Purgatorium. 3. Gesang. |
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| Die Flüchtlinge, welche auf Cato's Ruf den Sänger Casella, den Freund des Dante, verlassen hatten, sind dem Berg zugeeilt, wo die Vernunft, also das Gute, uns in Zucht nimmt. Die kleine Schuld, welche den Virgil drückt, ist eben das Säumen beim Gesange. Hier kommt dann zunächst das Fehlen des Schattens zur Sprache, woran sich Bemerkungen über das körperliche Wesen des Lichtes, welches es gestattet, daß der Strahl 174 den Strahl durchläßt, anschließen. Wie Dante in der lichtlosen Hölle, wo nichts Schatten wirft, nur an seiner Schwere als Mensch erkannt wird, so im Purgatorium an seinem Schatten, von dem gesagt wird, er spalte den Sonnenstrahl, er dränge sich wie ein Keil in das Licht hinein. Der Dichter selbst bemerkt auch jetzt zuerst, daß ein solcher dem Virgil fehle, der seinen schattengebenden Leib auf der Erde, in seinem Grab auf den Vorgebirge Pausilipp gelassen. Man hatte den Dichter zwar erst in Brindisi, wo er gestorben war, beerdigt, indeß Neapel ließ sich seinen großen Sohn nicht nehmen. Noch heute wird dort mit Stolz das Grab des Zauberes Virgil gezeigt, ein Zauberer in der That, aber nicht in der Art, wie es das Volk meint. Da wie die Wanderer sich nun am Morgen auf der entgegengesetzten Seite der Erde befinden, so muß jetzt in Neapel die Sonne untergehn, worauf sich Virgil bezieht. Worte, die nicht für einen Heiden passen, sind ihm bei Besprechung des Räthsels wie körperlose Wesen leiden können, in den Mund gelegt. Dieser Punkt, welcher jedem denkenden Menschen peinlich auffällt, scheint für den Autor selbst ein Stein des Anstoßes zu sein. Er kann ihn ebensowenig erklären als es ihm möglich wäre das Motiv zu entbehren. Die Behauptung, man müsse die Vernunft dem Glauben unterordnen, und die Frage: "wozu hätte Maria denn geboren?" d. h. wozu wäre Christus auf die Erde gekommen, wenn wir alles aus uns selbst wüßten und verständen, ziemen sich nur für einen christlichen Philosophen. Wenn im weiteren Verlauf die Namen "Lerici" und "Turbia" vorkommen, so sind damit zwei Bergvesten an der Riviera von Spezia gemeint. Ein Zug von Seelen, welche auf Zulassung zum Berge in der Vorzone harren, begegnet den Wandrern. Manfred, der König von Sicilien und Apulien tritt hier besonders in den Vordergrund. Dieses Reich war als Erbe den Hohenstaufen zugefallen, durch die Heirath Heinrich VI. mit Costanze, der sicilianischen Fürstentochter. Friedrich II., der Sohn aus dieser Ehe erbte die Kaiserwürde und das unteritalienische Königthum. Noch auf dem Todtbett ließ er sich die Gräfin Bianca Lancia antrauen, und legitimirte so seinen geistvollen und schönen Sohn, Manfred. Da dieser seinen Brüdern, welche von Prinzessinnen stammten, nicht ebenbürtig war, so blieb er von der Thronfolge ausgeschlossen. Die Verwaltung von Apulien und Sicilien ward ihm übertragen. Trotzdem ihm von seinen Landsleuten, welche sich einen einheimischen Herrscher wünschten, die Krone öfter angeboten wurde und auch die Päpste sich diesem Plan geneigt zeigten, blieb er seinem Stiefbruder Conrad, dem deutschen Kaiser treu. Bei der Ankunft desselben in Palermo ging er ihm entgegen, begrüßte ihn als seinen Herrn und hielt ihm den Steigbügel. 175 Erst als Conrad später in Deutschland gestorben war und sich die Nachricht verbreitete, auch Conradino, dessen Sohn, sei ihm im Tode gefolgt, ergriff Manfred unter dem Jubel der Bevölkerung die Zügel der Regierung. Das Wohlwollen der Päpste, dessen er sich anfangs rühmen konnte, war leider nicht von Dauer, da er sein Reich nicht von ihnen als Lehen annehmen wollte, oder, wie andere behaupten, in Sachen der Religion ein Freidenker war. Seit der Zeit neigten sie sich mehr den Franzosen zu, die unter Carl von Anjou, einem Bruder Ludwig des Heiligen, nach Italien zogen. Clemens IV. (welcher sich ganz mit Manfred überworfen hatte) verließ Rom und schlug seinen Sitz in Perugia auf, um den Kriegsunruhen zu entgehn. Carl von Anjou gelang es, mit einigen Schiffen in die Tiber einzulaufen; er ward in Rom, wo man noch vor kurzer Zeit den Hohenstaufen Conrad in die Wolken getragen hatte, gastlich empfangen und zum Senator gewählt. Das Landheer zog sich nach allen Seiten fechtend durch Italien, bis ihm Manfred an der Grenze von Apulien mit bedeutender Truppenmacht den Weg verlegte. Allein durch Verrath des Grafen Caserta, Manfred's Schwager, ging der wichtige Engpass bei Ceperano verloren, und der unglückliche Fürst sah seine Feinde plötzlich in Mitten des Reichs. Da zog er ihnen mit dem Hauptheer auf der Ebene von Benevent entgegen. Lange wogte der Kampf hin und her, denn der junge König war ein ausgezeichneter Feldherr, ebenso umsichtig als kühn. Seine Truppen, insbesondere die in Sicilien angesiedelten Saracenen, zeigten sich voll Muth und Feuer; die Franzosen aber fochten mit angestammter Tapferkeit, und angetrieben durch das Bewußtsein, im Fall einer Niederlage, abgeschnitten von allen Hülfsmitteln, fern der Heimath, unfehlbar bis auf den letzten Mann umkommen zu müssen. Indessen wäre der Sieg doch den Deutsch-Italienern geblieben, hätte sich hier nicht das traurige Beispiel wiederholt, welches in einem von Parteihaß zerrissenen Lande alltäglich wird. Heimliche Guelphen verließen plötzlich ihre Brüder, um zu den Franzosen überzugehen. Im entscheidenden Augenblick rief ein Krieger dem kämpfenden Manfred zu: " Herr, seht welch eine große Schaar Eures Volkes dort zum Feinde übergeht!" Als Jener erschreckt sich umwandte, stürzte ihm sein, mit einem silbernen Adler gekrönter Helm vom Haupte, so daß seine Locken im Winde flatterten. Da rief der unglückliche Fürst: "Das ist ein Zeichen Gottes, denn ich hatte den Helm mit meinen Händen so befestigt, daß er niemals von selbst herabfallen konnte!" Dann, den hochbejahrten Occursio, welcher an seiner Seite ritt, anredend, fuhr er fort: "Gedenke, daß du des Kaisers, meines Vaters, Mundsschenk warst, daß er mich dir vor allem empfahl. Rathe mir was zu thuen ist!" - "Das ist wohl zu spät", antwortete der Alte, der oft das zerstreuete 176 Leben am Hof getadelt hatte, in wehmütigem Zorn, "das ist wohl zu spät! Wo sind nun Euere Geiger und Dichter, die Ihr mehr liebtet als Ritter und Knechte, daß sie versuchen, ob Carl nach ihrem süßen Getön tanzen möge! Euer Leben aber will ich Euch erhalten mit meinem Tode!" - Er nahm den Helm und des Königs Abzeichen, ehe dieser es hindern konnte, und stürzte sich in die Schlacht. Der getreuer Diener ward erschlagen, aber sein Herr nicht gerettet, denn als dieser rings um sich her Flucht und Verrath sah, fühlte er, es sei die Stunde gekommen, welche er nie zu überleben längst beschlossen hatte. Auch er drang hinein in das wildeste Getümmel und ward nicht wiedergesehen. Spät erst fand man seine Leiche auf dem Schlachtfeld. In jener ritterlichen Zeit baten die Franzosen darum, ihren Feind mit allen Ehren begraben zu dürfen, aber Carl schlug es ab, weil Jener im Bann gestorben sei. Da warf jeder einen Stein auf die Stelle, wo Manfred lag, so daß nach und nach eine hohe Pyramide entstand. Allein der Bischof von Cosenza ließ ihn auf Clemens des II. Befehl wieder ausgraben, weil dies kirchlicher Grund und Boden sei. Man warf ihn nun über die Grenze des Reiches, am Ufer des Flusses Verde, hin. Abermals erbarmten sich die Menschen über ihn, trugen Erde auf die Stätte und häuften ihm den Hügel. Rosen sproßten darauf und so ward dies Grab der "Hügel der Rosen" genannt. Im Gedicht wird darauf Bezug genommen, daß man die Gebannten ohne Lichter und ohne Kreuz zu begraben pflegte oder daß man Kerzen anzündete und sie umdrehte, damit sie erloschen, den Tod der Seele versinnbildlichend. Die Worte des treuen Seneschalls in der Schlacht bestätigen es, daß Manfred, obgleich ein tüchtiger Regent, heiterem Lebensgenuß allzusehr ergeben war. Selbst Improvisator, beschützte er die Künstler, die sich von allen Seiten an seinem Hof sammelten. Er ist der letzte, welcher den Einfluß der Hohenstaufen in Italien hochhielt. Bei Benevent erlosch ihr Stern, und die Hinrichtung Conradino's auf dem Marktplatz von Neapel war nur ein trauriges Nachspiel dieser Katastrophe. Manfreds Tochter, deren hier Erwähnung geschieht, war an Peter von Arragonien vermählt. Ihre Söhne werden hier der Ruhm von Arragonien und Sicilien genannt. Die Lehre von der Fürbitte und der Gemeinschaft der Heiligen, der streitenden, leidenden und siegenden Kirche, kommt hier zum Ausdruck. Das Gerücht, auf welches sich Manfred am Schluß bezieht, bestand darin, daß man ihn, als einen im Bann gestorbenen der ewigen Verdammniß anheimgefallen glaubte. |
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| 1 | Zerstreuten Alle auch in wilder Flucht |
| Vereinzelt sich dem Berge zu wie Rehe,177, | |
| Dem Berge, wo Vernunft uns nimmt in Zucht, | |
| 4 | So blieb doch ich in meines Führers Nähe. |
| Wie hätt' ich auch allein mich vorgewagt? | |
| Wer hätte mich gezogen auf die Höhe? | |
| 7 | Doch schien auch er bedrängt jetzt und verzagt. |
O zart Gewissen, Seele rein und bieder, |
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An der selbst kleine Schuld so heftig nagt! |
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| 10 | Als aus den Füßen wich die Hast ihm wieder, |
Durch die der Haltung Würde leicht verletzt, |
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Ward ruh'ger auch mein Blut; ich schlug die Lider |
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| 13 | Zum Berg auf dessen Fuß das Meer benetzt, |
Der höher ragt als jeder, noch so steile. |
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Die Sonne brannte mir im Rücken jetzt, |
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| 16 | Und überall war's hell; nur wo die Pfeile |
Für die mein Körper, wie ein Stützpunkt war, |
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Abprallten stets von mir, schnitt gleich 'nem Keile |
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| 19 | Mein Schatten ein in's Blachfeld sonnenklar, |
Doch weil vor mr nur dunkel schien die Erde, |
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Wähnt plötzlich von Virgil ich auch sogar |
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| 22 | Verlassen mich, wie von der ganzen Heerde. |
Da sprach mein Trost, der meine Angst verstand: |
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"Wie, glaubst du, daß ich dich verlassen werde? |
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| 25 | Nein wisse. Abend schon ist's an dem Strand, |
Wo auch mein Leib, der Schatten gab, bestattet; |
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Neapel hat ihn Brindisi entwandt. |
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| 28 | Kein größ'res Wunder ist's, daß nichts beschattet |
Durch mich, als daß in Sphären lichterfüllt |
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Der Strahl dem Strahl den Durchgang frei gestattet. |
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| 31 | Und doch macht Körper, die ein Luftgebild |
Empfänglich noch für Gluth und Frost und Peinen |
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Die Kraft, die wie sie's macht, uns nie enthüllt. |
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| 34 | Weh Jenem, der mit Menschenwitz, dem kleinen, |
Denkt Gott auf ew'gen Wegen nachzugeh'n, |
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Denkt Gott, in dessen Wesen, in dem einen, |
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| 37 | Enthalten drei Personen, auszuspähn!" |
"Daß ist, was ist," genüg' euch; fragt ihr Thoren |
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Nicht "wie", "warum"! Könnt Alles man verstehn, |
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| 40 | Wozu hätt' denn Maria einst geboren? |
Wie heiß manch hoher Geist nach Wissen rang 178 |
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Ist dir bekannt, auch daß die Müh' verloren, |
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| 43 | Ja Viele quält noch hier Erkenntnißdrang. |
Von Aristoteles, von Plato's Hoffen |
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Red ich, die du geseh'n auf diesem Gang, |
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| 46 | Und denk an Andre noch!" wie grambetroffen |
Die Stirn gesenkt verstummte er, bis wir |
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Zum Fuß des Berg's gelangt, des hohen, schroffen. |
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| 49 | Doch ob die Beine willig auch, von hier |
War's nimmer möglich sich hinauf zu ringen. |
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'Ne breite Treppe ist das Felsrevier, |
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| 52 | Durch das von Turbia aus sich Pfade schlingen, |
Bis Lerice, vergleich ich's dieser Wand! |
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"Von wo kommt man hinauf nur ohne Schwingen?" |
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| 55 | Rief jetzt Virgil, der zweifelnd stille stand. |
Indeß gesenkten Blick's er überlegte, |
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Sah einen Trupp ich, hoch am Felsenrand, |
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| 58 | Der linksher uns entgegen sich bewegte; |
Doch schlich er langsam, wie im Traum, heran, |
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Daß fast es schien, als ob er nicht sich regte. |
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| 61 | "Blick auf", rief ich, "denn Rath ertheilen kann |
Vielleicht, wenn dir er fehlt, das Volk dort oben". |
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Da sah er hin und sprach erfreut: "Wohlan, |
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| 64 | Wir woll'n entgegengehn den Pilgern droben, |
Denn ach sie kriechen nur; du aber halt |
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Die Hoffnung fest, die nun dein Herz erhoben!" |
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| 67 | Obgleich wir tausend Schritt jetzt schon gewallt, |
War'n doch 'nen Steinwurf weit noch von der Truppe |
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Wir jetzt, als still sie hielt; und Jung und Alt |
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| 70 | Stand dicht gedrängt am Fels die ganze Gruppe, |
Und schaute auf uns nieder mit Bedacht, |
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Wie Wandrer schaun in's Thal von luft'ger Kuppe. |
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| 73 | "Erwählte Seelen, die Ihr gut vollbracht!" |
Hob an Virgil, "bei jenem Frieden, flehe, |
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Der Euch erwartet, ich Euch an, o macht |
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| 75 | Bekannt den Weg uns dort zu Eurer Höhe! |
Denn Zeit verlieren schmerzt den, der sie schätzt, |
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Drum sagt, flacht ab der Berg sich in der Nähe?" |
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| 79 | Wie Schaafe gehn, die man in Freiheit setzt |
Erst eins, je zwei, je drei dann aus dem Stalle, 179 |
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Indeß noch andre warten bis zuletzt, |
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| 82 | Die Köpfe senkend, wie dann wieder alle |
Stillstehn, sobald das erste steht im Feld, |
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Und thuen, was es thut, in jedem Falle, |
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| 85 | Versteht auch keins, warum es geht und hält, |
So kam das Heer auch seeliger Gestalten |
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Heran, den Führern folgend, treu gesellt. |
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| 88 | Wie sie mit keuschem Antlitz züchtig wallten! |
Doch hielt die Vorhut plötzlich bang erschreckt |
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Vor meinem Schatten, der das Licht gespalten. |
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| 91 | Und wich zurück, die Hälse vorgestreckt. |
Wie diese thaten, thaten still ergeben |
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Die andern, die bis jetzt uns nicht entdeckt. |
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| 94 | Und er: "Auch ungefragt will Antwort geben |
Ich schon, ich weiß ja, was euch Zweifel schafft!" |
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Des Mannes Leib hier ist ein Leib voll Leben, |
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| 97 | Vor dem das Glanzmeer auseinander klafft; |
Was staunt Ihr? glaubt vielmehr, wenn kühn erklimmen |
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Den Berg er will, dann treibt ihn höh're Kraft." |
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| 100 | "Dreht um, geht vor uns her!" so tönten Stimmen. |
Mit Händen winkten Jene umzudrehn, |
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Abmahnend von dem Irrweg uns, dem schlimmen. |
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| 103 | Der Eine aber rief: "Blick auf im Gehn, |
Und denke nach, ob du mich sahst dort drüben;" |
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Ich thats, und fand ihn blond und schlank und schön, |
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| 106 | Doch klaffte, wie getheilt von scharfen Hieben, |
Die eine Braue ihm. "Ich sah dich nie," |
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Erwidert ich, "du bist mir fremd geblieben!" |
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| 109 | Da riß er auf die Brust, und rief: "Nun sieh, |
Hier traf im Kampf mich eines Feindes Lanze, |
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Manfred bin ich, und starb nur allzufrüh, |
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| 112 | Bin Enkelsohn der Kaiserin Constanze, |
Kehrst heim du, geh zu meiner Tochter gleich, |
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Die prangt in jugendlichem Schönheitsglanze, |
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| 115 | Sie, die gebar Siciliens Ruhm zugleich |
Und Arragoniens; sag ihr, wo ich weile. |
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Als an zwei Stell'n mich traf der Todesstreich, |
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| 118 | Mein Leib zerfetzt war, wie vom Donnerkeile, |
Da übergab ich dem, der gern verzeiht,180 |
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In Thränen meinen Geist, zum ew'gen Heile. |
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| 121 | Groß war die Schuld, doch reicht der Arm auch weit, |
Der jeden faßt, der reuig um sich wendet. |
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Hätt' von der Seite der Barmherzigkeit |
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| 124 | Cosenza's Hirt, den Clemens abgesendet |
Auf meine Fährte, Gott erkannt, o dann |
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Läg heut am Brückenkopf noch ungeschändet |
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| 127 | Bei Benevent, wo einst mich traf der Bann, |
Im Schutz gethürmter Steine meine Leiche; |
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Doch warf am Verde sie der schlechte Mann |
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| 130 | Mit umgekehrten Kerzen aus dem Reiche, |
Wo sie in Wind und Regen nackt verwest. |
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Der Fluch scheucht aber und des Bannes Bräuche |
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| 133 | Nicht fort die Liebe, die kein Herz verstößt |
In dem noch Hoffnung treibt 'nen grünen Sprossen. |
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Wahr ist indeß, spät wird erst der erlöst, |
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| 136 | Den dort die heil'ge Kirche ausgeschlossen, |
Denn für ein Jahr, verlebt nur unter'm Fluch, |
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Bleibt, wenn man auch zuletzt bereut, verschlossen |
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| 139 | Der Weg hier dreißig Jahr. Doch Macht genug |
Hat frommes Flehn; es kürzt die Zeit, die lange; |
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Drum kehrst du jemals heim, geh ohn' Verzug |
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| 142 | Zu ihr, und welch' Gerücht auch dort im Schwange, |
Sag, wo ich bin, und sage meinem Kind, |
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Mir fromm' ihr Flehn; denn sieh auf unserm Gange |
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| 145 | Kommt vorwärts man durch die, die drüben sind. 06.09. 2006 |