Purgatorium. 6. Gesang. |
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| Hier wird das Würfelspiel "Zara" erwähnt, das auf öffentlichen Plätzen statthatte. Hervortretende Gestalten sind in diesem Gesang: Benincassa, ein aretinischer Richter, der den aus edler Familie stammenden Räuber Tacca zum Tode verurtheilte, wofür ihm von dessen Bruder das Haupt aus Rache abgeschlagen wurde, Federigo Novello, umgebracht in Privatfehden, Farinata degli Scornigiani, der Pisaner und sein Vater, der gute Marzucco, der standhaft bei des Sohnes Tod blieb, Conte Orso degli Alberti, im Bürgerkrieg erschlagen, Pier della Broccia, Sekretair Philipp des II. von Frankreich, verläumdet von Maria von Brabant, der Gemahlin Philipps, und hingerichtet. Endlich Pierre de la Brosse, ein Chirurg, welcher sich am Hofe hoch aufgeschwungen hatte. Als Philipp plötzlich seinen Sohn Ludwig verlor, faßte er auf Einflüsterung Peters den Verdacht, seine zweite Gattin Maria habe jenen aus dem Wege räumen lassen. Da schlich sich Johann von Brabant, der Bruder der Königin, als Mönch verkleidet zu ihr. Nachdem er ihre Beichte gehört und sich so von ihrer Unschuld überzeugt hatte, warf er sich zu ihrem Ritter auf und kämpfte siegreich für sie. In Folge davon wurde sie freigesprochen und Peter kam nun in Verdacht selbst den Mord begangen zu haben. Hier schließt sich wieder eine Betrachtung über den Nutzen des Gebets an, welcher aber nur dann eintreten kann, wenn Menschen die mit Gott harmoniren für sich und Andere bitten. Als Hauptperson in diesem Gesang kann Sordello, ein Dichter und Geschichtschreiber aus Mantua, Virgils Landsmann, gelten. Sein Buch "Schatz der Schätze", war berühmt. Das Licht der Romantik verklärt diesen Sordello, indem er ein Liebesverhältniß mit Cunizza, der Schwester Ezzelins, des Tyrannen von Padua hatte. Jeden Abend ließ er sich heimlich in einer Sänfte auf ihre Villa tragen. Der Bruder, welcher der Sache auf die Spur kommen wollte, verkleidete sich einmal als Diener, trug ihn selbst hin, soll ihm aber dann Verzeihung gewährt haben, ein sentimentales Verfahren, welches zu dem gefürchteten Ezzelin nicht paßt. Die andere Version, er habe ihn, 191 da Sordello, trotz seines Verbots, sich nicht habe von Cunizza trennen wollen, ermorden lassen, ist daher viel glaublicher. Nun reihen sich Klagen über Italien an, wobei der Nutzlosigkeit der Gesetze Kaiser Justinians gedacht wird. Was frommt es, daß dem Pferd das Zaumzeug gebessert wird, wenn kein Reiter kommt es zu besteigen? Mit den fehlenden Reitern sind die deutschen Könige gemeint, welche sich nicht um Italien bekümmern, insbesondere Rudolph von Habsburg und Albrecht, welcher von seinem Neffen, Johannes Parricida erschlagen wurde. Erwähnt werden noch als Ruhestörer Capullettis und Montecchis und die Grafen von Santa Fiore auf ihrer Burg in den Maremmen. Zum Schluß wird Florenz mit bittrer Ironie behandelt und dabei Marcell, Consul in Rom beim Ausbruch des Krieges zwischen Caesar und Pompejus, erwähnt, wird Rom's gedacht, als einer Wittwe, welcher der Gemahl, der Kaiser, fehlt. | |
| 1 | Wenn fort vom Würfelspiele rennt der Haufen, |
| Bleibt traurig der's verlor zurück und übt | |
| Sich noch allein; doch mit dem Sieger laufen | |
| 4 | Die Andern all; der drängt, der stößt, der schiebt, |
| Der faßt ihn von der Seite, der vom Rücken; | |
| Er hält nicht an, wenn er Gehör auch giebt | |
| 7 | Dem Ein' und Andern. Die, die heftig drücken |
Stößt er wohl fort, daß sie zurück sich ziehn; |
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So bahnt er einen Weg sich durch die Lücken. |
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| 10 | Wie Jener, that auch ich, doch ließ wie ihn |
Nicht eh'r mich los der Schwarm, bis viel versprochen |
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Ich Vielen dort. Da war der Aretin, |
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| 13 | Den Chino Tacco's wilde Hand durchstochen, |
Und der, der einst im Strom sein Leben ließ, |
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Auch der von Pisa, sterbend ungerochen. |
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| 16 | Bei dessen Tod Marzucco Kraft bewies; |
Da flehte an mich, ausgestreckt die Arme, |
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Friederich Novello, und willkommen hieß |
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| 19 | Graf Orso mich, da sah ich noch im Schwarme |
Den Geist, den eigne That nicht schied vom Leib, |
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Nein Andrer Mißgunst! ach, ich sprech im Harme |
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| 22 | Von dir, o Peter Broccia! seh' das Weib, |
Brabants Gebierterin, vor sich auf der Erde, |
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Sonst ist bei schlimmrer Zunft einst ihr Verbleib. |
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| 25 | Als ich mich los gemacht nach viel Beschwerde |
Von denen, die um Bitten nur gefleht, |
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Damit die Läut'rung bald begonnen werde, |
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| 28 | Da hob ich an: "In deinem Buche steht, |
Wenn ich die Stelle richtig mir erkläre, |
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Daß keiner beugt ein göttliches Dekret; |
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| 31 | Umsonst ist das Gebet denn, und so wäre |
Der Seelen Hoffnung eitel! ganz verwirrt |
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Fleh ich, o lös' das Räthsel mir das schwere!" |
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| 34 | Und er: "Wer klaren Geistes denkt, dem wird |
Im dunklen Wort sich bald die Wahrheit zeigen. |
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Nicht hat der Geister Hoffnung hier geirrt, |
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| 37 | Nicht braucht des Urtheils Gipfel sich zu beugen, |
Weil Lieb' in einem Augenblick vollführt, |
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Was Jenen obliegt, ehe auf sie steigen. |
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| 40 | Doch gilt mein Satz, wo ich ihn angeführt, |
Denn aus der Hölle nützt der Bitten keine, |
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Weil das Gebet mit Gott nicht harmonirt. |
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| 43 | Jetzt laß die Zweifel bis sie löst die Reine, |
Die wolkenlos dir zeigt die Wahrheit bald. |
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Verstehtst du's, daß ich Beatrice meine? |
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| 46 | Du wirst sie schau'n, die göttliche Gestalt, |
Die, wenn erstiegen du den Berg, den schroffen, |
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Mit seel'gem Lächeln dir entgegenwallt. |
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| 49 | "O laß uns eilen", rief ich froh betroffen, |
"Ich bin nicht müd und Schatten wirft die Wand!" |
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"Wir gehn so lang es tagt, doch trügt dein Hoffen, |
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| 52 | Denn die, die hinterm Küstenhang verschwand, |
Und deren Glanz du nicht mehr theilst, kommt lichter |
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Zurück, eh du erstiegst den letzten Rand. |
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| 55 | Doch sieh, ein Geist sitzt dort, fuhr fort der Dichter, |
Allein und still, er sieht hierher, er kann |
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Vielleicht den Weg uns zeigen!" Nun trat dichter |
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| 58 | Virgil mit mir zu dem erhab'nen Mann. |
Wie groß warst du, wie stolz warst du zu schauen, |
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Geist des Lombarden, der hier einsam sann; |
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| 61 | Verachtung thronte auf den dunklen Brauen, |
Die Lippen stumm, die Blicke kühl. Wie'n Leu |
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Der sich zur Ruhe legt am Fels, dem rauhen, |
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| 64 | Voll Gleichmuth sahst du stolz an uns vorbei! |
Ja als der Meister frug nach unsern Wegen, |
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Und welcher Pfad der kürzeste wohl sei, |
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| 67 | Gab er ihm Auskunft nicht, nein, frug dagegen |
Nach unserm Leben, unserm Heimathland |
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Und wo des Dichters Vaterstadt gelegen. |
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| 70 | Doch hatte dieser Mantua kaum genannt, |
Da fuhr er auf und kam wie'n Pfeil geschossen |
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Zum Platz, wo tiefer noch der Meister stand. |
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| 73 | "O Manutaner, meiner Stadt entsprossen, |
Ich bin Sordello!" rief er freudig aus; |
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Und fest umfingen sich die Stammgenoßen. |
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| 76 | Weh dir Italien, Sklavin, Schmerzenshaus, |
Nicht Haupt der Staaten mehr, nein Lasterhöhle, |
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Boot ohne Steuermann im Sturmgebraus, |
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| 79 | Schau, wie bereti war diese edle Seele, |
Zu feiern ihren Landsmann, als den Laut |
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Der Heimath sie vernahm aus seiner Kehle. |
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| 81 | Und jetzt zerfleischen sich, wohin man schaut, |
In dir die Lebenden, die doch hinieden |
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Umschließt ein Graben, eine Mau'r umbaut. |
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| 85 | Durchsuche nur vom Norden bis zum Süden |
Die Grenzen all', blick dann in deinen Schooß, |
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Und sag, genießt ein Theil von dir noch Frieden? |
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| 88 | Was hilft's, bleibt doch der Sattel reiterlos, |
Daß Justinan dem Roß geflickt den Zügel, |
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Die Schmach, wenn's nicht gescheh'n, wär minder groß. |
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| 91 | Beug' dich mein Volk, und willst du ohn' Geklügel |
Befolgen Gottes Vorschrift, hebe doch |
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Den Cäsar in den Sattel, halt den Bügel. |
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| 94 | Das Pferd, seit nach dem Zaum du griffst und Joch, |
Ward, weil's der Sporn nicht zähmte, ausgelassen; |
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O deutscher Albert, zauderst du denn noch? |
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| 97 | Schon solltest hoch zu Roß den Zaum du fassen! |
Doch weil's verwildert jetzt den Reiter haßt, |
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Weil's tückisch ward, willst du es ganz verlassen! |
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| 100 | Fiel doch ein Urtheilsspruch, den Jeder faßt, |
Vom Himmel auf dein Blut, damit den Erben |
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Ergreife bange Scheu! Wie Vieles hast |
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| 103 | Gelitten du, um Schätze zu erwerben, |
Du und dein Vater, und da ferne Ihr |
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Lag wüst des Reiches Garten. Solch' Verderben |
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| 106 | Zu schau'n, komm her! sieh Filippeschi's hier, |
Monaldi's, Capulets, Montecchi's Horden! |
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Da, Leid im Haus, da, lauernd vor der Thür! |
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| 109 | Grausamer komm, sieh deine Edlen morden, |
Gleichgült'ger komm, hab' auf den Jammer Acht, |
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Und sieh, wie dunkel Santa Fior geworden! |
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| 112 | Komm sieh dein Rom, es rufet Tag und Nacht, |
"Mein Cäsar, o warum willst fern du bleiben!" |
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So weint's der Wittwe gleich, die einsam wacht. |
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| 115 | Willst du des Volkes Glück zu seh'n dich sträuben, |
Die süße Eintracht hier? treibt das Gebot |
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Des Mitleids dich nicht her, mag Schaam dich treiben. |
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| 118 | O, höchster Jupiter, der litt den Tod |
Am Kreuz für uns, hältst die gerechten Augen |
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Du ewig abgewandt von unsrer Noth! |
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| 121 | Kann solche Schmach uns doch zum besten taugen? |
Wer faßt es ach, daß gut dein Rathschluß sei, |
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Da jetzt am Mark des Land's Verräther saugen |
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| 124 | Und jede Stadt erliegt der Tyrannei; |
Da ein Marcel wird gleich in erster Stunde |
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Der Bau'r, der kommt zur Stadt und nimmt Partei. |
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| 127 | Ich wett', daß dir die Rede, Florenz, munde, |
Weil, dank den Bürgern, sie auf dich nicht paßt! |
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Gerechtigkeit wird wohl im Herzensgrunde |
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| 130 | Von manchem Volk gehegt, doch schnellt's in Hast |
Nicht ihren Pfeil ab, während stets das deine |
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Sie auf den Lippen hat. Fort stößt die Last |
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| 133 | Und alle Ehrenämter der Gemeine |
Der Bürger anderswo; hier ungefragt |
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Ruft man: ich op'fre mich für's Allgemeine. |
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| 136 | Freu dich, du hast ja Grund, denn Zwietracht plagt |
Dich nicht und Armuth, klug bist du und weise, |
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Der Augenschein lehrt, ob ich wahr gesagt. |
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| 139 | Athen und Sparta, höchster Bildung Kreise, |
Sie, die Gesetze gaben einer Welt, |
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Voraus nur deuteten auf dich sie leise, |
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| 142 | Denn du hast noch viel klüg're aufgestellt, |
So fein, daß nicht bis zu Novembers Mitten |
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Das, was du im Oktober spannest, hält. |
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| 145 | Denk' nur zurück, wie oft Gesetz und Sitten, |
Wie Münzen, Aemter wechselten, sogar |
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Des Staates Glieder, denk was Alle litten! |
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| 148 | Betracht' dich selbst, dann scheinst du dir fürwahr |
Wie'n Kranker, der stets wechselt seine Lage, |
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| Im Bett sich dreht und wälzt, der Ruhe baar, | |
| 151 | Und so zu lindern hofft die inn're Plage. 26.02.2007 |