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Paradies. 31. Gesang.
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Im Mittelpunkt des Interesse steht der h. Bernhard, der Kirchenlehrer und Ordensstifter, ein besonderer Verehrer Mariens, zu deren Lob er begeisterte Hymnen sang. Hier heißt es, Maria sei die Oriflamme der streitende Kirche, also das Panier der Christenheit, dennoch aber eine Friedensfahne gewesen. Zu Dantes Zeit ward das Tuch von Veronica mit dem Abbild des Herrn in Rom verehrt und Pilger aus entfernten Gegenden kamen zu dem Zweck dahin. Helice, die genannt ist, wurde in eine Bärin verwandelt und mit ihrem Sohn Bootes an den Himmel versetzt. |
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| 1 | In Form der klarsten Rose, ganz erschlossen, |
| Sah ich das heil'ge Heer, dem angetraut | |
| Sich Christus, mit dem Blut am Kreuz vergossen: | |
| 4 | Das and're Heer, das fliegend singt und schaut, |
| Und den, der's liebend anzieht und ihm Gaben, | |
| Erhab'ne schenkt, lobpreist mit Jubellaut, | |
| 7 | Glich einem Bienenschwarm; um sich zu laben |
| Am Saft der Blumen und am Wohlgeruch | |
| Schwirrt er hinaus, doch locken seine Waben | |
| 10 | Zurück nach kurzer Zeit den ganzen Zug. |
| So schwirrten Engel zahllos Kett' auf Kette | |
| In jenen Kelch; doch bald in rasch'rem Flug | |
| 13 | Erhoben sie sich von dem Rosenbette, |
| Zu ihrer Liebe ew'gem Aufenthalt, | |
| Da, wo der Sel'gen einz'ge Ruhestätte. | |
| 16 | Gold ist ihr Flügelpaar und die Gestalt |
| Glänzt weißer als der Schnee: hell sah ich tagen | |
| Ihr Antlitz. Wie das Feu'r, das webt und wallt, | |
| 19 | Schwirr'n sie hinab durch all' die Blätterlagen, |
| Dann weh'n den Seelen sie in jedem Kranz | |
| So Lieb' wie Frieden zu mit Flügelschlagen. | |
| 22 | Ist auch die Luft erfüllt von ihnen ganz, |
| Doch hindern sie den Ausblick nicht, den freien, | |
| Denn so gewaltig ist der Gottheit Glanz, | |
| 25 | Daß die die werth sind, seiner sich zu freuen, |
| Nichts hemmt in sel'gem Schau'n. Hier, wo gedrängt | |
| Die Völker sind der alten Zeit und neuen, | |
| 28 | In diesem ew'gen Gottesreiche hängt 472 |
| An einem Ziel nur Herz und Blick der Frommen. | |
| Dreieinig Licht, das unser Schicksal lenkt, | |
| 31 | Zu einem Stern verschmolzen und entglommen, |
| Blick mild herab in uns'res Daseins Nacht. | |
| Als die Barbaren von dem Strand gekommen, | |
| 34 | Wo die, die folgt dem Sohn, Helice wacht, |
| Als Rom sie sah'n zur Zeit, wo übertroffen | |
| Der Lateran die ganze Welt an Pracht, | |
| 37 | Da staunten sie, und standen stumm, betroffen. |
| Und ich, der aus dem Staub zur Ewigkeit | |
| Hinaufstieg, glücklich über all' mein Hoffen, | |
| 40 | Von Sterblichen kam zur Unsterblichkeit. |
| Von Florenz kam zum heil'gen Volke endlich, | |
| Wie mußt erst ich erstaunen! Daß zur Zeit | |
| 43 | Ich hörte nicht, noch sprach, ist selbstverständlich. |
| Dem Pilger glich ich, der nach langer Fahrt | |
| Erreicht den Tempel, der von fern schon kenntlich; | |
| 46 | Er tritt hinein, wo Viele sind geschaart, |
| Er starrt und staunt, und sinnt schon, wie den Leuten | |
| Er schildern will die Wunder jeder Art, | |
| 49 | Wenn heim er endlich kommt. Nach alle Seiten |
| Blickt ich auf Stufen, die in Licht getaucht, | |
| Und sah Gesichter, die sich mit mir freuten, | |
| 52 | Von eig'ner Lust verklärt, und angehaucht |
| Von Andrer Lust mit holdem Widerscheine, | |
| Aus dem ein jedes Auge Wonne saugt. | |
| 55 | Des Paradieses Form, die allgemeine, |
| Hat ich gefaßt, doch keine Einzelheit. | |
| Jetzt wollt' ich fragen, doch man denkt das Eine, | |
| 58 | Indeß die And'res schon geschieht zur Zeit, |
| Denn Antwort kam mir nicht aus theu'rem Munde, | |
| Nicht sah ich sie, die stets so hülfsbereit. | |
| 61 | Ein Greis stand bei mir in des kelches Runde; |
| Fürwahr des besten Vaters gütig Bild! | |
| Ich aber rief: "Wo ist sie? gieb mir Kunde!" | |
| 64 | Und er: "Damit kein Wunsch dir unerfüllt, |
| Rief sie mich her! blick auf zum Kreis, zum dritten, | |
| Dort strahlt auf höchstem Platz sie engelsmild. | |
| 67 | Da steht der Thron, den ihr Verdienst erstritten. 473 |
| Jetzt sah ich auf, um doppelt mich zu freu'n, | |
| Denn sie erschien in einer Glorie Mitten, | |
| 70 | Die Krone selbst sich aus dem Widerschein |
| Der Strahlen bildend, die auf's Haupt ihr fallen. | |
| Könnt'st über'm Meer du in der Wolke sein, | |
| 73 | Der höchsten aus der Donner grollend schallen, |
| So wärst vom Grund du dort so fern noch nicht, | |
| Als ich von ihr war in den Himmelshallen. | |
| 76 | Doch weil mein Blick durch keine dicht're Schicht |
| Gehemmt war, sah ich sie wie in der Nähe. | |
| Da hob ich an: "Mein Hoffen und mein Licht, | |
| 79 | O du, der niedersteigend aus der Höhe, |
| Den Fuß eindrückte selbst dem Höllenpfad, | |
| In allem was ich sah und was ich sehe | |
| 82 | Erkenn ich deine Kraft und deinen Rath! |
| Du machtest frei mich, der ich Knecht gewesen, | |
| Du halfst in jeder Art mit Wort und That. | |
| 85 | Erhalt' in mir dein Werk, daß einst sich lösen |
| Der Geist mag, rein und frei, vom Körperjoch!" | |
| So flehe ich. Obgleich das hohe Wesen | |
| 88 | Mir weit entrückt, sah ich es lächeln doch |
| Und gütig niederblicken. Da durft' sonnen | |
| In ihren Augen ich mich einmal noch. | |
| 91 | Dann wandt' zurück sie sich zum ew'gen Bronnen. |
| Und nun der Greis: "Damit die Pilgerschaft, | |
| Für die als letzten Führer mich gewonnen | |
| 94 | Die Liebe hat, die dich dem Staub entrafft, |
| Du gut vollbringst, betracht' die Rosenauen, | |
| Sieh um im Garten dich; das giebt dir Kraft | |
| 97 | Das höchste Licht dann endlich anzuschauen. |
| Gewiß es stärkt die Himmelskönigin | |
| Zu solchem Anblick dich! hab nur Vertrauen, | |
| 100 | Sie hilft, weil ich ihr treuer Bernhard bin." |
| Als diesen theu'ren Namen ich vernommen, | |
| Da ward es mir wie jenem Mann zu Sinn, | |
| 103 | Der weither, aus Croatien gar, gekommen, |
| Um anzuschau'n uns're Veronika; | |
| Dem alten Ruf mißtrau'nd, frägt wohl beklommen | |
| 106 | Er dann: "O Christus, ist das Antlitz da 474 |
| Auch wirklich deins? sah'st so du aus hienieden?" | |
| Und Jener, dessen Lebensathem ja | |
| 109 | Die Liebe ist, der schon den Himmelsfrieden |
| Auf Erden schmeckte, sprach: "Nicht wirst du Sohn | |
| Das frohe Wesen schauen, dem beschieden | |
| 112 | Der höchste Sitz als höchster Tugend Lohn, |
| Wenn du die Blicke senkst, nein, laß sie steigen, | |
| Durchlauf' die Reih'n, dann find'st auf höchstem Thron | |
| 115 | Die Herrin du, vor der sich Alle neigen." |
| So wie das Morgenroth am hellsten brennt | |
| Auf einem Punkt, da wo zuerst sich zeigen | |
| 118 | Des Wagens Deichsel soll am Firmament, |
| Den Phaeton tollkühn versucht zu leiten, | |
| So wie vom Brennpunkt aus im Orient | |
| 121 | Das Licht allmälig abnimmt nach den Seiten, |
| So glühte auch die Oriflamme hier | |
| Zumeist im Mittelpunkt des Raum's, des weiten, | |
| 124 | Die Flamme die des Friedens Siegpanier; |
| So nahm zur Seite ab das Licht am Himmel. | |
| Mit off'nen Flügeln eilten hin zu ihr | |
| 127 | Unzählige Engel; welch' ein Festgetümmel! |
| Verschieden ist, und sind's auch noch so viel, | |
| Ein Jeder dort im fröhlichen Gewimmel | |
| 130 | An Glanz und Kunst. Zu ihrem Sang und Spiel |
| Sah lächeln die ich, die ja das Entzücken | |
| Der Heil'gen ist und aller Blicke Ziel. | |
| 133 | Ich möcht' sie schildern, aber nie wird's glücken, |
| Ja wär' so fähig ich zum Reden auch | |
| Als vorzustell'n mir, was entrückt den Blicken, | |
| 136 | Doch macht' ich heute nicht davon Gebrauch. |
| Wie könnten sie zu schildern Worte taugen, | |
| Die schönsten wären nur ein leerer Hauch. | |
| 139 | Als Bernhard sah, daß ich die sel'gen Augen |
| Auf sie gerichtet, blickte hin auch er | |
| Und schien noch höh're Wonne einzusaugen; | |
| 142 | So ward durch ihn entflammt ich noch viel mehr. |