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Uebersicht

Purgatorium. Vorrede.

Beim Eintritt in das Purgatorium, muß man sich erinnern, daß es sich auf einem Berge befindet, welcher in sieben Kreisen aufsteigt und oben durch das irdische Paradies, den Garten Eden, seinen Abschluß findet. Dieser Läuterungsort liegt gerade auf dem Aequator, an dem Punkt, wo eine Linie vom Nordpol zum Südpol gezogen, ihn schneidet. Auf der andern Erdhälfte befindet sich ihm gegenüber Jerusalem. Dieser Berg ist rings vom Meer, als dem Element der Hoffnung umgeben. Die Seelen der Verstorbenen schiffen sich an der Tibermündung ein und landen hier am Strand der Berginsel, welche Odysseus auf seinen Fahrten sah und an welcher sein Schiff scheiterte. Von diesem erhöhten Standpunkt aus, sieht man alle Sterne des Himmels, nach Osten hin die Venus mit dem Sternbild der Fische, nach Norden, den Wagen oder großen Bären, nach Süden hin ein Viergestirn, wohl das Kreuz, welches durch Marco aolo, einen venetianischen Seefahrer bekannt geworden. Dieses Viergestirn hat aber auch eine symbolische Bedeutung, so wie ein Dreigestirn, welches erst später als jenes in Sicht kommt. Ersteres stellt die vier Cardinaltugenden dar: "Weisheit, Gerechtigkeit, Mäßigkeit und Starke", letzteres die drei theologischen: Glaube, Liebe, Hoffnung. Diese Sterne gestalten sich im Paradieseshain zu hehren Frauen um, welche ewig brennende Lichter in den Händen tragen.  Eine Vorzone, ein Ort des Harrens und Sehnens trennt den Meeresraum von den sieben aufsteigenden Felsterrassen, auf deren jeder, eine besondere Sünde abgebüßt wird. Diese Zone ist der Aufenthalt derjenigen, welche nicht gleich nach dem Tode ihre Buße beginnen dürfen. Es sind Menschen, welche die Reue bis zum letzten Augenblick verschoben, oder den Bann der Kirche nicht gelöst haben. Die Ersten müssen soviel Jahre warten, als sie gelebt haben, die Zweiten dreißig jahre, für eines im Bann zugebrachten. Schatten, denen der Weg offen steht, steigen bis zur Pforte des Purgatoriums auf, wo der Engel mit dem Schwert und den Schlüsseln sie erwartet. Das Schwert ist das Sinnbild des Richteramts, die Schlüssel mahnen an Petri Gewalt, von diesem auf die Priester übertragen. Drei Stufen führen zum Eingang, eine ist weiß, die Farbe der Aufrichtigkeit, eine ist zerspalten, die herzzerreißende Reue symbolisierend, eine roth, die Farbe der Liebe. Der eine Schlüssel besteht aus Silber, der andere aus Gold, jener, der Schlüssel der Klugheit und Einsicht, welcher das Gemüth des Schuldigen aufschließt, dieser der Schlüssel zum vollen Gnadenschatz, zur ewigen Seeligkeit. Es handelt sich um eine Symbolisirung des Bußsakraments. Gerade umgekehrt, wie in der Hölle, gerathen wir hier von Kreis zu Kreis in immer lichtere Regionen. 19.09.2006

1. Gesang

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