Purgatorium. 20. Gesang. |
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| Das sonderbare Gleichniß von dem Schwamm, den man aus dem Wasser zieht, ehe er sich vollgesogen hat, bedeutet, der wissensdurstige Geist habe nicht genügende Aufklärung empfangen.Dies geschieht, weil Papst Hadrian es will. Die Wölfin erscheint hier wieder als Symbol der Habgier. "Can grande" von Verona wird zu ihrer Bekämpfung angerufen. Jetzt lassen sich warnende und wiederum ermuthigende Geisterstimmen hören. Einerseits wird der Jungrfrau Maria im Hüttchen von Bethlehem gedacht, des Fabricius, eines Römers, welcher die Bestechungsversuche des Königs Pyrrhus zurückwies, des h. Nicolaus, der die Tugend dreier armer Schwestern durch Gold rettete; andrerseits des Herrschers von Tyrus Pigmalion, der seinen Schwager Sichaeus mordete, um dessen Schatz zu rauben, des Midas, welchem sich Alles was berührte in Gold verwandelte. (257) Auch Achan wird erwähnt, welcher von der Beute aus Jericho ein Scharlachgewand und zwei Säckel Silber zurückbehielt, und Saphira, die den Kaufpreis eines Ackers der Christengemeinde bei Seite brachte, sowie Heliodor, der Tempelräuber und Polymnestor, König von Thracien, der Polydor, den Sohn des Priamus erschlug, um sich den trojanischen Schatz anzueignen, zuletzt Crassus der Römer, dem die Parther den Kopf abschnitten und diesen mit flüssig gemachtem Gold vollgossen, wobei sie ausriefen: "Trink, du wolltest ja wissen, wie Gold schmeckt!" Redend eingeführt wird Hugo Capet, der Erstling der langen französischen Königslinie, deren Nachkommen "in modernden Gebeinen verehrt werden", was sich auf die Gruft in St. Denis bezieht. Das Verderben, welches durch den Erwerb der Provence über Frankreich gekommen sein soll, geht von der Heirath Carls von Anjou mit Beatrix, der Tochter des Grafen Raimund von Provence aus. Ein Gerücht, welches Carl den Tod des Thomas von Aquin zur Last legt, und ein anderes, welches die Gascogne, Ponthieu und die Normandie durch Betrug von England an Frankreich kommen läßt, wird hier erwähnt. Der Name Carl ist verhängnißvoll, da ihn auch derjenige trägt, der mit der Lanze des Judas, also dem Verrath, bewaffnet nach Italien kommt. Papst Bonifaz der VIII. sandte diesen Carl von Valois als Friedensstifter nach Florenz, von wo derselbe nach Sicilien ging, um den Franzosen gegen die Arragonier, Manfreds Erben, beizustehen. Spottweise sagte man von ihm: "Messer Carlo kam nach Toscana als Friedensstifter und verließ es im Krieg; er ging von da nach Sicilien um Krieg zu führen, und brachte einen schmählichen Frieden von dort zurück." Ein dritter des Namens ist Carl von Neapel, welcher seine Tochter verkaufte, d. h. sie dem Azzo von Este vermählte. Bezug wird noch genommen auf die Gefangennahme Bonifaz des VIII. in Anagni, wo das Lilienbanner, Frankreichs Fahne, auf den Zinnen wehte, sowie auf des ungerechte Urtheil Philipp des Schönen über den Vicar Christi, den Papst. Aus dem klassischen Alterthum finden wir die Anspielung auf die Insel Delos, wo Latone ihren Kindern Apollo und Diana, welche hier als Sonne und Mond die Himmelsaugen genannt werden, das Leben gab. | |
| 1 | Schlecht kämpft der Wille mit dem bessern Willen; |
| So zog, entgegen meinen Wünschen zwar, | |
| Nur um des Andern Wünsche zu erfüllen, | |
| 4 | Den Schwamm bevor er vollgezogen war |
| Ich aus dem Wasser, und ging rasch von hinnen. | |
| Dicht blieb am Fels ich, meidend die Gefahr | |
| 7 | Wie man auf Mauern geht dicht an den Zinnen, |
| Weil hier, dem äußern Rand des Simmses nah | |
| Die Schatten liegen, deren Thränen rinnen; | |
| 10 | Durch Tropfen schmelzen sie auf Tropfen da |
| Mit Thau das Uebel, allerorts verbreitet. - | |
| Fluch alte Wölfin dir, denn du hast ja | |
| 13 | Mehr als die andern Thiere all' erbeutet! |
| Wann schickt der Himmel, der wie mancher glaubt | |
| Durch seinen Kreislauf die Geschicke leitet, | |
| 16 | Den, der dem Ungethüm das Leben raubt? |
| Nur wenig Schritte machten meine Füße, | |
| Denn horchend ging ich, und gesenkt das Haupt. | |
| 19 | Da hört ich rufen: "O Maria, süße!" - |
| So bang, wie'n Weib ruft, das gebären muß, | |
| So kläglich tönten diese Geistergrüße. | |
| 22 | "Fürwahr, du hattest keinen Ueberfluß, |
Das zeigt die Hütte, wo dein Sohn gebettet! |
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Armuth mit Tugend, hast Fabricius |
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| 25 | Gewählt du statt des Reichthums, der verkettet |
Dem Laster ist! Du Niclaus hast vor Schmach |
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Mit Gold der Jungfrau'n Unschuld einst gerettet;" |
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| 28 | So sehr gefiel mir, was der Schatten sprach, |
Daß ich mich weiter schleppte durch's Gedränge |
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Und frug, als ich zum Ort kam, wo er lag: |
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| 31 | "Wer bist du? und warum stimmst in der Menge, |
O Geist, du, der so herrlich sprach, allein |
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Stets wieder an gerechte Lobgesänge? |
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| 34 | Was du mir kund thun wirst, trägt Lohn dir ein, |
Wenn ich, um meine Bahn noch auf der Erde |
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Zu enden, die ja bald vollbracht wird sein, |
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| 37 | Mich wieder in der Welt befinden werde!" - |
"Ich steh' dir Rede, doch nicht wie du meinst, |
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Weil Trost ich hoffe, hier in der Beschwerde |
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| 40 | Von drüben her, nein weil durchstrahlt du scheinst |
Schon vor dem Tod von hohem Gnadenlichte. |
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Des bösen Baumes Wurzel war ich einst, |
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| 43 | Der so das Land beschattete, daß Früchte, |
Und gute, Keiner pflückte weit und breit. |
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Hätt' Brügge, Douay, Gent, Kraft zum Gerichte |
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| 46 | Und Lille, dann wär' die Rache da schon heut, |
An die ich den, der Alles richtet, mahne. |
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Man nannte Hugo Capet mich zur Zeit; |
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| 49 | Sohn eines Metzgers von Paris, bin Ahne |
Der Filipps ich und Ludwigs, die im Land |
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Jetzt Kön'ge sind. Ja Zügel gab und Fahne |
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| 52 | Von Frankreich das Geschick mir in die Hand, |
Als alle uns're Kön'ge bis auf Jenen, |
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Den man verhüllte durch ein grau Gewand, |
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| 55 | Gestorben waren schon mit ihren Söhnen. |
Da meine Macht stets wuchs und Jahr für Jahr |
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Mein Anhang zunahm, ließ den Sohn ich krönen; |
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| 58 | Drum blieb die Krone, die verwittwet war, |
Nach meinem Tod trotzdem noch bei den Meinen. |
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Der erste ist mein Sohn nun aus der Schaar, |
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| 61 | Die noch man ehrt in modernden Gebeinen. |
Viel Lob verdiente nicht mein Stamm, doch nahm |
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Ihm ein Gewinn, der wahrlich zu beweinen, |
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| 64 | Die Mitgift der Provence, erst alle Scham, |
So daß er frech betrog den, der ihm glaubte, |
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Bis zum Ersatz er die Gascogne bekam, |
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| 67 | Ponthieu und Normandie, dem Eigner raubte. |
Als Carl in Welschland dann gesiegt, da ließ |
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Er Conrad tödten, der mit seinem Haupte |
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| 70 | Ersatz ihm geben mußt! In's Paradies |
Sandt zum Ersatz er Thomas heim. Ein Zweiter |
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Wird kommen, der ja heißt, wie Jener hieß. |
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| 73 | Und kennen lehrt sein Volk und sich er weiter |
Euch noch, als wie der Erste. Waffenlos |
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Zieht aus er ohne Fußvolk, ohne Reiter, |
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| 76 | Ganz wider Brauch; bringt sich die Lanze bloß |
Des Judas mit, führt sie mit festem Griffe, |
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Und Florenz platzt der Bauch bei ihrem Stoß. |
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| 79 | Nicht Land, nur Schuld und Schmach gewinnt durch Pfiffe |
Er dann, was um so schlimmer, da er baar |
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Der Schaam ist, und es ihn nicht reut. Zu Schiffe |
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| 82 | Folgt, der verkauft die Tochter, wie'n Corsar |
Die Sklavin feilhält, die er aufgelesen. |
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O Geiz, was machst aus uns du! ach sogar |
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| 85 | Schont mein Geschlecht nicht mal, um Geld zu lösen |
Sein eigen Fleisch! Damit sich klein erweist |
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Was je geschehn an Thaten ist, den bösen, |
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| 88 | Und noch geschehn wird, seh ich jetzt im Geist |
Das Lilienbanner auf Anagnis Dächern, |
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Seh im Vicar, den man vom Altar reißt, |
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| 91 | Gefangen, Christus! Galle mischt in Bechern |
Mir Essig man, und schlägt in seiner Stadt |
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Auf's Neu den Herrn an's Kreuz, ach zwischen Schächtern. |
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| 94 | Pilatus wird, der neue, drum nicht satt. |
Geschwellten Segels in den Tempel steuert |
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Der Freche, der dazu nicht Vollmacht hat. |
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| 97 | Wann soll ich mich der Rache, die verschleiert |
Noch heut ist, freu'n? Was von der Braut ich sprach |
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Des heil'gen Geistes, was dich angefeuert |
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| 100 | Mich auszufragen, bildet hier am Tag |
Der Bitten Inhalt; doch wenn's Nacht geworden, |
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Dann stimmen umgekehrte Töne ach |
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| 103 | Wir büßend an in klagenden Accorden. |
Gedacht wird oft dann des Pygmalion, |
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Den Golddurst trieb zum Rauben und zum Morden, |
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| 106 | Des Midas, dem in's Grab folgt Spott und Hohn, |
Weil er durch schmutz'gen Wunsch sich elend machte; |
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Wir klagen an Achan, des Charmi Sohn, |
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| 109 | Der Beute stahl und Josua's Zorn entfachte, |
So daß er hier noch bebt vor dessen Groll'n, |
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Saphira auch, die Lügen schnöd' erdachte, |
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| 112 | Und ihren Mann, indessen Lob wir zoll'n |
Den Stößen, die der Heliodor bekommen. |
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Wie oft hat schon vom Mord, dem grauenvoll'n, |
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| 115 | Des Polydors der ganze Berg vernommen, |
Ward Polynestor's Schandthat aufgedeckt! |
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Zuletzt tönt dann der Ruf zu Aller Frommen: |
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| 118 | O Crassus sag uns, wie das Gold dir Schmeckt? |
Bald fleht der eine laut, der andre leise, |
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Entsprechend dem, wie Lieb' ihn spornt und weckt. |
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| 121 | So war ich doch der Einz'ge nicht im Kreise |
Bei uns'ren Tageshymnen, doch es sang |
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Wer hier zunächst liegt in gedämpft'rer Weise." |
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| 124 | Jetzt schied ich von dem Geist, und vorwärts drang |
Ich schon auf's Neu beflügelt in die Ferne, |
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Als wie, wenn etwas stüzt mit Donnerklang |
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| 127 | Der Berg plötzlich erbebt in seinem Kerne. |
Kalt ward's wie dem mir, dem's vorm Tode graut. |
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So stark hat nicht, als die zwei Augensterne, |
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| 130 | Durch die der Himmel auf die Erde schaut, |
Latone einst gebar, Delos gezittert, |
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Das Eiland, wo ihr Nest sie sich gebaut! |
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| 133 | Vom Fuß zum Gipfel ward der Berg erschüttert. |
Da trat Virgil hinzu. "Was willst du scheu'n, |
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Ich schütze dich, wie stark es auch gewittert!" |
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| 136 | Und: "Gott soll Ehre in der Höhe sein", |
So brach's jetzt los in mächt'gem Widerhalle, |
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Obgleich die Nächsten ich verstand allein, |
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| 139 | Schien's doch als sängen sie dasselbe Alle. |
Wir standen da und rührten nicht ein Glied, |
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Den Hirten gleich, die diesem Wonneschalle |
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| 142 | Zuerst gelauscht; dann als verstummt das Lied, |
Der Boden ruhig war, nahm ich auf's Neue |
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Die Wand'rung auf, gesenkt das Augenlid |
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| 145 | Auf die, die mit gewohntem Thau der Reue |
Den Grund nun wieder netzten. Niemals rang |
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So stark in mir Unwissenheit, die scheue, |
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| 148 | Als jetzt, mit ungestümem Wissensdrang; |
Da alle Fragen mir verbot die Eile |
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| Und selbst zu lösen sie mir nicht gelang, | |
| 151 | Ging schüchtern ich und sinnend eine Weile. 27.11.2006 |