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Paradies. 24 Gesang.
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| Seite 439-443 | |
| In diesem und in der folgenden Kapiteln concentrirt sich das ganze Interesse auf die Apostel Petrus, Jacobus und Johannes. Der erste ist der Vertreter des Glaubens, der zweite der der Hoffnung, der dritte der der Liebe. Das Wechselgespräch des heiligen Petrus mit Beatricen über den Glauben bildet den Kern dieses Gesanges. Punkte, welche der Erläuterung bedürfen, sind folgende: "Der Mann, welcher Petrus Beistand lieh, um Rom den richtigen Glaubensweg zu zeigen", ist Jacobus. "Das alt' und neue Pergament" bedeutet das alte und neue Testament. Die echte Münze bedeutet den wahren Glauben, das Gleichniß vom Eisen und Ambos die Uebernatürlichkeit der für den Glauben zeugenden Werke; unter der Pflanze, welche erst ein Rebstock war, sich dann aber in einen Dornbusch verwandelte, versteht man das Kirchenregiment. Wenn es heißt, daß der Fuß Petri einen jüngeren Fuß im Lauf überholte, so muß man dabei an den Gang der Jünger zum Grab des Heilands denken. Johannes lief zwar schneller, aber er blieb vor dem Grab stehen, indeß Petrus gerade hineinschritt und deshalb früher ankam als jener. Am Schluß des Kapitels nennt der Dichter Gott den ruhenden Mittelpunkt alles Seins, den Beweger des Universums, der selbst unbewegt bleibt und erinnert an das Grundprincip des Christenthums, die h. Dreieinigkeit, von welcher man ebenso sagen kann sie ist, als sie sind, weil sie ein Ganzes ist und aus drei Personen besteht. | |
| 1 | "Ihr, bei dem Abendmahl des Lammes Gäste, |
| Des Lamms, das überreich Euch Nahrung schenkt, | |
| Wenn der hier aufliest Brosämlein vom Feste | |
| 4 | Eh ihm der Tod sein Ziel gesteckt, so denkt |
| Der Liebe Gottes! wollt es ihm nicht wehren", | |
| So bat die Gute, "mit 'nem Tröpflein tränkt | |
| 7 | Den, der den Quell gesucht, aus dem Ihr hehren, |
| Ihr sel'gen Geister schöpft zu jeder Zeit." | |
| Da wandelten die Lichter sich in Sphären | |
| 10 | Um feste Pole rollend, froh bereit |
| Mir wohlzuthu'n, und Strahlen schoß ein Jeder | |
| Kometen gleich, durch meinen Wunsch erfreut. | |
| 13 | In einer Uhr sieht man verschied'ne Räder, |
| Die alle in verschied'nem Tempo gehn, | |
| Sind alle auch bewegt eine Feder. | |
| 16 | Das erste Rad scheint stille fast zu stehn, 440 |
| Das letzte scheint zu fliegen. So der Reigen | |
| Der Sphären auch; aus ihrem schnell'ren Drehn | |
| 19 | Und minder schnell'n, aus Abnahme und Steigen |
| Des Lichts schloß ich auf ihres Glückes Maaß. | |
| Den schönsten Stern hier sah herab sich neigen | |
| 22 | Mit Melodie'n ich, die ich ach vergaß, |
| Denn Phantasie kann nicht heraufbeschwören, | |
| Und strebte sie danach ohn' Unterlaß, | |
| 25 | Der Töne Reiz. Vermag sie's nicht, wie wären |
| Zu schildern ihn im Stande Worte dann? | |
| "Du Schwester", rief er, "zogst aus höchsten Sphären | |
| 28 | Herab mich durch dein Flehn", so hauchte an |
| Das heil'ge Feu'r die Herrin. "Prüf' in Fragen, | |
| In leichten und in schweren diesen Mann", | |
| 31 | Bat Jene, "du, dem Christus übertragen |
| Die Schlüssel, die vom Himmel er gebracht. | |
| Im Glauben, der dich über's Meer getragen, | |
| 34 | Und auf der Fluth zu gehn dich stark gemacht, |
| Prüf' diesen. Daß er liebt und hofft mußt wissen | |
| Und glaubst du schon; da du von hoher Wacht | |
| 37 | Ja Alles siehst, wie Bilder scharf umrissen, |
| Was drunten ist. Weil man im Gottesstaat, | |
| Der überreich an himmlischen Genüssen, | |
| 40 | Nur Bürger wird, wenn man ihm gläubig naht, |
| So ziemt sich's, daß wir diesen Glauben preisen | |
| Und Andren zeigen diesen richt'gen Pfad." | |
| 43 | Jetzt glich dem Schüler ich, der mit Beweisen |
| Sich heimlich rüstet, wenn kaum angeregt | |
| Vom Meister eine Frage ward, vom weisen, | |
| 46 | Doch eh'r nicht spricht, bis dieser ausgelegt |
| Den Satz ihm; spricht, doch nicht um zu entscheiden, | |
| Nein, nur um zuzustimmen dankbewegt. | |
| 49 | Bereit war das Verhör ich zu erleiden, |
| Und willig zum Bekenntniß. "Rede frei", | |
| So hob der Stern an, leuchtend auf vor Freuden, | |
| 52 | "Was denkst du, daß der wahre Glaube sei?" |
| Und ich, dem Fassung jetzt verlieh die Gute, | |
| Damit ich unterdrücke jede Scheu, | |
| 55 | Und wie aus tiefem Born die Rede fluthe, 441 |
| Hob an: "Wenn Alles dir mein Mund bekennt, | |
| Vorkämpfer du, der zeugt mit seinem Blute, | |
| 58 | Möcht' dann die Gnade auch, die mir's vergönnt, |
| Mir klären die Idee'n, die Zunge lösen. | |
| Substanz gehoffter Dinge, Argument | |
| 61 | Der unsichtbaren, sind des Glaubens Wesen, |
| So wie's geschrieben mit wahrhaft'gem Stift | |
| Der Mann, der Bruder dir im Geist gewesen, | |
| 64 | Der Rom mit dir durch Rede und durch Schrift |
| Erst auf den rechten Weg gebracht zum Heile." | |
| "Recht hast du, was den Glauben anbetrifft, | |
| 67 | Stoff und Beweis sind seine beiden Theile; |
| Doch jetz begründe, was du aufgestellt." | |
| So sprach zu mir des Christenthumes Säule. | |
| 70 | Und ich: "Geheimestes wird hier aufgehellt; |
| Was wir auf Erden einfach glauben müssen, | |
| Das Fundament der Hoffnung in der Welt, | |
| 73 | Das wandelt hier in Schauen sich und Wissen. |
| Substanz ist Glaubensinhalt. Diesen Satz | |
| Nimmt man zum Ausgangspunkt von neuen Schlüssen; | |
| 76 | So wächst durch Folg'rung stets der Glaubensschatz. |
| Ein Argument ist solch ein Schluß." "Nicht wäre" | |
| Sprach Jener, "für Sophisten drüben Platz, | |
| 79 | Wenn so, wie du hier glaubst an diese Lehre, |
| Man an die andern glaubte in der Welt. | |
| Die Bindung ist, und das Gewicht, das schwere, | |
| 82 | Der wunderbaren Münze festgestellt. |
| Doch hast im Beutel du vom Gold, dem echten?" | |
| "Ich hab's", rief ich, "und blank ist dieses Geld | |
| 85 | Und rund, das an der Prägung ich, der rechten, |
| Nicht mal beim ersten Anblick zweifeln könnt!" | |
| "Woher bekamst du in der Welt, der schlechten, | |
| 88 | Dies Kleinod, jeder Tugend Fundament?" |
| Und ich: "Des heil'gen Geistes Gnadenregen | |
| Hat reichlich ja das alte Pergament | |
| 91 | Und neue auch bethaut mit wahrem Segen, |
| Daß ich Beweise, andre nicht bedarf | |
| Als die auf diesen Blättern aus sich prägen. | |
| 94 | "Warum hälst du für Gottes Wort sie?" warf 442 |
| Mir Petrus ein; und ich: "Kann das beweisen | |
| Ein andres Zeugniß je, so klar und scharf, | |
| 97 | Als wie's die Werke thun, die hoch wir preisen? |
| Die Werke, die gefolgt dem Wort des Herrn, | |
| Bei denen nicht Natur geglüht das Eisen, | |
| 100 | Natur nicht auf den Ambos schlug." Der Stern |
| Hob an: "Wer kann, daß sie geschehn, bezeugen? | |
| Besonders da die Zeit ja schon so fern?" | |
| 103 | "Die Bibel kann's, für die nun wied'rum Zeugen |
| Die Werke sind. Doch wenn bekehren ließ | |
| Die Menschheit sich, wenn sie gemacht zu eigen | |
| 106 | Das Christenthum ohn' Wunder sich, wär dies |
| Das größte Wunder nicht? mehr müßt man's schätzen | |
| Als hundert and're, die so oft man pries, | |
| 109 | Denn arm und nüchtern gingst du aus, zu setzen |
| Die Pflanze, die ein Rebstock war, und dann | |
| Auswuchs zum Dorn, an dem wir uns verletzen." | |
| 112 | Das Thema war erschöpft und nun hob an: |
| "Herr Gott, dich loben wir!" der Chor der Frommen. | |
| Erst als der Melodienstrom zerrann, | |
| 115 | Ward das Gespräch von Jenem aufgenommen |
| Der, Fragen stellend, mich von Ast zu Ast | |
| Gedrängt schon hatte, so daß angekommen | |
| 118 | Wir nun auch bei den Blätterspitzen fast. |
| "Die Gnade schloß den Mund dir auf zur Frage | |
| Und Antwort, daß du wohl geredet hast; | |
| 121 | Doch was du, und warum du glaubst, das sage," |
| So sprach der Würdenträger jetzt zum Schluß. | |
| "Muth machst du mir," rief ich, "daß ich nicht zage, | |
| 124 | O du, der du jetzt schaust im Hochgenuß, |
| Was du so fest geglaubt, daß auf dem Gange | |
| Zum Grab dein Fuß vorlief dem jüngern Fuß. | |
| 127 | Du willst es, wohl, so zögre ich nicht lange. |
| An einen ew'gen Gott glaub' ich, umkreist | |
| Von allen Sphären stets mit Lobgesange; | |
| 130 | Doch ihn beweget keine. Das beweist |
| Physik und Metaphysik; ja es treten | |
| Für diesen Glauben so Natur wie Geist, | |
| 133 | Und mehr noch, Moses auch und die Propheten, 443 |
| Die Psalmen und das Evangelium ein, | |
| So Eure Schriften, die vom Geist durchwehten. | |
| 136 | An drei Personen glaub' ich, deren Sein |
| Trotzdem nur eines ist; ja sagen könnte | |
| Man "sind" und "ist", spricht man von jenen Drei'n. | |
| 139 | Das wird bezeugt von neuen Testamente, |
| Das ist der Anfang, ist der Lehre Kern, | |
| Der Funke, ohne den kein Feuer brännte; | |
| 142 | Zur Flamme wird er hier, und wie ein Stern |
| Durchstrahlt er mich." Der Diener, heimgekommen | |
| Mit froher Botschaft, wird von seinem Herrn, | |
| 145 | Sobald sie dieser bis zum Schluß vernommen, |
| Umarmt mit Segenswünschen und mit Dank. | |
| Wie ihn hieß der Apostel mich willkommen. | |
| 148 | Indem er dreimal um mich her sich schwang, |
| Mit Freudenliedern, die viel süßer schallen, | |
| Als selbst der reinste irdische Gesang; | |
| 151 | So hatte mein Bekenntniß ihm gefallen. 28.01.2007 |