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Paradies. 25 Gesang.
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| Seite 443-47 | |
| Dante's innige Heimathsliebe spricht sich im Anfang dieses Kapitels aus. Obgleich ihn Bologna zum Dichter krönen wollte, schlug er diese Ehre aus, weil er den Lorbeer im Dom zu Florenz, an seiner Taufstätte zu empfangen hoffte. Wenn vom ersten Vikar Christi die Rede ist, so bezieht sich das auf den hl. Petrus, sowie unter dem Stern, zu dem man nach Galizien pilgert, der hl. Jacobus verstanden wird. Compostella, ein Wallfahrtsort in der spanischen Provinz Galizia, ist das größte Heiligthum jenes Apostels, dessen hier so hoch gepriesenes Evangelium für apocryph angesehen wird. Von den Seligen heißt es, "sie werden in ihrem Lande doppelte Gewande tragen". Gemeint ist damit, sie werden an Leib und Seele verklärt sein. Der Dichter bezeichnet David als den mächtigsten Erreger der Hoffnung und nennt die Apostel Berge, zu denen er staunend emporblickt. Am Schluß erscheint Johannes und bezeichnet es als ein (444) Mährchen, daß er nicht gestorben sei. Nur Christus und Maria sind lebendig zum Himmel aufgefahren. | |
| 1 | "O, wenn mein Werk, an das die Hand zugleich |
| So Erd' wie Himmel legt, mir doch gelänge, | |
| Mein Werk, an dem ich mager ward und bleich, | |
| 4 | Daß seine Kraft die Grausamkeit bezwänge, |
| Die aus der schönen Hürde mich verstieß, | |
| Wo ich den Wölfen feind, der gier'gen Menge, | |
| 7 | Die sie bedräu'n, wie'n Lämmlein schlief so süß, |
| Dann käm zurück ich nach dem Bann, dem langen, | |
| Mit neuer Stimme und mit neuem Vließ | |
| 10 | Zum Brunnen, wo die Taufe ich empfangen. |
| Ein Dichter, würd' den Kranz, den ich ersehnt, | |
| Ich an derselben Stelle dann erlangen, | |
| 13 | Denn Petrus selbst hat meine Stirn gekrönt |
| Und mich geprüft im Glauben." Aus der Zone, | |
| Aus der der Erstling kam, der einst belehnt | |
| 16 | Mit seinem Vikariat vom Gottessohne |
| Auf Erden ward, kam jetzt 'ne Lichtgestalt. | |
| Und Beatrix: "Da kommt vom höchsten Throne | |
| 19 | Der Stern, zu dem man nach Galizien wallt." |
| Wie aus der Luft der Täubrich zu den Tauben | |
| Herabschwirrt und ihr Girrn wie Grüße schallt, | |
| 22 | So grüßten die, die Fürsten sind im Glauben, |
| Sich jetzt, um sich am Himmelsbrod zu freu'n | |
| Beim Festmahl in des Paradieses Lauben, | |
| 25 | Dann hielten grad' vor mir im Flug sie ein; |
| Und also blendend strahlten diese Sonnen, | |
| Daß ich das Haupt jetzt senkte vor dem Schein. | |
| 28 | "O du, der schrieb von uns'rer Kirche Wonnen, |
| Beton' die Hoffnung auch! Wohl hatte sie | |
| In dir Symbol ja und Gestalt gewonnen, | |
| 31 | Wann Jesus höh'ren Glanz Euch Drei'n verlieh." |
| So redete die gütigste der Frauen | |
| Zum zweiten Feu'r, und dies zu mir: "O sieh | |
| 34 | Was aus der Welt der Sterblichen, der rauhen, |
| Heraufkommt, muß an unserm Himmelslicht | |
| Erst reifen, wie die Frucht auf wärm'ren Auen. | |
| 37 | D'rum hebe jetzt empor dein Angesicht." |
| Nun hob ich zu den Bergen auf, den hohen 445 | |
| Die Augen, erst bedrückt durch ihr Gewicht. | |
| 40 | "Da vor dem Tod, im Anblick du, dem frohen |
| Des Paradieses schwelgst, ein Himmelsgast, | |
| Damit der Hoffnung Flammen höher lohen | |
| 43 | Auf Erden einst, sobald erzählt du hast, |
| Daß unsern Kaiser mit dem Heer voll Ruhme, | |
| Von seiner ganzen Ritterschaft umfaßt, | |
| 46 | Du sahst im unnahbaren Heiligthume, |
| Da du so hoch begnadigt bist, sag' an, | |
| Was ist die Hoffnung, die wie eine Blume | |
| 49 | Sie Seele schmückt", so frug der Geist, und dann, |
| "Wo kommt sie her?" Da sprach, die mich getrieben | |
| Zum hohen Flug: "Treu hoffte dieser Mann; | |
| 52 | Die Kirche hat, die streitende, dort drüben, |
| Nicht einen Sohn, der hofft mit größ'rer Kraft, | |
| Und das ist uns'rer Sonne eingeschrieben. | |
| 55 | D'rum, eh vollendet seine Ritterschaft, |
| Durft' er, daß sich sein Blick an Zion weide, | |
| Für kurze Zeit flieh'n aus Aegyptens Haft. | |
| 58 | Die andern Punkte jetzt beantwort' beide |
| Er selbst. Zwar ist bekannt dir großes Licht | |
| Schon Alles. Sprechen soll'n wir ja aus Freude | |
| 61 | Am Gegenstand, und du zeigst, welch' Gewicht |
| Wir eben auf die Hoffnung legen müssen. | |
| Leicht wird die Antwort ihm, macht stolz ihn nicht." | |
| 64 | Wie'n Schüler stand ich jetzt, der gern sein Wissen |
| Dem Lehrer darlegt. "Hoffnung", sagte ich, | |
| Besteht in der Erwartung, der gewissen, | |
| 67 | Zukünft'ger Herrlichkeit; sie bildet sich |
| Aus Gnade und Verdienst. Es träufte nieder | |
| Von vielen Sternen dieses Licht auf mich! | |
| 70 | Doch jener Sänger, der die schönsten Lieder |
| Dem Höchsten sang, der hat's zuerst entflammt | |
| Und ich, ich übertrag's auf meine Brüder. | |
| 73 | Es hoffen, heißt's im Psalm, auf dich gesammt, |
| Die deinen Namen kennen allerwegen. | |
| Wer kännt' ihn nicht, der Israel entstammt? | |
| 76 | Aus der Epistel träufet Gnadenregen, 446 |
| Die einst du schriebst, und Andre hab' erquickt | |
| Ich noch als mich mit diesem Hoffnungssegen." | |
| 79 | Da so ich redend in die Gluth geblickt, |
| Sah ich aus ihrer Mitte Strahlen stieben, | |
| Wie wenn durch Goldgewölk der Blitzstrahl zückt. | |
| 82 | "So heiß nicht müßt' ich jene Tugend lieben, |
| Die bis zur Palme mich begleitet hat, | |
| Bis zu dem Austritt aus den Schranken drüben, | |
| 85 | Wär ich von ihr zu reden nun schon satt. |
| D'rum wolle, was sie dir verhieß, bekennen, | |
| Wie stärkt sie dich, wenn du im Kampfe matt?" | |
| 88 | So frug er. "Alt und neue Schriften nennen |
| Das Ziel", rief ich, "das tröstet den, der weint." | |
| Und er: "So wirst du's genau bezeichnen können." | |
| 91 | "Von denen", sprach ich, "die dem Schöpfer freund, |
| Sagt aus Jesaias, daß in ihrem Lande, | |
| (Und hier ist ja das Paradies gemeint), | |
| 94 | Sie tragen werden doppelte Gewande. |
| Durch deinen Bruder, durch Johannes ward, | |
| Der mehr der Worte weiht dem Gegenstande, | |
| 97 | Bestätigt, was Jesaias offenbart." |
| Kaum schwieg ich, da erging dein Ruf von oben: | |
| "Wir hoffen auf den Herrn!" und dicht geschaart | |
| 100 | Gab Chor auf Chor jetzt Antwort jenem droben. |
| Da fiel mir unter diesen Lichtern all' | |
| Ein Stern auf, der erst eben sich erhoben. | |
| 103 | Besäß der Krebs solch funkelnden Crystall, |
| So blieb's 'nen Mond lang Tag in Winterszeiten! | |
| Wie sich die Maid erhebt beim Cytherschall | |
| 106 | Und tanzt, nicht um zu glänzen vor den Leuten, |
| Nein, um die Jungfrau, die noch neu beim Tanz, | |
| Zu feiern und ihr Freude zu bereiten, | |
| 109 | So schwebte auf die Beiden zu der Glanz, |
| Der neue, mischend sich in ihren Reigen. | |
| Und Beatrix sah auf den Lichterkranz | |
| 112 | Wie Bräute thun, die vor Entzücken schweigen. |
| "Ich will dir", hob sie endlich wieder an, | |
| Doch hing ihr Blick an Jenen noch, "den zeigen, | |
| 115 | Der an der Brust lag unsres Pelikan , |
| Dem einst das große Amt ward übertragen 447 | |
| Vom Kreuze aus. Hier siehst den Stern du nah'n!" | |
| 118 | Zu ihm wagt' ich die Augen aufzuschlagen. |
| Wie der, der zu beobachten bemüht | |
| Die Sonnenfinsterniß, der, ob versagen | |
| 121 | Den Dienst die Augen ihm, doch zum Zenith |
| Stets wieder aufblickt, that auch ich. Solch Treiben | |
| Macht, daß vor lauter Sehn man nichts mehr sieht. | |
| 124 | "Was quälst du dich, ob sich die Augen sträuben, |
| Zu sehn was nicht ist, blendest selbst dich Sohn. | |
| Mein Leib ist Staub im Staub, und wird dort bleiben, | |
| 127 | Bis alle aufstehn beim Posaunenton. |
| Mit Seel' und Leib sind Zwei nur hier zugegen, | |
| Die, die jetzt aufgeschwebt zu Gottes Thron. | |
| 130 | Verkünd' es bei der Rückkehr allerwegen." |
| So wie die Ruder auf 'nen Pfiff am Bord | |
| Stillstehn, ob auch mit starken Schlägen | |
| 133 | Sie just die Fluth getheilt, so stand beim Wort |
| Des Jüngers still die Runde in der Höhe. | |
| Die Mischung dreier Stimmen zum Akkord | |
| 136 | Zerfloß; da blickt ich um, wie ward mir wehe, |
| Ich sah nicht sie, nicht Andre, ich sah nichts, | |
| Und doch war ich in Beatricens Nähe, | |
| 139 | Und doch war ich in einer Welt des Lichts. 01.02.2007 |