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Uebersicht

Paradies. 14. Gesang.
   
In diesem Gesange steigen Dante und Beatrice zum Planeten Mars auf. Dabei ist von der Sonnenwirkung oder vielleicht sogar von göttlichem Einfluß auf die Sterne die Rede. Auch die Milchstraße, welche von Pol zu Pol geht, wird erwähnt. Die rothe Farbe bleibt auch hier dem Mars eigen.  In Mitten des Planeten zeigt sich das Kreuzeszeichen. Wenn gesagt wird, Dante habe die Freude an den Augen, an den hell'n, zuerst derjenigen an den himmlischen Harmonien nachgesetzt, so bezieht sich das auf Beatrice. Eine eigenthümliche Betrachtung über die Auferstehung beim jüngsten Gericht macht dies Kapitel zu einem besonders interessanten. Da der Mensch von Gott mit Leib und Seele geschaffen, so soll er ein vollkommneres Wesen sein, wenn er in seiner Ursprünglichkleit wieder hergestellt ist. Ein volkomneres Wesen muß auch empfindungsfähiger, also wenn einmal seelig, noch seeliger werden. Von einem irdischen Leib und irdischen Genüssen kann nicht die Rede sein. Von was für einem Körper aber dann? Wohl nur von einer Form, einer Gestalt, einem farbigen Aether.
   
1 Das Wasser in der Schaale rund und hohl,
  Sah oft vom Centrum ich zum Umkreis rinnen,
  Und umgekehrt, dem Stoß entsprechend wohl,
4 Den es erhielt von außen oder innen,
  Bis wieder es das Gleichgewicht gewann.
  Des Vorgangs dacht' ich, eingeprägt den Sinnen,
7 Als Thomas schwieg, und Beatrix begann,
  Weil Beider Reden sich so ähnlich waren.
  "Noth thut's 'ne andre Wahrheit", hob sie an,
10 "Bis auf die Wurzel noch zu offenbaren
  Hier diesem, hat er auch nicht d'ran gedacht
  Noch d'rum gefragt; doch wird's, sie zu erfahren
13 Ihm wichtig sein. Sag', ob von solcher Pracht
  Umhüllt Ihr bleibt selbst nach dem Welgerichte,
  Ob der verklärte Leib Euch sichtbar macht?
16 Welch' Auge hielte Stand dann solchem Lichte?"
  Wie Tänzer rasch'ren Schritt's mit hellrem Sang,
  Als wie bisher, und froh'rem Angesichte
19 Sich drehn bei freud'gem Zuruf, also schwang
  Bei dieser Bitte schneller sich die Runde,
  Aus der noch süß're Melodie erklang
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Als erst erscholl aus diesem Seelenbunde.

 

Den Gnadensegen, der hier niederthaut,

 

Hat der, dem bangt vor seriner Todesstunde,

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Die ihm den Himmel aufschließt, nie geschaut,

 

Sonst würd' vorm Tode er zurück nicht scheuen.

 

Nachdem der Chor dreimal mit Wonnelaut

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Gelobt den Einen, der da lebt in Dreien,

 

Ein Lied so schön, daß jed' Verdienst belohnt

 

Schon wird durch diesen Klang, ein Freudenreihen

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Auf die Dreieinigkeit, die droben thront,

 

Von der das All umschlossen und durchdrungen,

 

Doch die kein Raum begrenzt, in dem sie wohnt,

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Und keine Zeit, nachdem dies Lied gesungen,

 

Hob an 'ne Stimme aus der klein'ren Schaar

 

So süß, wie einst der Engelgruß erklungen:

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"Wir hüll'n in diesen Glanz uns immerdar,

 

So lang das Fest im Paradiese währet;

 

Die inn're Gluth strahlt aus ihn himmlisch klar,

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Und diese wird durch sel'ges Schau'n gewähret,

 

Die Gnade, der wir danken die Vision,

 

Wird reichlicher uns nach dem Tod bescheeret,

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Wo gottgefäll'ger wird unsre Person

 

Und hergestellt in ihrem ganzen Wesen;

 

Weil dann den Leib wir angezogen schon,

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Den auferstand'nen, frei von allem Bösen,

 

So muß die Anschauung noch klarer sein,

 

Die Lieb' drum größer als sie je gewesen,

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Und größer dieser Liebe Widerschein

 

Wie eine Kohle, die erzeugt das Feuer,

 

Stets sichtbar bleibt, hüll'n sie auch Flammen ein,

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So überstrahlt der Leib den Flammenschleier.

 

Vor diesem Glanz senkt dann sich nicht der Blick,

 

Denn jeder Sinn ist dann mit Kraft, mit neuer,

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Begabt, um zu genießen höchstes Glück."

 

Jetzt hört ich's, Amen, aus den Chören tönen,

 

Und einer gab's dem andern froh zurück,

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Als wär' nach Auferstehung groß ihr Sehnen,

 

Die sie vielleicht nicht für sich selbst begehrt

 

So heiß, als um zu still'n der Theuren Thränen,

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Der Mütter, Väter, Freunde, ihnen werth,

 

Eh Flammen, ew'ge, sie im All geworden.

 

Jetzt stieg, wie wenn der Horizont sich klärt.

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Ein neuer Glanz auf an des Himmels Borden,

 

Der über diesen beiden Ringen glimmt,

 

Begleitet von unsterblichen Akkorden.

67

Oft sehn im Dämmerlicht wir unbestimmt

 

An unserm Himmel hier und dort 'nen Schimmer,

 

Der hellen Wolken gleich im Aether schwimmt.

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Da frägt man wohl, sind Sterne im Geflimmer?

 

So kan jetzt hier von fern der goldne Rauch

 

Und ward zum Kreis, an Glanz zunehmend immer,

73

Und schwebte um die andern Kränze auch,

 

So hell bald, daß ich nicht ihn anschaun konnte.

 

Gewaltig flammt des heil'gen Geistes Hauch.

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Da zog das Aug' ich ab vom Horizonte

 

Und wandt' auf's Antlitz jetzt es, meine Lust,

 

Das süß'res Lächeln noch als je besonnte.

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Sie Sehkraft gab's mir wieder, und bewußt

 

Ward ich mir jetzt erst, daß wir aufgeflogen.

 

Dies Lächeln und das Glück in meiner Brust

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Des Sternes Glanz, der nie vom Himmelsbogen

 

So roth mich angelacht, o das verrieth

 

Mir schon, wie mächtig er uns angezogen.

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Lobopfer bracht ich dar und noch verglüht

 

War nicht mein Dank, da gab mir Gott ein Zeichen,

 

Daß gnädig er auf solche Opfer sieht.

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Denn in zwei Streifen zeigt, in funkenreichen,

 

Er mir ein wunderbares Sterngewühl.

 

"O Helios, mit Reizen ohne Gleichen",

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Rief ich, "schmückst diese du, welch' Lichterspiel!"

 

Wie auf dem Pfad, der führt in hohen Zonen

 

Von Pol zu Pol, um den gestritten viel

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Die Weisen schon, sich in Constellationen.

 

In mannichfalt'gen, Sterne klein und groß,

 

Zusammenstellen, sei's zu Strahlenkronen,

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Sei's zu Figuren, sei's zu Wolken bloß,

 

So mußten auch die Lichter, die hier wallten,

 

Das Zeichen bilden jetzt dem Mars im Schooß,

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Das die Quadranten an dem Punkt gestalten,

 

Wo sie sich schneiden in des Kreises Kern.

 

Wie diese Kreuzesarme sich entfalten,

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Seh' plötzlich zwischen ihnen ich den Herrn,

 

Doch ist's unmöglich mir zu schildern Christus,

 

Denn Licht war Alles, Stern gereiht an Stern,

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Und hält Erinn'rung fest auch diesen Christus,

 

So ist die Fassungskraft, das Wort zu schwach.

 

Doch wer sein Kreuz aufnimmt und folget Christus,

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Der wird ihn schau'n und fühlt mir Alles nach,

 

Und der entschuldigt wahrlich auch mein Schweigen.

 

Drängt sich ein Strahl ins schattige Gemach,

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So tanzen in dem Streifen ihren Reigen

 

Atome, vielgestaltig, aller Art.

 

Gleich ihnen sah ich auf und ab hier steigen

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Die Lichter, tönend unbestimmt und zart,

 

Geschwirr erregend, wie wenn fernher klingen

 

Violen, die mit Harfen schön gepaart.

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Musik ging aus, gleich reiner Saiten Schwingen,

 

Vom hehren Kreuz, und süße Melodie.

 

Nur Eins verstand ich von dem fernen Singen:

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"Steh' auf und siege!" Traun mich dünkt, daß nie

 

Vorher mich irgend etwas so ergötzte,

 

Noch fesselte, als diese Harmonie.

124

Vielleicht sprach ich zu kühn, da nach ich setzte

 

Die Freude an den Augen, an den hell'n,

 

Und minder sie, als diese Freude schätzte.

127

Doch konnt' ich da auch noch kein Urtheil fäll'n,

 

Denn noch hatt' ich nicht in die beiden Sonnen,

 

Die ja für mich die reichsten Freudenquell'n,

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Geschaut in diesem Kreis. Da sie gewonnen

 

An Glanz bei jedem Steigen, höh'res Glück

 

Austrahlend dann, durft ja noch höh're Wonnen

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Ich jetzt erwarten auch von ihrem Blick.

 

So wenn ich irrte, wird sie mir vergeben.

 

Nur Eins bleibt wahr, und nie nehm ich's zurück:

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Daß unbegrenzt dort ist im ew'gen Leben,

 

Der Steig'rung fähig stets, die Seeligkeit.

 

Daß in dem Maaße, als wir uns erheben,

139

Die Freude wächst in alle Ewigkeit.   26.12. 2006

15. Gesang

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