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Uebersicht

Paradies. 13. Gesang.
   
     Um ein anschauliches Bild dieser Gesänge zu gewinnen, räth Dante, man solle sich die 24 hellsten Sterne des Firmaments vorstellen, unter denen die des großen und kleinen Bären und der Krone namentlich angeführt sind, und solle je zwölf und zwölf zu einer Runde vereinen. Diese Lichtkreise haben denselben Durchmesser, und bewegen sich mit gleicher Schnelligkeit, aber in entgegengesetzter Richtung. Unter diesen Glorien sind die großen Kirchenlehrer verborgen. Wenn nun von Salomon die Rede kommt, so muß man wissen, daß man sich in jener Zeit vielfach herumstritt, ob er selig geworden sei oder nicht. Aus diesem Grund wird ein großer Werth auf die Aeußerung gelegt: "es kommt kein zweiter Geist, der ihm gleich ist." Der Autor legt dar, dem Salomon gehe in der natürlichen Schöpfung Adam, in der übernatürlichen Christus vor. Thomas von Aquin erklärt, der Ausspruch habe sich nur auf die Gesetzgeber bezogen. Merkwürdig ist der Vergleich geschaffener Wesen und Dinge mit Kunstwerken, bei denen entweder wegen Unvollkommenheit des Stoffs oder Ungeschicklichkeit des Bildners nur selten das Ideal erreicht wird. Was die angeführten Personen betrifft, so waren Parmenides und Melissos griechische Philosophen, Arius und Sabellius Irrlehrer. Bryson war Mathematiker. Herr Martin und Frau Bertha bedeutet so viel als Hinz und Kunz.
   
1 Willst du, was ich hier sah, versteh'n, so mußt
  Die fünfzehn Sterne du zusammenfassen,
  Die leuch'ten an verschied'nen Stell'n, mit Lust
4 Erfüll'n den Himmel ganz und nie erblassen,
  Durchstrahlend selbst das dicht'ste Nebelmeer,
  Und darfst dies Bild nicht aus den Augen lassen
7 So lang ich rede. Denk an das Gefähr,
  Das Raum genug an unserm Himmel findet,
  So Tag wie Nacht, und niemals sternenleer
10 Den Nordpol läßt, und das auch nicht verschwindet,
  Selbst wenn auch seine Deichsel sich gedreht.
  Der Mündung denkt des Horns, das nie erblindet
13 Und dessen Endpunkt auf der Achse steht,
  Um die sich dreh'n des ersten Rades Speichen;
  Denk wie der Kranz der Tochter ward erhöht
16 Des Minos, als sie starb, und bild' solch' Zeichen
  Zweimal aus jenen Sternen, die ich pries;
  Denk, daß der Kreise Radien sind die gleichen,
19 Doch umgekehrt ihr Lauf, denk Alles dies,
  So hast das Abbild du der Sternenkränze,
  Den Schatten von dem Sonnenparadies,
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Der Doppeltanz besiegte uns're Tänze

 

So weit als wie der erste Himmel nur

 

Besiegen kann die Chiana, auf der Grenze

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Arezzo's, wo verlangsamt ihre Spur.

 

Nicht Bacchus, nicht Apoll galt hier der Reigen,

 

Nein, drei'n Personen göttlicher Natur,

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Von denen einer, menschliche auch eigen.

 

Da jetzt sein Maß erreicht der Jubelreih'n,

 

Sah ich zu uns sich froh die Seelen neigen

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Wie die, die sich durch Wohltun selbst erfreu'n.

 

Und Worte eilte dem Gefühl zu geben

 

Zuerst aus diesem göttlichen Verein

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Der, der erzählt des Gottesarmen leben.

 

Er sprach: "Da leer ich drosch das eine Stroh,

 

Damit wir auf den goldnen Samen heben,

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So mach ich's mit dem andern ebenso.

 

Die Brust, aus der die Rippe ward gezogen

 

Um die zu bilden, die erst gut und froh,

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Sich selbst dann hat und uns um's Glück betrogen,

 

Die Brust auch, speerdurchbohrt, die dargebracht

 

Ein Opfer, das die Sünden aufgewogen,

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Die ein und and're, so hast du gedacht,

 

War so durchströmt von Licht und Kraft, als eben

 

Sie zu verleih'n vermag nur Gottes Macht

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Und menschliche Natur es zugegeben.

 

Drum staunst du, daß ich just dir kundgethan,

 

Es sei dem Geist, vom fünften Licht umgeben,

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Kein andrer gleich. Hör aufmerksam mich an,

 

Dann merkst du wohl, wie meine Worte stehen

 

Im Mittelpunkt deiner Gedanken Bahn.

52

Ein Abglanz ist der göttlichen Ideen

 

Was stirbt und nicht stirbt. Sieh das ew'ge Licht,

 

Trotzdem die Strahlen auseinandergehen,

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Trennt darum sich von seinem Urquell nicht,

 

Noch von dem Liebesathem, der hier waltet.

 

Indem in neun Substanzen es sich bricht,

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Und in den neunen bildet und entfaltet,

 

Senkt's Stufe sich vor Stufe, ja es steigt

 

Hinab der Wesen Reihe, und gestaltet,

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Zuletzt nur, was sich als Erscheinung zeigt,

 

Als flücht'ge, was entsteht durch die Bewegung

 

Der Sphären, was durch Saamen sich erzeugt.

64

Verschieden ist das Wachs und auch die Prägung

 

Der Dinge, und wie groß auch ihre Zahl,

 

Sie dünken dir bei näh'rer Ueberlegung

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Verschieden alle. Wird vom Ideal

 

Doch eins durchstrahlt, ideß der Stoff, der dichte,

 

Beim andern hemmt den Schein, der dann nur fahl,

70

So trägt dasselbe Holz bald gute Früchte,

 

Bald schlet're. Mir verschiedner Geistekraft

 

Kommt Ihr, wie mit verschiedenem Gesichte

73

Zur Welt! o wenn das Wachs nicht mangelhaft,

 

Das ich genannt, nein wenn 's vollkommen wäre,

 

Zugleich in schöpferischer Eigenschaft

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So thätig, wie nur je die Himmelssphäre,

 

Die es besiegelt, dann, dann prägte sich

 

Gewiß das Siegel ganz auch aus, das hehre.

79

Doch die Natur verfehlt gar oft 'nen Strich,

 

Dem Künstler gleich, vom Ideal beflügelt,

 

Dem aber, sei's beim Bilde, sei's beim Stich,

82

Die Hand gebebt, wodurch's nicht rein sich spiegelt.

 

Doch wenn die ew'ge Lieb' umschafft einmal

 

Den Stoff, und stärkt die Macht, die ihn besiegelt,

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Dann tritt in's Leben auch das Ideal.

 

So ward ein Mensch, das was erst Staub gewesen,

 

So wurde Mutter durch den Liebesstrahl

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Maria, um vom Heiland zu genesen.

 

Nie reicht an die Vollkommenheit heran

 

Die menschliche Natur noch durch ein Wesen,

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Wie sie's durch Adam und den Herrn gethan.

 

Und doch sagt' ich vom fünften Licht im Kreise

 

Daß seinesgleichen nie die Menschen sahn?

94

Wie kann's denn sein? denk, was er war, was weise

 

Er sich erbat, als bitten er gesollt.

 

Du weißt, ein König ist es, den ich preise,

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Der Eines nur erflehte und gewollt,

 

Die Einsicht um des hohen Amts zu walten

 

Und werth zu sein der Ehrfurcht, ihm gezollt.

100

Nicht wünscht die Zahl bewegender Gewalten

 

Er zu erfahr'n, noch kümmert ihn der Streit,

 

Ob wahr ob unwahr sei der Satz der Alten

103

Von der Nothwendigkeit und Möglichkeit,

 

Und der, ob 'ne Bewegung hat bestanden

 

Vor unsrer Schöpfung und vor unsrer Zeit,

106

Und ob im Halbkreis sei kein Raum vorhanden,

 

In den ein rechtwinkliges Dreieck paßt."

 

"Genug", sagt ich, "und du bist einverstanden,

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Da ich den Herrschergeist betont, und hast

 

Warum, "erhob" ich, und "nicht seines Gleichen"

 

Von jenem sagte, richtig jetzt gefaßt.

112

Ich dacht' ihn nur mit Kön'gen zu vergleichen,

 

Denn viele giebt's, doch selten ziert den Thron

 

Ein guter, suchst du auch in allen Reichen.

115

Es stimmt mit dieser Modification

 

Nun wieder meine Ansicht mit der deinen,

 

Von Adam und dem theu'ren Gottessohn.

118

Dies Mißverständniß lehr' dich beim Verneinen

 

Und beim Bejahen zaudern! schreite vor,

 

Als hätt'st du in den Füßen Blei! denn Einen

121

Acht ich für thörichter noch als den Thor,

 

Der Ja und Nein sagt ohne Ueberlegen.

 

Gefälschter Meinung leiht er gleich sein Ohr,

124

Und schwer ist's, was man annahm abzulegen.

 

Geschädigt kehrt zurück, nicht mit Gewinn,

 

Wer fischen will nach Wahrheit zu verwegen,

127

Und nicht die Kunst gelernt. Ich hab im Sinn

 

Den Brison, Parmenid, Meliß und Viele,

 

Die gingen, doch nicht wußten, ach, wohin!

130

Arius kam. Sabell kam nicht zum Ziele

 

Und Andre. Mach's wie der nicht, der das Korn

 

Das unreif noch, schon abschätzt auf dem Stiele!

133

Sieh, rauh und schwarz steht Winters da der Dorn,

 

Und doch im Lenz trägt er die holde Rose.

 

Und umgekehrt, das Schiff, das Wellenzorn

135

Nicht auf der Fahrt gespürt, noch Sturmgetose,

 

Kann an des Hafens Mündung untergeh'n.

 

Drum glaub' Frau Bertha nicht, die einsichtslose,

138

Und Vater Martin, wenn sie stehlen seh'n

 

Den Einen, und den Andern Opfer bringen,

 

Des ew'gen Richters Rathschluß zu versteh'n;

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Denn der kann fall'n, und Jener auf sich schwingen." 25.12.2006

14. Gesang

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