MISCELLANEOUS oder INDEX
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Der
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Teutsche Merkur
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Vom Jahr 1779.
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Ihro Röm. Kais.
Maj. zugeeignet.
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Mit Kön. Preuß.
und Churfürstl. Brandenburg.
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allergnädg. Privilegio.
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No. 10. October:
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Christian Joseph Jagemann
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Vom alten Goldgülden der Florentiner.
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Es ist sehr verdrießlich, wenn man in den Geschichtbüchern lieset, dieses oder jenes habe so oder so viel gekostet, und die vorkommenden Münzen entweder ganz und gar nicht kennt, oder wenn man sie kennt, nicht weiß, was sie in dem vorkommenden Zeitpunkt gegolten haben. Eine solche Münze, die man in der Geschichte der mittlern Zeiten fast auf allen Seiten antrift, ist der Goldgülden, eine damals allgemeine Münze aller handelnden Nationen in Europa. Ich glaube Ihnen einen Gefallen zu thun, wenn ich Ihnen die Geschichte dieser berühmten Münze erzähle. Der Goldgülden (Fiorino d'oro) ist im Jahr 1252 zuerst zu Florenz, wo man bis dahin nur Silbergeld gemünzt hatte, geprägt worden (01). Der Name war damals nicht neu; denn die Florentiner schlugen schon vor Friederichs des Rothbarts Zeiten silberne Münzen mit dem Namen Fiorino (Florenus), welcher entweder von der Stadt Florenz, wie Scipione Ammirato meynt (02), oder von Fiore, oder der Lilie, als dem (12) uralten Wappen der Florentiner, die auf der einen Seite dieser Münze stehet, herzuleiten ist. Das Gepräge stellt auf der einen Seite Johannes den Täufer vor, stehend, mit einem Rock, der ihm bis an die Knie reicht, und über den Hüften umgürtet ist, und mit einem von beyden Schultern herabhangenden Pelzmantel, welcher unter dem langen Bart mit einer Schnalle oder einem Knopfe, was es seyn mag, befestigt ist. Um den Kopf des Johannes ist der Schein eines Heiligen, und mit der rechten Hand seegnet er auf Art der griechischen Priester, die den Daumen und den kleinen Finger zusammenhalten und die übrigen Finger nicht ganz ausstrecken. In der linken Hand hält er einen Scepter, an dessen oberstem Ende ein Kreuz ist, welches bis in die Umschrift S. IOHANNES. B, reicht. Dieser Heilige ist von jeher als der Beschützer Italiens, besonders von den Florentinern, welche zu Konstantins des Großen Zeiten ihm den Tempel ihres Schutzgottes Mars weiheten, verehrt worden. Auf der andern Seite ist eine Lilie, welche von der Französischen augenscheinlich unterschieden ist, und um die Lilie stehet ein Kreuz vor dem Namen FLORENTIA. Dies ist das älteste Gepräge des Goldgüldens. In den folgenden Zeiten wurde Johannes der Taüfer auch sitzend, oder wie er den Heiland im Jordan tauft, oder mit einem langen fliegenden Zeddel in der Hand, wie ein griechischer Heiliger oder Weissager, auch ohne (13) Mantel und in einem Brustbilde vorgestellt. So haben auch die Münzmeister zu Florenz von ungefähr 1300 bis 1372 gewisse Zeichen, als da sind ein Fisch, eine Axt, ein vierfüßiges Thier etc. ans Ende der Umschrift Florentia gesetzt, welche im gesagten Jahr 1372 in die Wappen der Münzmeister, die nur fünf Monat dies Amt vertraten, und von den vornehmsten Florentinischen Familien waren, verändert wurden. Diese waren etwas breiter als die ältern; hatten aber den nemlichen innern Werth. Weil der Florentinische Goldgülden nicht nur aus dem feinsten Golde bestand, sondern auch den achten Theil einer Unze wog, so daß ihrer 96 auf ein Pfund giengen, und sehr schön geprägt war: so wurden hierdurch die fremden Nationen gereizt, mit den Florentinern mehr als mit andern zu handeln, und nicht nur die Fürsten und Republiken Italiens, sondern auch auswärtige Nationen münzten Goldgülden nach dem Beyspiel der Florentiner. Ich will hier nur jene kurz entwerfen, welche im vierzehnten Jahrhunderte Albert, Herzog von Oesterreich, Johannes, König von Böhmen, Pabst Johannes XXII., Ludwig I. König von Ungarn, Philippus Augustus und andere Könige in Frankreich, Gerlach, Erzbischof zu Maynz, Wilhelm, Erzbischof zu Arles, die Trierischen Erzbischöfe Kuno und Werner, ein Graf von Flandern, die Reichsstadt Lübeck, und der Arragonische König Peter IV. und der Kaiser Rupertus haben prägen lassen. (14) Der Goldgülden, den Albert als Herzog von Oesterreich schlagen ließ, unterscheidet sich durch ein umgekehrtes Schild, dessen oberster breiter Theil sich mit einem gerade durchgehenden Balken endigt, und die untere Spitze über der segnenden Hand des h. Johannes stehet, und auf der andern Seite durch die Umschrift: DUX ALBERTUS. Aber der Goldgülden des Böhmischen Königs Johannes, welcher 1310 blühete, unterscheidet sich nur durch die Umschrift: IOHES R. BOEH. Pabst Johannes XXII. ließ im Jahr 1322 Goldgülden mit einer zweyfachen päbstlichen Krone über der rechten Hand des h. Johannes, und auf der andern Seite mit der Umschrift seines Namens (03), (anderswo sagt Villani, der Heiligen Petrus und Paulus (04)) zu Avignon prägen, die den Namen Papali d'oro erhielten. Der gesagte Pabst muß dies Gepräge verändert haben: denn die zween Goldgülden, die in der Sammlung des Hauses Vettori zu Rom von diesem Pabst vorhanden sind, haben auf keiner Seite den Namen des Pabsts, und auf der einen findet sich nach zween kreuzweis gelegten Schlüsseln um die Lilie nur der Name SANT PETRH (S. Petrhus). Diese Art von Goldgülden ist äußerst selten. (15) Ludwig I. König in Hungarn, ließ seine Goldgülden bey der Gelegenheit seines 1347 gethanen Zuges in das Königreich Neapel, um die grausame Ermordung seines Bruders Andreas zu rächen, münzen, und machte einen so guten Gebrauch davon in Italien, daß er sich eines großen Theils des Neapolitanischen Königreichs bemeisterte (05). Daher läßt sich begreifen, wie es seyn könne, daß man im Jahr 1694 eine Menge solcher Ungarischen Münzen zu Montepulciano ausgegraben habe. Einige derselben haben anstatt des Bildes des heil. Johannes jenes des h. Ladislaus, der eine mit einem Kreuz besetzte Weltkugel in der linken, und in der rechten Hand eine lange Streitaxt hält, mit der Krone auf dem Haupt, mit sieben Kreuzgen über einander auf beyden Seiten des Heiligen, über welchen auf der rechten Seite ein P (Patronus) stehet, und mit der Umschrift: S. LADISLAVS. R. Andere tragen, wie die Florentinischen, das Bildniß des h. Johannes. Aber in beyden Münzen stehet auf der andern Seite das Ungarische Wappen, mit der Umschrift des Namens des gesagten Königs, auf dem ersten LODOVICI D. G. R. VNGARIE., auf dem andern LODOVICUS DEI GRATIA REX. Man hat daher guten Grund, diesem Könige auch einen dritten Goldgülden der Vettorischen Sammlung zuzueignen, welchen einige dem Kaiser Ludovicus Bavarus zuschreiben. (16) Dieser kommt in allem mit dem Florentinischen überein, ausgenommen, daß, anstatt des Namens Florentia der Name LODOVIC. REX. um die Lilie stehet. Hat doch auch sein Vater Karl Humbert mit dem nemlichen Stempel, nur das sein Name KAROLV REX um die Lilie stehet, solche Goldgülden schlagen lassen. So hatte er auch keine Ursach die Florentinische Lilie zu verachten. Wir wissen aus der Geschichte, daß die Florentiner ihm auf seiner Reise in Italien zehn ansehnliche Bürger bis nach Forli entgegen sandten, und ihm eine Geleitschaft bis nach Rom mitgaben (06), worunter er auch drey zu Ritter schlug (07). Diesen Goldgülden eignet Mr. Blanc, in seinem Traktat von den Französischen Münzen (08), einem der Französischen Könige Ludwig VI. VII. VIII. zu; woher erfolgen würde, daß die Französischen Könige vor dem Jahr 1253, folglich ehe es die Florentiner thaten, Goldgülden geschlagen haben. Dieser Meynung ein Gewicht zu geben, lieset er auf der Münze LODOVIC. FR. R. (Francorum Rex), und setzt willkürlich FR. hinzu, welche Buchstaben eben sowohl die Französischen Könige Ludwig IX. und X. als die ältern anzeigen können, wenn auch der gedachte Goldgülden oder ein anderer die Buchstaben FR. hätte. Mr. Blanc führt zvar eine Urkunde (17) an, (09) und eine Geschichte der Normanen, worinn in den Jahren 1067, 1068 vom Goldgülden Meldung geschiehet; aber weil in allen Geschichtschreibern dieser Zeiten kein Wort vom Goldgülden vorkommt: so wird Mr. Blanc erlauben, daß wir glauben, in gesagter Urkunde sey die Jahrzahl entweder an sich selbst unrichtig, oder er habe sie unrecht gelesen, da die Schriften dieser Zeiten sehr schlecht gekritzelt und hart zu lesen sind; und was die Normannische Geschichte angehet, so kann der spätere Verfasser die ältern Münzen durch Goldgülden, die zu seiner Zeit gängig waren, ausgedrückt haben, wie es der Deutlichkeit wegen sehr oft geschieht. Mich deucht aber, das Zeugniß des Villani entscheide die Sache auf das deutlichste, da er sagt, der Ungarische König Ludwig habe Goldgülden prägen lassen, welche, den Namen LODOVICVS R. ausgenommen, den Florentinischen ganz gleich waren. Hier scheint Villani keinen andern Goldgülden gemeynt zu haben, als den, wovon die Rede ist; denn die übrigen hatten neben dem Namen des Königs auch das Ungarische Wappen. Aus spätern Zeiten führt Mr. Blanc Französische Goldgülden an, die Philippus Augustus, Ludwig IX. Philipp der Schöne und andere Könige haben prägen lassen, und die sich durch die Umschrift der Namen der gesagten Könige von den Florentinischen unterscheiden. (18) Darinn aber fehlt er, wenn er in der Umschrift eines Florentinischen Goldgüldens, anstatt FLNTIA, FRANTIA lieset, und aus diesem Grunde sowohl als aus dem Zeichen eines Wallfisches, welches sich darauf befindet, schließt, dieser Goldgülden sey von irgend einem Französischen Dauphin geschlagen worden (10). Denn auf der einen Seite der durch das Alterthum beschädigten Münze muß man Florentia lesen; und das Zeichen eines Wallfisches auf der andern Seite beziehet sich auf den Florentinischen Münzmeister, der aus einem der Geschlechter Pazzi, Pandolfini, Tinghi, welche den Wallfisch in ihren Wappen führen, seyn konnte. Aus dem letzen Geschlecht war auch wirklich Filippo di Dino, welcher 1374 die Aufsicht über die Florentinische Münze hatte. Die Goldgülden, welche die Erzbischöfe Gerlach zu Maynz, Kuno und Werner zu Trier, Wilhelm de la Garde zu Arles im vierzehnten Jahrhunder prägen ließen, unterschieden sich dadurch von den Florentinischen, daß die ersten theils vor dem Namen des h. Johannes das Maynzische Rad, und nach demselben einen einköpfigen Adler, theils auch das Rad außer der Umschrift auf der linken Seite des h. Johannes, und unter dem obengenannten Adler noch einen Löwen, welcher zum Wappen seines Hauses von Nassau gehörte, und auf der andern Seite um die Lilie den Namen (19) GERL. AREPS (Gerlacus Archiepiscopus) in der Umschrift vorstellen. Jene des Erzbischofs von Arles tragen um die Lilie die Umschrift G. AREL. ARCHPS (Guilelmus Arelatensis Archiepiscopus), und über der segnenden Hand des h. Johannes die Krone des Königreichs Arles, welche der Kaiser Karl IV. im Jahr 1364 von dem gesagten Erzbischof empfing 11. Es ist wahrscheinlich, daß theils diese Krönung, theils auch das Beyspiel der benachbarten Stadt Avignon unter dem Pabst Johannes XXII. zu diesem Goldgülden Gelegenheit gegeben haben. Auch auf dem Goldgülden des Trierischen Erzbischofs Kuno stehet über der rechten Hand des h. Johannes ein doppelter Adler, und er hat dieses mit den andern Erzbischöflichen Goldgülden gemein, daß sein Name CONO AREPS. T. (Cono Archiepiscopus Trevirensis) um die Lilie stehet. Aber jener des Trierischen Erzbischofs Werner gehet darinn von den übrigen ab, daß um das Bild des Johannes nicht dieses Heiligen Name, sondern WERNER AREP. TRE., und auf der andern Seite dieses Erzbischofs Geschlechts-Wappen mit der Umschrift MONETA NVOVA OVENB. gepräget sind. Der Erzbischof Kuno war aus dem Geschlecht der Grafen von Falkenstein, wurde 1367 Erzbischof zu Trier, und starb 1388 als Kardinal. Werner, sein Vetter, aus dem Geschlecht der Herren von Königstein, folgte ihm (20) in der Erzbischöflichen Würde, und bekleidete sie dreyßig Jahr. Der Goldgülden eines Grafen von Flandern trägt um die Lilie L. FLAD. COMES, und auf der andern Seite über der rechten Hand des h. Johannes einen Löwen in Profil. Aber der Goldgülden der Stadt Lübeck unterscheidet sich durch den Kaiserlichen Adler über der rechten Hand des h. Johannes, und auf der andern Seite durch den Namen der Stadt, der um die Florentinische Lilie stehet. Es kann seyn, daß diese Münze 1375 bey Gelegenheit der Durchreise Kaisers Karls IV. da die Lübecker ihm zu Ehren einen über die Maaßen großen Aufwand machten, geschlagen worden ist. Wenigstens zeigt die Gestalt der Buchstaben dieses Alter an. Unter andern geringen Veränderungen, wodurch sich der Goldgülden des Kaisers Rupertus, Herzogs in Bayern, Pfalzgrafen am Rhein, auszeichnet, ist ein stehender Löwe über der rechten Hand des h. Johannes, und auf der andern Seite um die Lilie die Umschrift: RUPERT. DUX. Dieser Kaiser stand den Florentinern wider Galeazzo Visconti bey, und war mit ihnen in einem sehr guten Verständniß. In der Vettorischen Sammlung findet sich auch ein Goldgülden von diesem Kaiser, auf welchem anstatt des Löwen ein doppelter Adler stehet. Der letzte der Goldgülden, den ich vom 14ten Jahrhundert nennen will, ist jener des Aragonischen Königs (21) Peters IV. Auf diesem stehet über der seegnenden Hand des h. Johannes ein Lamm, und auf der andern Seite um die Lilie ARAG. Im Jahr 1256 prägten die Florentiner eine besondere Art von Goldgülden. Sie waren von den gewöhnlichen darinn unterschieden, daß neben den Füssen des h. Johannes auf beyden Seiten ein kleiner Baum empor stieg. Nur Malespini und Villani thun Meldung davon, und es scheint auch, daß außer dem Vettorischen Musäum keiner mehr davon vorhanden ist, ob es schon mehrere dergleichen Silbergülden von dieser Zeit giebt. Die gesagten Goldgülden, und wahrscheinlich auch die Silbergülden, wurden zum Andenken eines über die Pisaner erfochtenen Siegs auf einer in Feindes Land abgehauenen Fichte unter freyem Himmel gemünzt. Ihre Seltenheit kommt ohne Zweifel daher, weil den damaligen Umständen gemäß ihrer nur wenige geprägt worden sind. Im J. 1312 gab Kaiser Heinrich VII. dem Markgrafen zu Montferrat, dem Herrn von Spinoli zu Genua und andern kleinen Herrn der Lombardie das Recht, Florentinische Goldgülden ganz mit dem nemlichen Stempel nachzuschlagen, um der Republik der Florentiner zu schaden. Der Kaiser gieng so weit im Haß gegen die Florentiner, daß er ihnen verbot Goldgülden zu schlagen. Die gedachten Herrn unterließen auch nicht, sich des vermeinten Rechts fleißig zu bedienen. Aber die Florentiner nahmen ihre Zuflucht zum Pabst Johannes XXII, (22) welcher im Jahr 1322 die falschen Münzer vor sein Gericht nach Avignon citierte, mit Kirchenstrafen belegte, und des Münzrechts entsetzte 12. Einem solchen falschen Münzer legt Dante im 30. Gesang seiner Hölle folgende Verse in den Mund:
Und nicht lange hernach,
Hieraus siehet man, daß diese Münzer der Goldgülden nicht nur mit dem Stempel der Florentiner, sondern auch um drey Granen verfälschte Goldgülden prägten. Diesem Uebel, so viel es in ihren Kräften war, zu steuern, verboten die Florentiner nicht nur solche falsche Münzen in ihrem Gebiete, sondern bezeichneten auch gegen das Jahr 1332 ihre Goldgülden mit den Wappen ihrer Münzmeister, welche aus ihren vornehmsten Geschlechter waren. Unter denen, die ihre Goldgülden mit schlechtem Gehalt prägten, zeichneten sich die Erzbischöfe zu Maynz und Trier, die Pfalzgrafen am Rhein, und Philipp der Schöne in Frankreich am meisten aus. Ihre Goldgülden waren um fünf Grane zu geringhaltig (23) 13. Der König Philipp VI. von Valois verschlimmerte gegen 1349 die goldenen und silbernen Münzen noch mehr, wodurch der Handel der Franzosen einen tödlichen Stoß erhielt. Matthäus Villani erzählt 14, viele der reichsten Kaufleute seyen verarmet, und die fremden haben sich entfernt. Weil aber indessen der Florentinische Goldgülden immer von der nemlichen Güte war, so gieng er ohne alle Schranken aus dem Lande, und wurde anderwärts in schlechtere Münzen verwandelt. Darum sahen sich die Florentiner im Jahr 1393 gezwungen, unter schwerer Strafe zu verordnen, daß Niemand mehr als 50 Goldgülden aus der Stadt führen dörfte, und den Preis der damals geprägten, die sie Fiorini nuovi di Suggello nannten, um fünf pro cento in Silbergelde zu erhöhen. Ich will Ihnen hier ein richtiges Verzeichniß vorlegen, worinn sie deutlich sehen, wie nach und nach der Florentinische Goldgülden an Werth zugenommen habe. Weil er zur allgemeinen Münze in Europa geworden, und wie das Silbergeld immer von der nemlichen innern Güte und Schwere war, so werden sie hieraus sehen, in was für einem Verhältniß das Gold und Silber seit den mittlern Zeiten her in Europa gewesen (24) ist. Vorher müssen sie aber wissen, daß eine Lira aus 20 Soldi, und ein Soldo aus 12 Danari bestehet
Da Florenz um diese Zeit von den Kaiserlichen eingenommen, und dem Herzog Alessandro Medici unterworfen wurde, hörte man zu Florenz auf, Goldgülden zu prägen. Jedoch behielten die bis dahin geprägten ihren Lauf und Werth.
(25) Seit dem siebenzehnten Jahrhundert ist der Goldgülden, der den Namen Zechino oder Gigliato angenommen hat, bis auf 13 Lire, 6 Soldi, und 8 Danari gestiegen. Wenigstens weiß man, daß er schon in der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts diesen Werth hatte. Sie dürfen sich hier nicht etwa einfallen lassen, der Goldgülden sey an Gewicht und innerer Güte nach und nach gewachsen, oder die Florentinische Lira sey immer schlechter und leichter geworden, wodurch der Werth einer Lira gegen einen Goldgülden 13mal verringert worden sey. Denn die alten Goldgülden, die im Vettorischen Musäum verwahrt werden, die vom 16ten Jahrhundert, und die jetzigen Gigliati kommen an Güte und Gewicht mit einander überein, und es sind noch zu unsern Zeiten Lire vom 16ten Jahrhundert im Gang, welche fast um die Hälfte schlechter oder leichter seyn müßten, als die neuern; da sie doch denselben an Gewicht und Güte ganz gleich sind. Daß aber eine Lira, die in Sächsischem Gelde nur 5 Groschen, 4 Pfennige ausmacht, im Jahr 1252 den Werth eines Dukatens gehabt habe, klingt wirklich sehr seltsam. Aber gleichwie die Lira, welche noch wirklich im Umlauf ist, seit dem Jahre 1531, da ihrer sieben einen Dukaten golten, jetzt nur 1/13tel davon ist, ohne sich im innern Werth verändert zu haben; so ist sie auch von 1252, da sie einen ganzen Dukaten galt, bis 1531 zu einem Siebentheil eines Dukatens geworden, (26) ohne an Gewicht und Güte abzunehmen. Man findet sowohl in den alten als neuen Münzgesetzen der Florentiner, daß unter 12 Unzen Silber nicht mehr als eine halbe Unze Kupfer vermischt war, und daß aus einer Unze reinen Goldes acht Goldgülden geschlagen wurden. Auf diesen Fuß fieng 1712 Cosmus III. der vorletzte Großherzog aus dem Mediceischen Geschlecht, wieder an, Goldgülden unter dem Namen Gigliati mit feinem Golde zu prägen, welche 3 Denari, oder den achten Theil einer Unze wiegen. Das Gepräge stellt auf der einen Seite noch immer den h. Johannes, und auf der andern die Florentinische Lilie vor. Ihr Werth ist, wie ich oben schon gesagt habe, Lire 13, Soldi 6, Danari 8. Wenn man den Handel der Italiener im 13ten Jahrhundert betrachten, so kann es einem nicht seltsam vorkommen, wie damals das Silber gegen das Gold in so hohem Werth war. Der ganze Levantische Handel der Europäer war in Händen der Venezianer, Genueser, Pisaner und Florentiner. Denn ob diese gleich bis 1406, da sie Pisa und derselben Seehafen eroberten, keinen eigenen Hafen besaßen, so hatten sie doch in allen vornehmen Seestädten in Italien, und in der Levante ihre Faktoren, welche die Waaren ihrer Tuchfabriken verschickten und verhandelten. Gleichwie aber der Tuchhandel in der Levante der stärkste und einträglichste war, und die Florentiner das meiste und beste Tuch fabricierten, so floß auch der größte Theil des (27) Levantischen Goldes, das nach Europa übergieng, in die Hände derselben. Wie groß der Ueberfluß an Golde im 13ten Jahrhundert zu Florenz, und überhaupt in Toskana war, das beweisen die Erzählungen des Herrn Mini in seinem Discorso della Nobilta di Firenze S. 63.64. des Johannes Villani Lib. 7. c. 97. und des Francesco da Buti in seinem geschriebenen Komentar über den Dante Canto 29. Diese erzählen, ein gewisser Florentiner, Benedetto Salutari, habe in einem Turnier sein Roß mit Quasten geziert, die mit 30 Pfund orientalischer Perlen und 52 Pfund des feinsten Goldes bereichert waren. Im Jahr 1284 habe der Graf Ugolino della Gherardeska von Pisa, um einige Florentiner zu seiner Parthey zu bringen, eine Menge Weinflaschen (deren eine jede 7 Pfund Florentinischen Weins faßt) voll Goldgülden geschenkt; und zu Siena sey eine Gesellschaft gewesen, der man den Namen Brigata Spendereccia gab, welche aus muthwilliger Verschwendung die Goldgülden, wie Fische, mit Mehl überzogen, röstete, und so ihre Gäste und sich einander damit bewirtheten. Das Silber erwarben die Florentiner durch den Handel mit Frankreich, Spanien und England, wo sie ihre Faktoreyen haten, und etwas weniges gruben sie auch im Volteranischen; aber dieses Silber gieng größtentheils nach Asien über. Und gleichwie der Levantische Handel der Italiener jenen, den sie in Europa führten, weit übertraf, so war auch an Werth mehr Gold als (28) Silber in Italien. Daher ist leicht zu verstehen, warum 1252 ein Goldgülden nicht mehr als ein Lira galt. Man konnte nemlich damals in Italien mit einer Lira eben soviel ausrichten, als itzo mit einem Dukaten. Man lebte überhaupt sehr einfach und sparsam. Malespini erzählt, hundert Lire sey die gemeine Heurathsgabe wohlhabender Leute, zwey bis dreyhundert die größte und reichste gewesen 15. Die Florentiner kauften im Jahr 1209 von den Grafen Guidi den Flecken Monte Murlo um 5000 Lire 16. Im Jahr 1333 wurde die Stadt Lucca um 35000 Goldgülden verpfändet 17, und über 60 bewohnte Oerter der Markgrafen Malespini um 1200 Goldgülden verkauft 18. Da in der ersten Hälfte des 13ten Jahrhunderts Malatesta das Schloß zu Rimini baute, gab er den Arbeitern 4 Quattrini fürs Tagelohn, und wer die Kost nicht bekam, dem legte er einen oder zwey Quattrini hinzu 19. Also war damals ein Dreyer hinreichend, einen Tag davon zu leben. Weil aber die im gesagten Jahre und hinfort zu Florenz geprägten Goldgülden wegen ihres innern (29) Werths so häufig aus dem Lande giengen, und wegen des überall zunehmenden Luxus so sehr vertheilt und eingeschmolzen wurden, daß kaum so viel levantisches Gold übrig blieb, Goldgülden zu prägen, und von Europäischer Seite, wo theils immer mehrere Silbergruben bearbeitet wurden, theils auch der Handel der Nördlichen und Westlichen Gegenden mit Italien sowohl unmittelbar, als mittelbar immer mehr zunahm, der Vorrath von Silber vermehrt wurde: so fiel von Jahr zu Jahr der Werth des Silbers, und jener des Goldes nahm immer mehr zu. Durch diese Ursachen war der Goldgülden bis auf 7 Lire gestiegen, als das Haus Medici 1529 zur Regierung kam. Dieses Haus schien den ganzen Endzweck seines bis zur höchsten Stufe getriebenen Handels und Reichthums erreicht zu haben, da es zur Regierung gelangte. Denn es verließ nicht nur selbst nach und nach den Handel, sondern zog auch durch die Stiftung des Ritterordens von S. Stefano, durch Ehrenzeichen und Rangordnungen, die mit der Handelschaft nicht bestehen konnten, die reichsten Familien vom Handel ab, und führte unter ihnen Ehrgeiz und Liebe zur Pracht und Verschwendung ein. Daher erfolgte, daß gleichwie die Medici bisher die Seele des Italienischen Handels gewesen waren, Sie nun theils durch ihre und ihrer Mitbürger Unthätigkeit, theils durch ihr in Italien überall nachgeahmtes Beyspiel der Pracht und Verschwendung das Verderben desselben beförderten. (30) Hierdurch wurden die Quellen des Goldes immer seichter, und in Zeit von dreyßig Jahren stieg der Goldgülden von 7 zu 10 Lire. Endlich gerieth der Asiatische Handel der Italiener ins Stecken, und die Quellen des Goldes versiegten, da verschiedene Europäische Nationen dem Asiatischen Handel eine andere Richtung um das Vorgebürge der guten Hoffnung gegeben hatten. Es mag nun seyn, daß die Europäer damals weniger Gold aus Asien zogen, als da dieser Handel in den Händen der Italiener war, oder daß das Gold in gar zu viele Hände vertheilt war, oder auch mit einem gar zu großen Aufwand des Silbers erkauft war, oder was wohl die vornehmste Ursache gewesen ist, daß durch die nachgeahmte Wollust und Pracht der Großen und Reichen die Lebensbedürfnisse vermehrt, und durch diese der Preiß der Dinge, folglich auch der Werth des Goldes erhöhet wurde; so ist gewiß, daß der Goldgülden im siebenzehnten Jahrhundert von 10 Lire zu 13 stieg. Warum hat aber die große Menge des Goldes, welches im 16ten und 17ten Jahrhundert aus America nach Europa gekommen ist, die Erhöhung des Preißes desselben nicht verhindert? Diese Frage sollte ich zwar andern, die eine größere Einsicht in Sachen dieser Art haben, überlassen; jedoch glaube ich, das Ziel nicht weit zu verfehlen, wenn ich es dem nach Proportion des Goldes zunehmenden und sich immer mehr verbreitenden Luxus, der Vermehrung der Künste, die das (31) Gold verarbeiten, der gedoppelten Menge des Americanischen und Europäischen Silbers, und dem nach Maas des Geldes steigenden Preiß der Bedürfnisse zuschreibe. So viel von dem Goldgülden, den man itzt zu Florenz Gigliato oder Ruspo nennt. Vor Alters nannten die Römer und Venetianer ihre Goldgülden Dukaten, woher der Name der Holländischen, Hungarischen und anderer Dukaten zu kommen scheint. Aber diese und jede andere Italienische Gold-Dukaten (Zecchini) gelten zu Florenz 1/40 weniger, als der Florentinische Gigliato. Leben Sie wohl. |
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01 Giovanni Villani Istoria Lib. 6. c. 54. 02 Istorie Fiorentine Lib. 2. p. 97. 03 Villani Istor. c. 170. 04 ibid. c. 179. 05 Matth. Villani Lib. I. c. II. 06 Matth. Villani libr. I. c. II. 07 Vincenzo Borghini delle Famiglie Florentine. 08 P. 145. N. 2. 09 Loc. cit. 10 Giovanni Villani Lib. 12. c. 156. 11 Gallia christiana Tom. I p. 62. 12 Lib. 2. Extravag. Comun. cap. unic. de Dilationibus. 13 Freerus Lib. 2 de Re monetar. Germ. Imp. in Graev. Tom. II Column. 1427. Giovan Villani, Lib. 8. c. 58. 14 Lib. i. c. 74. 15 Istor. Lib. 6. c. 152. 159. 16 ibid. Lib. 5. c. 30. 17 Scip. Ammirato Storie Fiorent. Lib. 8. p. 389. 18 ibid. Lib. 9 19
Clementini Raccolto Storico della Fandazione di Rimini, e dell' Origine
e Vite de Malatesti Lib. 2. p. 273. |
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