst, was wir ihm selbst zur Last nicht legen, |
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| 94 | Nein dem, der ihn besitzt und aus der Art |
Geschlagen ist, verlangt er keine Pfründen, |
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Den Zehnten nicht, den Armen abgespart, |
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| 97 | Nicht will für sechs mit zwei er ab sich finden, |
Nein, er verlangt Erlaubniß nur zum Streit |
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Für jenen Saamen, den sowohl mit Gründen, |
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| 100 | Als Thaten zu beschützen er bereit. |
Den Saamen, der enthielt die Pflanzen alle, |
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Die vierundzwanzig hier um dich gereiht. |
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| 103 | Da Wille und Doktrin in diesem Falle |
Vereint mit kirchlicher Mission, brach los |
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Er wie der Bergstrom aus dem Felsenwalle, |
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| 106 | Gespeist von Adern tief im Erdenschooß; |
Er traf das ketz'rische Gestrüpp, das freche, |
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In seinem Lauf mit um so härt'rem Stoß, |
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| 1+9 | Je mehr's ihm widerstand. Dann theilt in Bäche |
Der Fluß sich, netzend rings der Kirche Saat, |
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Und Baum und Strauch grünt auf des Gartens Fläche. |
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| 112 | War so des Schlachtenwagens eines Rad, |
Auf dem die Kirche sich gewehrt im Streite, |
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Besiegend jenen, den geführt der Staat, |
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| 115 | So siehst du ein, wie gut auch war das zweite, |
Das Thomas pries. Doch geht nicht mehr fürbaß |
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In dieser Räder Spuren ihr Geleite. |
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| 118 | D'rum fand statt Weinstein, Schimmel man im Faß. |
Die Bruderschaft, einst ihrem Stifter treuer, |
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Die ihm gefolgt auch durch den rauhsten Paß, |
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| 121 | Setzt an die Stelle ihre Ferse heuer, |
Wo sonst die Spitze stand. Zur Erndtezeit, |
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Wenn sich der Lolch beklagt, daß in die Scheuer |
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| 124 | Man nicht ihn bringt, wird klar die Lässigkeit. |
Wenn unser Buch du durchsiehst, alle Blätter, |
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Dann liest' auf ein'gen du: "Ich bin noch heut' |
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| 127 | Das was ich war." Doch stammt nicht eine Letter |
Des Spruch's von Aquartasparta und Canal, |
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Denn diese sind nicht uns'rer Orden Retter. |
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| 130 | Bonaventura bin ich, und durch Wahl |
Stieg ich zu hohen Würden auf, doch minder |
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Als um mein Heil, sorgt ich um sie zumal. |
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| 133 | Die Barfüßler, die ersten schau, die Kinder |
Und Freunde Gottes wurden durch den Strick! |
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Hier zeigt sich bei dem großen Ordensgründer |
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| 136 | Illuminat und Augustin dem Blick, |
Donat auch, der die erste Kunst getrieben. |
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Sieh Victor's, sieh Anselm's und Raban's Glück! |
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| 139 | Sieh Peter, der Libelle zwölf geschrieben, |
Den Spanier, Joachim, Chrysostomus |
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Und Peter Mangiador; sieh' den, der drüben |
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| 142 | Die Zukunft kannte, Natan macht den Schluß! |
Ach, Thomas pries so herrlich meinen Meister, |
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Daß er zum Lobe des Dominicus |
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| 145 | Entflammt mich selbst und alle diese Geister. 25.12.2006 |