INDEX oder MISCELLANEOUS
Der Teutsche Merkur. |
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October 1784. |
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C. J. Jagemann: |
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Von der natürlichen Beschaffenheit |
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des Großherzogthums Toskana, II Theil |
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Unter die Vortheile, welche die Nachbarschaft des Meers den Toskanern verschafft, ist nicht nur der beschriebene Sardellenfang, sondern auch überhaupt der Ueberfluß an schmackhaften Seefischen zu rechnen. Daher lebt der größten Theil der Einwohner der Toskanischen Inseln Giglio, Gianuri, Monte Christo, Pianosa, die zehn Formiche, Elba, Gorgona, Miloria und Troja, und die Livorner Seeküste vom Fischfang. Der berühmte Abentheurer d'Hancarville 01, welchen wir die Vorrede und Abhandlungen der hamiltonschen Sammlung Etruskischer, Griechischer und Römischer Alterthümer, die Eintheilung dieses wichtigen Werks, und die Direction der Kupferstichs zu vedanken haben, machte ein Project, durch Dörrung der überflüssigen Fische einen neuer Zweig des Handels in Toskana zu stiften. Er täuschte aber nicht nur die Erwartung des Hofes, der seinen Plan gebilligt hatte, sondern auch die Hoffnung seiner Gläubiger, und entfloh in Gesellschaft des Herrn Goudar, der sich durch seine beißende Schriften über die Venetianische Republik und andere italienische Staaten bekannt gemacht hat. Unter allen Fischen des Toskanischen Meers ist der Thunfisch der vornehmste. Er wird bey Porto Lungone an der Insel Elba, und bey Piombino in größere Menge als beu Portoferrajo gefangen, in einer Lauge eingesalzen, und in ganz Toskana um einen wohlfeilen Preis auf den Marktplätzen pfundweise verkauft. Er ist sehr groß und dick, und hat ausser denen die aus dem Rückgrate gehen keine andere Gräte. In Toskanischen Weinessig und Jungfernöl getaucht, 267 ist er eine köstliche Speise. Wenn das Meer einige Tage stürmisch ist, leidet man zu Florenz Mangel an Meerfischen. Man begnügt sig alsdenn mit dem, was der Fluß Arno liefert. Die besten Fische dieses Flusses sind Karpfen, Schleien, Neunaugen, Aale und eine Art Schmerlen, die sehr klein und schmackhaft sind. In der untern Provinz von Siena und im Pisanischen giebt es Seen: z.B. Lago di Castiglione, della Pescaja, und Lago di Bientina worin köstliche Aale gefangen werden. Der erste, welche ungefähr einundzwanzig teutsche Meilen im Umfangs hat, vergiftete ehedem durch seine faulen Ausdünstungen die ganze benachbarte Gegend. Seitdem aber der Großherzog den kanal von S. Giovanni, der aus dem Fluß Ombrone Wasser hineinführt, erweitert, und dem See durch einen neuen Kanal (nuovo Canal reale) einen Abfluß ins Meer verschaft hat, so ist nicht nur das oben gesagte Uebel um vieles vermindert, sondern auch die Fischerey bequemer und einträglicher geworden. Der See Bientina (auch Lago di Sesto) im Pisanischen, ungefähr dreyssig Meilen im Umfang, hat nebst der Fischerey, besonders der Aale, auch eine beträchtliche Jagd verschiedener Wasservögel. Der gemeldete Kanal S. Giovanni im Sienesischen hat auch den Vortheil, daß er schiffbar ist, die natürlichen Producte aus der niedern Provinz von Siena durch den Castiglioner See und den neuen königlichen Kanal bis ins Meer, und sogar bis nach Livorno auf 268 Booten zu transportiren. Gleiche schiffbare Kanäle sind der sogenannte Fosso di Navicelli, welcher von Pisa aus dem Arno bis nach Livorno gehet, und den Booten von Florenz bis in den gesagten Hafen eine freye Durchfahrt gewährt. Eine gleiche Bequemlichkeit verschaft die Chiana. Vermittelst dieses Flusses und der zwey Seen, Chiaro di Montepulciano und Chiaro di Chiusi, die mit demselben verbunden sind, können aus verschiedenen fruchtbaren Gegenden Toskanens die Producte bis an den Fluß Arno gebracht werden, und, wenn das Wasser hoch ist, können die Boote aus der Tiber bis in den Fluß Arno gelangen. Schade, daß dieser Fluß nur von Florenz bis ins Meer schiffbar ist: man würde sonst die natürlichen Produkte aus den innersten und fruchtbarsten Gegenden Toskanens bis ins Meer zu Schiffe bringen können. Die Gegenden, welche sich durch Fruchtbarkeit an Getraide am meisten auszeichnen, sind die Ebenen, welche an den Fluß Chiana stoßen, das Migellaner Thal, die Ebene von Prato und Pistoja, die man von Florenz aus übersiehet, das Thal des Arno, das Pisanische, die Ebene von Livorno, die niedere Provinz von Siena, und das Thal welches von dem Fluß Nievoli durchströhmt wird. Der Hauptgegenstand des Ackerbaues ist der Waitzen. Die Aussaat desselben beträgt 8 bis 900 000 Scheffel (Staia) und der Ertrag beläuft sich auf vier, fünf bis sechs 269 Millionen 01 die übrigen Gattungen von Getraide, welche in Toskana gebauet werden, sind Türkisch Korn, Roggen, ein schwarzes ähnliches Korn, Panico genannt, welches dem Federvieh zum Futter dient, Hafer, Gerste und Hirsen. Der Ertrag aller dieser Gattungen von Getraide beläuft sich gegen fünf Millionen Scheffel. Weil die Bergbewohner und Bauern in Toskana kein Waitzen-Brod essen, so können gegen 400000 Scheffel Waitzen jährlich ausser Landes verkauft werden. Am Ende des sechszehenden Jahrhunderts waren noch drey Viertel von Toskana mit Waldungen bedeckt. Man verließ sich auf die Schätze, die man durch den Handel, durch die Seiden- und Wollen-Manufacturen und durch den Geldwechsel gewann, und auf die Nachbarschaft des Meers, wo aus allen Gegenden von Europa das Getraide herbeygeführt wurde. Die öftere Hungersnoth und der Verfall des Handels zwang endlich die Toskaner den Ackerbau zu vermehren. Jetzt ist mehr als die Hälfte des Landes angebauet, und die zwey Drittel von Bergen, woraus Toskana besteht, werden von Tag zu Tage mehr zum Ackerbau benutzt, seitdem der Großherzog die freye Ausfuhr der Getraide verstattet hat. In der Sieneser Maremma und im Volterranischen verbrennen die 270 Bauern ganze Strecken von überflüssigem Holze, ackern den Erdboden samt der Asche um, und besäen ihn mit Weizen, welches sie addebiare nennen. In anderen bergigen Gegenden hauet man das kleine Gebüsche und Gehölze von der Erde ab, ohne die Bäume zu beschädigen, bindet es in Wellen, läßt es troknen, bedeckt es mit Erde in Gruben, zündet es an, und nimmt dabey Vorsicht, daß sich die Erde recht auskochte. Dieses nennen sie fare i fornelli, und säen Rocken drauf. Zur Vemehrung und Verbbesserung des Ackerbaues hat die Florentinische Akademie des Ackerbaues viel beygetragen. Die Mitglieder derselben sind größtentheils wohlhabende Besitzer ländlicher Güter, und beschäftigen sich weder mit eiteln Grillen, noch forschen sie der Wahrheit nützlicher Vorschläge am Schreibtische nach: sondern legen auf ihren Gütern selbst die Hand ans Werk, und machen die Erfahrungzur Scheidsrichterin. Weil der Bauer kein eingethümlicher Besitzer ist, so sind seine Vorurtheile durch Beyspiel und Belehrung seines Herrn leichter zu überwinden, als anderswo, wo er sein Eigenthum bearbeitet. In Toskana ist der Weizen oft mit einer Krankheit behaftet, die man in der Landessprache la Volpe (den Fuchs) oder grano morto (todtes Korn) nennt. Der Weitzen fülle sich, ehe er zur Reife kommt, mit einem schwarzem Saft an, welcher seine Hülle austreibt und zerreißt, und nachher als ausgedörrter Staub versiegt. Der Ritter Orlandini, ein würdiges Mitglied 271 der Akademie, machte den Versuch, vor dem Bestellen den Weitzensaamen in einer Lauge von Eichenasche und Kalch zu waschen, und ihn zu trocknen, und fand, daß dieses ein sicheres Mittel wider den gemeldeten Brand wäre. Andre folgten seinem Beyspiele, und fanden diese Wahrheit bestätiget. Er ließ die Art und Weise wie man damit zu Werke gehen soll, im Jahr 1772. drucken, und bewürkte soviel, daß sie nun allgemein eingeführt ist. Gleiche Mittel haben die Mitglieder dieser Akademie wider die Krätze der Olivenbäume, und wider eine Schmarotzer-Pflanze, die den Hülsenfrüchten den Lebenssaft abzehrt, gefunden, und in Toskana einführte. Im Jahr 1776. krönte sie des H. Paolo Franceschi Preisschrift, worin der Ungrund der in einigen Gegenden Toskanas noch üblichen Braache bewiesen wurde; und so fährt sie fort, den Ackerbau und die Landwirtschaft von Tag zu Tag zu verbessern. Und was hat nicht der berühmte Naturforscher, der im vorigen Jahre verstorbene Herr Doctor Targioni, Mitglied dieser Akademie, zum Besten des Ackerbaues ersonnen! Seine Schriften über die beste Wahl des Weitzensaamens haben in Toskana vielen Nutzen geschaft. In dem Florentinischen Gebiete wird auch viel Safran und Flachs gebauet, welche beyde von vorzüglicher Güte sind. Ehedem zog der Pistojesische Landmann durch den Bau der Senna italica viel Geld ins Land;272 jetzt ist sie abgeartet, und man weiß die ächte Art nicht wieder herzustellen. Im Pistojesischen und bey Cortona wurde im funfzehenden und sechszehenden Jahrhundert so viele Färberröthe gebauet, als man in den inländischen Färbereyen nöthig hatte. Seit langer Zeit finden sich die Toskaner genöthigt dieses Producht von den Holländern zu kaufen. Der Großherzog ist jetzt auf die wirksamsten Mittel bedacht den Bau derselben wieder einzuführen. Auf seine Unkosten ist im Jahr 1775. ein von dem berühmten Johann Mariti geschriebenes Buch, vom Baue und Gebrauche der Färberröthe, zu Florenz gedruckt, und unter die Landleute solcher Gegenden, wo der Bau derselben sich am besten schickt, ausgetheilt worden; und wie ich höre, so hat man hier und da angefangen die Vorschriften des weisen Fürsten zu befolgen. Auf der nassen Ebene von Bientina, welche von dem Fuiß Serezza bewässert wird, findet sich jenseits der Brücke dieses Flusses eine lange Strecke von Wiesen, welche Risaja genannt wird, weil der Großherzog Franz I. hier Reis bauen ließ. Man siehet aber von diesem damals einträglichen Bau nichts mehr als die wässerigen Wiesen, und auf einer nahen Anhöhe die achteckigen Mauern eines großen Gebäudes, welches den Reis zu dreschen und zu reinigen bestimmt war. Diese Ueberbleibsel fallen so prächtig in die Augen, daß sie einer Römischen Ruine gleichen, und 273 den berühmten Nürnberger Mahler Marc Tuscher 02 bewogen, sie abzuzeichnen und in Kupfer zu stechen. Jedoch hat der Reisbau in Toskana nicht gänzlich aufgehört. Bey Boggio a Cajano wird er nicht nur mit Vortheil gebauet, sondern auch in verschiedenen daselbst errichteten Gebäuden gedroschen und gereiniget. Es fehlt in Toskana an hinreichendem Wiesewachs. Die Landgüter sind mehr zum Unterhalt und Vergnügen der Menschen als zur Viehzucht angelegt. Sie liegen meistens auf Hügeln und Bergen, und alles ist zum Getraide- Wein- und Oehl-Bau geordnet, und zwar dergestalt, daß der nämliche Acker alles dieses zu gleicher Zeit trägt. Was dem Viehe zum Futter dienen kann, wird hier nur soviel gebauet, als zum Unterhalt des zum Ackerbau nöthigen Viehes unentbehrlich ist. Reichliche Viehweide findet sich nur auf dem waldigten und ungebaueten Rücken der Pistojesischen, Mugellanischen, Casentinischen, Pisanischen, Volterranischen und Sienesischen Berge. Es fehlt jedoch überall an Winterfutter, ausser in der niedern Provinz von Siena, wo das Vieh Winter und Sommer unter freyem Himmel bleibt, und seine Nahrung findet. Hier ist die wahre Heimath der Büffelochsen. Ihre größte Lust ist, sich in den graßreichen Morästen am Meer abzukühlen. Sie werden von hier aus zum Pflügen und zur Schlachtbank in das innere von Toskana vertheilt. Sie 274 sind wild und fürchterlich, wenn sie von Bremsen gestochen werden. Pflug ung Karren samt dem Bauer schleppen sie alsdann über Steine und Graben in vollem Rennen mit sich fort. Die hier gezogenen Pferde sind dauerhaft, schnell im Laufen, und von leichtem Gange. Man sucht vornehmlich diejenigen, welche den Anfällen der Wölfe widerstanden, und von den Bissen derselben Merkmale an sich haben. Es ist Schade, daß die Weiden der Maremma nicht von den Toskanern allein, soviel möglich, benutzt werden; denn im Winter treiben auch die Päbstlichen, Modeneser und Parmesaner, deren Gebürge alsdenn mit Schnee bedeckt sind, vieles Vieh hieher auf die Weyde. Wahrscheinlich ist der Nutzen von ungefähr 1 2000 Thalern, den die Großherzogliche Kammer jährlich hiervon ziehet, Schuld daran; gleichwie sie auch dadurch dem Viehhandel großen Schaden thut, daß sie von einem jeden Stück Vieh, welches in die Städt zur Fleischbank geführet wird, den dritten Theil des Werths sich verzollen läßt. Indessen fehlt es doch nirgends an gutem Fleische, wovon, der starken Abgabe ungeachtet, das Pfund Rindfleisch, nach unserm Gewicht und in hiesiger Münze, 20 Pfennige, und das Kalbfleisch zwey Groschen gilt. Man muß sich aber hier keine so elende Kälber einbilden, wie man sie in den Meisten Gegenden von Teutschland schlachtet. Aus dem Casentinischen erhält man die besten Schinken, welche den Westphälischen nichts nachgeben, 275 aus dem Pistojesischen die besten Hämmel; von Certaldo und Lucardo die besten Lämmer und den schmackhaftesten frische Käse, Marzolino und Ricotta genannt, aus dem Migello ebenfalls vortreflichen Käse. Die Schaafwolle aus der niedern Provinz von Siena ist die beste, und ist um zehn Procent theurer als die übrige, wovon der Zentner gegen 15 Thaler kostet. An Roth- und Schwarzwildpret hat Toskana keinen Ueberfluß. Das letztere findet sich nur in den dicken Waldungen längst dem Meere, und das erste nur in entferntesten Gebürgen. An Hasen ist kein Mangel. Wildes Geflügel giebt es im Ueberfluß, besonders Rebhühner, wovon sie eine Gattung, von grauen Federn, haben, Starne genannt, und Feigen-Schneppen, welche beyde von sehr delikatem Geschmack sind; auch allerhand Wasservögel auf Seen und sumpfigen Gegenden. Der Ortolan, den sie in dunkeln Käfigen mit Hirsen fett machen, ist, gebraten, unstreitig der schmackhafteste Leckerbissen; und die Lerche giebt der von Leipzig wenig oder gar nichts nach. Die Krammetsvögel sind hier so fett, als ich sie nirgends gefunden habe. Der Ueberfluß an zahmern Federvieh ist groß. Auf den Marktplätzen siehet man nur große und fette Hühner und Kapaunen, welche schon gerupft sind, und auch viertelweise wie die welchen Hühner, verkauft werden. Diese sind sehr groß, fett und zart, und wie alles zahme Geflügel nicht 276 theuer. Piccion grosso ist eine Art Tauben, die ich von solcher Größe, und von so köstlichem Geschmacke wenn sie gebraten sind, nirgends angetroffen habe. Man isset nur die Jungen, und man muß einen großen Hunger haben, wenn man Eine aufzehren will. Gänsebraten wird nicht geachtet. Wein und Oehl sind die wichtigsten Produkte der Toskaner. Bis ins 17te Jahrhundert hatten sie einen schlechten Weinbau. Ihre Weine ließen sie aus Cypern, aus den griechischen Inseln, aus der Provence, und aus Spanien kommen, wo sie ihres Handels wegen, dem sie alle ihr wohlfahrt zu verdanken hatten, mehr als in Toskana selbst zu Hause waren. Da sie am Ende des 16ten Jahrhunderts ihre Kapitalien auf Landgüter zu verwenden anfiengen, bedienten sie sich ihrer weitläufigen Correspondenz, die besten Weine aus den obern gesagten fremden Ländern auf ihre Güter zu verpflanzen. Sie folgten hierin dem Beyspiel ihrer mediceischen Fürsten, welche nicht nur aus landesväterlicher Sorgfalt, sondern auch aus einem ihnen ganz eigenen Hang zum Trunkenheit, aus allen Gegenden, besonders aus Griechenland und Spanien, Weinfächser kommen liessen. Kosmus III. so schlecht er auch die Regierungskunst verstand, hat doch hierin das meiste gethan. Aus Eitelkeit beschenkte er jährlich die vornehmsten Fürsten in Europa, und aus Begierde als ein großer Mäcen ausposaunt 277 zu werden, die berühmtesten Gelehrten und Künstler mit den köstlichen Weinen, die er mit eigener Hand gepflanzt hatte, und öffnete hierdurch den Weg zu einem wichtigen Handel nach England, und in andere nördliche Länder. Weil fast ein jeder reicher Besitzer nach seinem Geschmacke Weinfächser kommen und auf die Anhöhen seiner Güter pflanzen ließ: so ist theils dieserwegen, theils auch wegen der verschiedenen Lage der Hügel, und der Natur des Erdreichs, eine seltene Verschiedenheit der Weine hieraus entstanden. Wer die unzähligen Namen toskanischer Weine zu wissen verlangt, der lese den Ditirambo des Francesco Redi.03 Die besten, die mir jetzt sogleich einfallen, sind die von Montepulciano, wo die ehemaligen Jesuiten den besten Wein besaßen, Vernaccio bei Geminiano des florentinischen Gebietes, dessen ersten Fächser aus Griechenland kam, Camugliano, auf einem Landgut des Marquis Nicolini im Pisanischen, der sich am besten verschiffen läßt, und unter den Toskaner Weinen sich am längsten hält, Chianti, welcher am stärksten nach England gehet, Pomino, welcher zwar wie die vorigen roth, aber etwas leichter und angenehmer ist, Artimino, Castello, Verdea. Diese drey letzten sind süß, und, den ersten ausgenommen, die einzigen, die nicht roth sind. Die Obigen sind alle roth, und fast wie Pontak von etwas strengem und angenehmem Geschmack. Sie haben noch einen süßen und überaus delikaten Wein, den sie von dem besondern Fleiß, womit sie ihn bereiten, Vino Scelto (ausgesuchten Wein) nennen. Denn sie wählen hierzu die besten Weintrauben, lassen an der Luft die wasserigen Theile ausdünsten, pflücken hierauf die Weinbeeren ab, und drücken einen wahren Nektar heraus, den man wie die Liqueurs aus kleinen Gläsern trinkt. Diese Weine werden insgesammt in Kisten und mit Stroh umvundenen Bouteillen verschickt. Der schlechteste Wein der Toskaner, welcher aber noch immer besser und ächter als der Pontak ist, den wir in Teutschland trinken, wächst auf den Ebenen, und eine Flasche davon, welche über 2 Maaß hält, kostet ungefehr 2 Gr. Er ist etwas schwacher und strenger als die obengenannten Weine, und hält sich nicht über ein Jahr. Die Akademie des Ackerbaues har verschiedene Vorschläge gethan, wie man den toskanischen Weinen eine längere Dauer verschaffen könnte. Das beste wäre, daß man die Trauben nicht zum höchsten Grad der Reife kommen ließe, wie es in Toskana gewöhnlich ist, damit der Wein erst in den Fässern reif würde; man bleibt aber bey der alten Gewohnheit, und begnügt sich damit, daß man einen natürlichen Rebensaft habe, wie ihn die gütige Natur gegeben hat. Der einzige Kunstgrif, welchen einige brauchen, schwachen Weinen Stärke und Corpo zu geben, ist dieser, daß sie ihn durch Vermischung eines stärkern Mosts, oder durch einen abgekochten starken Rebensaft zu verstärken suchen. So unschuldig diese Vermischung an sich selbst ist, so giebt sie doch dem Wein die nicht gute Eigenschaft 279 zu berauschen, oder Kopfweh zu verursachen. Dieses hat man aber von den von Natur guten und starken Weinen nicht zu besorgen. Sie würden ihnen die längere Dauer dadurch benehmen, und den Kredit verlieren. Im Jahr 1767 wurden 1885 Kisten Wein aus Livorno über Meer ausgeführt. Wenn man den übrigen, welcher zu Land ausgeführt wird, dazu rechnet, so kann man den Betrag der Ausfuhre auf 200000 Rthlr. rechnen. Eine jede Flasche, welche in die Städte gebracht wird, bringt dem Großherzog einen Soldo oder einen Dreyer Abgabe. Er wird in Flaschen, Barilen und Somen verkauft. Eine Flasche enthält 7 florentiner Pfund (1 Pfund wiegt 12 Unzen). Eine Barile hält 20 Flaschen, eine Soma zwey Barili. Die Flasche wird in halbe Flaschen, Terzinen, und Quartinen eingetheilt. Köstliche Weine werden in Terzinen und Quartinen verkauft, und verschickt. Ein eben so wichtiger Gegenstand ist in Toskana das Oliven-Oel. Die Gegenden, wo das meiste Oel gebauet wird, sind die Thäler von Butti, Calci, Montemagno, und das Pisanische. La valle di Butti trägt ein Jahr ins andere gerechnet 12000 Tonnen, le valle di Calci und Montemagno eben so viel, und das Pisanischen 6000. Im Jahr 1771, da keine reiche Erndte war, zählte man in ganz Toskana 129333 Tonnen Oel. welche, die Tonne zu 85 florentiner Pfund gerechnet, 109934 Centner ausmachen. Die 280 Thäler Calci und Butti liefern das beste Oel. Es ist sonderbar, daß diese Thäler auch die schmackhafteste Milch, und für die Lungensüchtigen die gesundeste Luft haben; weswegen sich die Pisaner im Sommer hier in großer Menge aufhalten, und diese Gegend mit Lustschlössern gleichsam bedeckt ist. In einigen Gegenden, z. B. im Vikariat S. Geminiano haben sie die übele Gewohnheit, den Kern der Oliven in der Kelter zu zerbrechen, wodurch das sonst vortrefliche Oel einen etwas herben Geschmack erhält. Die vorzügliche Güte und Ergiebigkeit des Oels in dem Pisanischen besonders in den Thälern Butti und Calci schreibt man der dasigen besonderen Art es zu bauen zu. Man pflanzt daselbst die Oelbäume nicht auf den gepflügten Aeckern zwischen die Weinstöcke, wie im Florentinischen, sondern nur auf Anhöhen nach Art eines Waldes, ohne das Land dazwischen zum Wein- oder Getraidebau zu benutzen, und zwar dergestalt, daß zwischen einen Baum und dem Andern ein Raum von fünf Ellen sey. Auch pflegt man den Oelbaum oft zu erneuern, am jungen Zweigen Platz zu machen welche fruchtbarer sind als die Alten. Man erndtet auch daselbst die Oliven nicht auf einmal ein, wie es in andern Gegenden Toskanas üblich ist. Man läßt sie von sich selbst herabfallen, und sammelt sie von Ende des Octobers bis zum Monat May. Die gesammelte Oliven werden nach und nach gekeltert. 281 Der vollkommenen Reife, wozu sie auf die beschriebene Weise gelangen, schreibt man hauptsächlich die Güte des Oels dieser Gegenden zu. Für das allerbeste wird jenes von Poggio del Castellare über S. Giovanni alla Vena im Thal Butti angegeben; es soll dem besten Provenzer Oel an Güte gleich kommen. Es ist Schade, daß sich eine gewisse Krankheit der Oelbäume, welche auf den Hügeln in Montemorello unweit Florenz ihren Anfang genommen, sich auch ins Pisanischen ausgebreitet hat. Es entstehen an dem Stamm und an den Zweigen gewisse Knoten, die von Würmern, welche sich in dem innern des Holzes aufhalten, ihren Ursprung haben. Diese zernagen die Kanäle der nährenden Säfte, hindern die Circulation derselben, und verderben den Baum. Selbst in der Frucht nistet ein Wurm, der sie aufzehrt und dem Oel einen üblen Geschmack giebt. Dem Uebel Einhalt zu thun, schneiden die Florentiner die ungesunden Zweige ab, und verbrennen sie. Doch kann es nicht ausgerottet werden. Man nennt diese Krankheit la Rogna dell' ulivo die Krätze des Oelbaums. Ausser den Borsdorfer Aepfeln und Zwetschen haben die Toskaner alle in Teutschland bekannte Arten von Obst. Der Herr Graf Alberti ließ Zwetschen-Reiser von Wien kommen, und in seine Gärten pflanzen; sie artete aber in Pflaumen aus. Von Borsdorfer Aepfeln weis ich nicht, ob man gleiche 282 Versuche damit gemacht habe. Das Winterobst erhält in Toskana seine völlige Reife auf den Bäumen, und hält sich nicht lange, wenn man es nicht etwas vor der Zeit abnimmt. Mich däucht, daß Birnen und Aepfel in Teutschland wässeriger als in Italien sind. Was das edlere Obst, z. B. Feigen, Pfersiche, Aprikosen, Apfelsinen, Pomeranzen und Citronen betrift, so gelangt es hier zur größten Vollkommenheit. Wäldchen von Orangenbäumen giebt es in Toskana nicht, wohl aber Hecken von wilden Orangen, welche grüne Früchte tragen, die zu sauern Saucen gebraucht werden. Die edlern Orangen werden in großen Aeschen gezogen, und des Winters in dazu bestimmten Gebäuden aufbewahrt, oder, wenn man ihrer einige Reihen in einem Gartenbeete stehen hat, mit Stroh und Brettern überbauet. Sonderbar ist es, daß die Pomeranzen und Apfelsinen im Pisanischen besser gerathen als im Florentinischen: da hingegen die Citronen und alles übrige Obst besser sind, obgleich hier alles später reif wird als dort. Zum Obst ist der Boden im Pisanischen, und in allen den übrigen Gegenden die sich dem Meere nähern, zu feucht: hingegen ist die Luft sanfter als im Florentinischen. Diejenigen, welche mit Citronen und Pomeranzen handeln, kaufen im Großen ganze Gärten voll, und gewinnen viel Geld damit. Unter das edlere Obst will ich auch die Mandeln rechnen. Der Mandelbaum ist einer der Ersten, die 283 im Frühjahre blühen. Er ergötzt mit seinen röthlichen Blüthen das Auge. Wenn die Schaale samt dem Kerne noch weich und zart ist, ißt man sie als eine angenehme Speise mit etwas Salz. Sie und die Kirschen sind die Erstlinge unter allen Obstfrüchten, wie die Primula veris und das Veilchen unter den Blumen. Der Kastanienbaum ist der Brodbaum der Toskaner. Mehr als der dritte Theil von ihnen, nämlich die Bewohner der Gebürge, lebt von Kastanien. Ein Theil davon wird gesotten und geröstet gegessen. Ein Theil wird in Backöfen getrocknet, um sie für den Winter aufzubehalten, in Mehl zu verwandeln, und Kuchen davon zu backen, die sie Pattona nennen, und anstatt des Brodes essen. Die niedern Gegenden von Bergen sind mit Kastanienwäldern bedeckt. Die größten von solchen Wäldern sind im Casentinischen, im Pistojesischen, wo blos in der Flur von S. Marcello über 60000 Scheffel jährlich eingeerndet werden, in den Vicariaten von Barga und Pietra Santa, auf den Pisanischen Bergen, besonders jenen die das Thal Butti umschließen. Hier sind in den Wäldern eigene zur Austrocknung der Kastanien bestimmte Gebäude, welche Metati genannt werden. Es giebt in Toskana zwen Gattungen von Kastanien: die wilden, welche kleiner und weniger schmackhaft sind, aber in größerer Menge, und fast alle sehr [?] gerathen; und die Marronen, 284 welche größer und von einem angenehmern Geschmacke sind. Diese Art von Kastanien kann man nur von eingeimpften Bäumen erwarten; denn wenn man auch Marronen säet, so entstehen doch wilde Kastanien daraus. Sowohl die wilden Kastanien als die Marronen werden im October eingeerndet. Im späten Herbste kommen Leute aud der italienischen Schweitz und aus der Nachbarschaft der Comer-Sees nach Florenz, Marronen auf öffentlichem Markte zu rösten und zu verkaufen. Man hat daselbst den Glauben, sie verstehen sich besser auf dieses Handwerk als die Eingebohrnen. Wahr ist es, daß es nicht einem jeden gelingt, die Marronen so zu rösten wie sie dem Munde am besten schmecken. Man siedet sie auch in Wasser mit etwas Rosenessenz vermischt, und nachdem sie gesotten, abgeschält und kalt sind, drückt man sie breit, streuet Zucker drauf, und ißt sie als Leckerbissen. Die Vervielfältigung des Maulbeerbaums hat Toskana den Mediceischen Großherzogen Franz I. und Ferdinand I. zu verdanken. Jener verpflichtete die Landbesitzer in einem jeden Podere eine große Anzahl Maulbeerbäume zu pflanzen. Dieser that noch mehr. Er ließ eine unzählige Menge in seinen eigenen Gärten säen und pflanzen, und theilte sie hernach unentgeldlich unter die Besitzer der Landgüter aus. Diese Freygebigkeit erlangte ihren Endzweck. Ohne dieselbe würde seines Vorgängers Gesetz wenig oder nicht 285 gefruchtet haben. Also ist der Maulbeerbaum erst im Anfang des vorigen Jahrhunderts in Toskana vervielfältiget worden. Bis in die Mitte des gesagten Jahrhunderts sah es mit dem Seidenbau in Toskana schlecht aus. Demungeachtet wurden die Florentinischen Seidenmanufakturen schon seit einigen Jahrhunderten in ganz Europa gesucht, und waren ein sehr wichtiger Gegenstand des Handels. Die Florentiner erhielten die rohe Seide aus der Levante, und größtentheils aus Neapel und Sicilien. Jetzt verarbeiten sie ihre eigene Seide, haben aber den Vorzug ihrer Seiden-Manufakturen verloren, wenn man ihren Atlas ausnimmt. Denn obgleich ihre seidenen Zeuge ihrer innern Güte nach den Französischen vorzuziehen sind, so werden sie doch des Glanzes und der Geschmeidigkeit wegen denselben nachgesetzt. Man fühlt in Toskana diesen Mangel des Absatzes; und wie ich in italienischen Zeitungen gelesen habe, hat sich der Großherzog bewegen lassen, die Abgabe, welche auf die Ausfuhr der rohen Seide gelegt war, um vieles zu vermindern, und, wo ich mich nicht irre, für die Oesterreichischen Länder ganz aufzuheben. Gleichwie die Furcht vor eigenem Mangel die Ursach war, daß man unter den vorigen Großherzogen die freye Ausfuhr des Getraides nie hat erlauben wollen, und dadurch die Vermehrung des Ackerbaues gehindert hat: so hat man sich bisher noch immer gefürchtet, die freye Ausfuhr der Seide würde den Mangel an 286 eigener Seide und das Verderben der Manufakturen nach sich ziehen. Es hat aber der Herr Doctor Sarchiani in seinem Ragionamento sul commercio, arti, e manifatture della Toscana, 1781. auf eine überzeugende Art den Ungrund dieser Furcht bewiesen, wofern man die freye Einfuhr fremder Seide zu gleicher Zeit erlaubte. Denn, sagt er, gesetzt auch daß alle Seide der Florentiner, welche sehr gesucht wird, aus dem Lande gienge, so würde es demselben doch mehr Nutzen bringen, wenn die größere Anzahl von Menschen, die dieses natürliche Product durch ihren Fleis vermehrten, durch den größern und gewissern Gewinn belohnt würden, als wenn der Gewinn, welcher an sich selbst sehr ungewiß ist, auf die wenigern Fabrikanten allein fiele. Da in Toskana noch nicht ganz so viel Seide gebauet wird als man daselbst verarbeitet, so würde die Freyheit der Ausfuhr das einzige und sicherste Mittel seyn, sie weit über das eigene Bedürfnis zu vermehren. Man sagt, diese Schrift habe bey der Toskanischen Regierung einen großen Eindruck gemacht. Die vorzügliche Güte der Florentinischen Seide ist eine Würkung der guten Behandlung des Maulbeerbaums. Wenn ihm durch den ersten Seidenbau die Blätter benommen sind, so sprossen aus ihm neue Blätter hervor, welche ihm in andern Ländern zum zweyten und wohl auch zum drittenmal zu wiederholten Seidenzeugungen geraubet werden. Hierdurch wird nicht nur der Maulbeerbaum 287 an Kräften erschöpft, sondern die Seide wird auch bey der zweyten und dritten Erzeugung schlechter, weil die zweyten und dritten Blätter für die Seidenwürmer nicht mehr so nahrhaft sind als die ersten. Daher ist es in Toskana durch die Landesgesetze verboten, die Seidenzeugung mehr als einmal im Jahr vorzunehmen, es sey denn, daß durch einen Zufall die erste Pflege der Seidenwürmer fehlgeschlagen wäre. Von 1750. bis 1770. hat man in Toskana manches Jahr 194000 Pfund reiner Seide erhalten, welche über eine Million Thaler werth sind. Die Menge der daraus verfertigten Zeuge beläuft sich in diesen zwanzig Jahren jährlich im Durchschnitt auf 118888 Pfunde; woraus erhellet, daß seit 1750. bis 1770. jährlich 7000 Pfund Zeuge mehr sind auswärts verkauft worden, als in den vorhergehenden 20 Jahren. Dieses habe ich aus den Büchern der Florentinischen Dogana selbst ausgezogen, und es ist gewiß, daß bis 1770. der Seidenbau und die Manufakturen an Wachsthume zunahmen. Es hat mich aber neulich einer der größten Leipziger Kaufleute versichert, daß der Handel Florentinischer Seidenzeuge von Tag zu Tage abnehme, und von den Lyoner Zeugen verschlungen werde. Darum ist es hohe Zeit, daß die Florentiner durch den freyen Handel ihrer rohen Seide diesen Abgang ersetzen. Der Kastanien- und Maulbeerbaum, deren Produkte den Toskanern so viel Nutzen schaffen, erinnern 288 mich an den Reichthum von Waldungen, den sie besitzen. Ich will die vielen Kastanienwälder, womit die niedern Gegenden der toskanischen Berge bekleidet sind nicht rechnen. Ich will auch die Ulmen und andere holzreiche Bäume, welche durch ganz Toskana einem jeden Weinstock zur Stütze dienen, und mehr als einem Wald ausmachen könnten, nicht in die Rechnung bringen. Nur will ich die Wälder von Eichen, Fichten, Lerchenbäumen, Pantoffelholz [Korkeichen] wilden Oelbäumen, Buchen, Erlen, und Tannen erwähnen, welche die obere Anhöhe der Berge und lange Strecken des Meerufers bedecken. Dergleichen Waldungen sind auf den Bergen, die das Mugellaner Thal einschließen, im Casentinischen, woher das Holz in Flößen auf dem Arno ins Florentinische gebracht wird; auf dem Pistojischen Gebürge, wo man wegen des Ueberflusses an Holz Schmelzöfen unterhält, worin Eisenerze von der Insel Elba geschmolzen werden; in dem Vikariat von Pietra Santa, wo zwey Drittel des Erdbodens mit Bergen, und diese auf ihren mittlern Anhöhen mit schönen Eichen, in den höhern Gegenden aber mit dicken Buchwäldern, bedeckt sind, indeß ihr Haupt entweder ganz kahl, oder mit schönen Graß bewachsen ist; auf den Pisanischen Bergen, und auf der Ebene längst dem toskanischen Meer die Wälder von Migliarmo, S. Rossore, Castagnuolo, und Tombolo, reich an dem schönsten Eichen- und Erlenholz; auf den Volterranischen Bergen, und im Sienesischen Gebiethe, 289 nicht nur in der obern Provinz bey Boccheggiano, und im Capitanato von Radicofani, wo der uralte und Großherzogliche Tannenwald Pigeletto ist, welcher solche Tannen zeugt, die sich zu Mastbäumen schicken, sondern auch in der niedern Provinz, wo zwar wie im Volterranischen die Berge und Hügel mit niederen Gehölze bekleidet sind, aber längst dem Meer ein Wald von hohen Eichen und Büchen, namens Tombolo, ist, der sich zehn ital. Meilen in die Länge, und vier in die Breite erstreckt, und noch ein anderer von Eichen, Büchen, und Fichten zwischen Albarese und Cotone, der auch einige Meilen groß ist. Ehedem war unweit Poggibonsi, wo die Straße nach Rom gehet, bey der Riccardischen Villa Strozzavolpe ein Wald von Pistacien oder Pimpernußbäumen, deren Frucht der Morgenländischen an Güte gleich war. Gleiche Wälder waren bey Settignano und Castello. Dieses beweiset, daß der Pistacienbaum in den wärmern Gegenden Toskanens eben so gut als in der Levante geräth, und daß ein fleißiger Anbau desselben einen vortheilhaften Zweig des Handels abgeben könnte. Franz der I. machte einen Versuch den Bau des Zuckerrohrs bey Campiglio einzuführen, fand aber, daß das toskanische Klima hierzu nicht sanft genug war. In einigen Gegenden unweit Livorno findet man unter dem Gebüsche der Hügel Kermesbeeren , welche 290/185 eine schwärzliche Farbe geben, deren sich die Färber bedienen. Es ist sonderbar, daß an der Küste von Livorno die Bäume auf der Seite des Meers keine grüne Aeste haben, und sich dem Gebürge entgegen beugen. Sollte dieses wohl von dem Südwinde, welchem die Küste stark ausgesetzt ist, und dem nassen Nebel, Spolverino gennamt, enstehen, den er herbeyführt? Wenigstens ist gewiß, daß die Olivenbäume vom allzunassen Nebel beschädigt werden. Ehe ich von den Waldungen Toskanens zu sprechen aufhöre, muß ich noch von einem wichtigen Produkte derselben Meldung thun, nemlich vom Manna. Es ist nicht anders, als ein durch die Kälte der Nacht zusammengeronnener Saft des Maßholderbaums [Feldahorn], der durch einen Einschnitt der Rinde hervorquillt. Der meiste wird aus den Anhöhen von Tirli gesammelt. Dieses muß geschehen, ehe er durch die Sonnenhitze aufs neue fliessend wird. Der medicinischen Gebrauch desselben ist bekannt. In Frankreich braucht man es auch, dem Tuch einen Glanz zu geben. Vieles tragen die Bienen hinweg, und eine große Menge wird in fremde Länder verschickt. Einen noch viel größern Gewinn könnte der Honig- und Wachsbau in der niedern Provinz von Siena abwerfen; er ist aber in schlechten Zustande, so groß auch das Bedürfniß des Wachses in Toskana ist, und so bequem auch hier de Gelegenheit dazu vorhanden wäre. 291 Ich kenne kein Gartengewächs, welches in Toslana nicht gebauet werde. Man hat hier mehrere Arten von Sallat als in Teutschland; ich habe aber ihre Benennungen vergessen. Die Küchenkräuter schmecken aromatischer, und sind weniger wässerig als in Teutschland. Sie haben mehrere Sorten von Bohnen, besonders eine kleine weiße, sehr schmackhafte, die einen schwarzen Keim hat. Die Saubohnen sind delikater, und werden wie Leckerbissen unter dem Obst aufgetragen, wenn sie noch grün sind. Es giebt eine dicke und runde Art Erbsen, welche getrocknet dunkelgrüner Farbe sind, und in Wasser abgesotten und mit Oliven-Oehl geschmelzt, einen überaus Angenehmen Geschmack haben. Gesotten scheinen sie noch hart zu seyn, wenn man sie aber mit der Zunge zusammendrückt, so ist das Mark weich und süß. Der Fenchel, wenn er noch grün ist, wird unter die Delikatessen gerechnet, und ist auch würklich fetter und angenehmer als der Teutsche. Die Artischocken sind viel schmackhafter. Wenn sie ganz jung sind, ißt man sie ungekocht, in etwas Pfeffer und Oehl eingetaucht. Der Blumenkohl ist kernhafter; aber der Kopfkohl wird nicht so groß, derb und zart als in Teutschland. Er schickt sich, zum größten Verdruß der Teutschen in Toskana, nicht wohl zum Sauerkraut. Die Zwiebeln sind nicht so beissend, und, als Zugemüß oder anstatt der Suppe gekocht, sind sie süß und sehr angenehm; und noch angenehmer und kräftiger ist die Brühe, die daraus 292 entstehet Die Pfifferlinge sind schmackhafter, besonders wenn sie in Olivenöhl geröstet werden. Nichts schmeckt so gut als ein Kürbisbrey, wenn er, mit süßem Rahm vermischt, kalt gegessen wird, und die Melonen von Pistoja. Sie sind inwendig rosenroth, fast vollkommen rund, und haben oft über zwey Spannen im Durchmesser. Botanische Gärten haben unter der Regierung der Mediceischen Fürsten in Toskana ihren Anfang gehabt. Kosmus I. legte in Pisa zu Beförderung der Kräuterkunde einen Garten an, und ließ die Kräuter und Pflanzen aus Sicilien, Asien und Aegypten kommen. Sein Sohn Franz I. vermehrte nicht nur den Pisanischen Garten, sondern legte auch noch einen andern zu Florenz an. Unter den folgenden Großherzogen wurden beyder Gärten so stark vermehrt, daß sie in Europa ihre gleichen nicht hatten. Sie sind sogar das Muster vieler anderer gewesen. Unter Ferdinand I., Cosmus II. und seinem Nachfolger Ferdinand II. wurde der Gartenbau überhaupt, die Pflege der Blumen, Obstbäume und ausländischer Gewächse unter die Beschäftigungen des Adels gerechnet, und als ein entscheidendes Merkmal eines seinen Geschmacks angesehen. Auf diese Weise wurde die Gärtnerey in Toskana allgemein. Unter Kosmus II. fiengen die Gärten an, durch Orangerien sich auszuzeichnen, und der Blumenbau, besonders der Hyancinthen, kam zu 293 großer Vollkommenheit. Ferdinand II. war so begierig nach fremden Gewächsen, daß er einen Arzt samt einem Apotheker und Mahler nach Indien sandte, sie zu sammeln, und in ihrem blühenden Zustande mit natürlchen Farben zu entwerfen. Die Küchen-Gärten sind in Toskana etwas neues. Die Teutschen und Lothringer haben sie daselbst eingeführt. Man bauete sonst alles auf den Aeckern die den Villen am nächsten liegen. In allen Toskanischen Gärten liegt noch die Anlage, die unter den Mediceischen Großherzogen, besonders Ferdinand II. gemacht wurde, zum Grunde. Buschwerk und Hecken von Lorberbäumen und andern fremden und inländischen Pflanzen, Lauben von köstlichen Weinreben, Orangerien, Obstbäume. Wiesen, Teiche, Statuen und Springbrunnen sind das Hauptwerk der Toskanischen Gärten. Was von den Seltenheiten der Natur in Toskana die Aufmerksamkeit eines Reisenden am meisten verdient, will ich noch kürzlich erwähnen. Im Thal des Arno sind oft Elephanten Gerippe von verschiedener Größe ausgegraben worden, welche zum Theil versteinert waren. Viele schließen hieraus, daß zu den Zeiten, da Hannibal die Römer bey dem Trasimensichen See schlug, das Thal des Arno ein morastiger See gewesen, durch welchen er seinen Zug genommen, und viele seiner Elephanten daselbst verloren habe; er sey auch hier wegen der nassen 294 und kalten Witterung um ein Auge gekommen. Sie führen nicht nur die hier ausgegrabenen Elephantenbeine, sondern auch die Gestalt und Lage der Ebene, welche vom Arno durchströmt wird, zum Beweis an. Denn bei incisa (Ad incisa saxa) scheint das Bette des Arno entweder durch die Gewalt des Wassers oder durch die Kunst eingeschnitten zu seyn, weil die schieflaufenden Steinlagen in den zwey entgegengesetzten Bergen von Incisa bis Rignano auf beyden Seiten auf einander passen. Hierzu kommt noch, daß Livius den Morast, durch welchen Hannibal setzte, eine Ergießung des Arnus, und paludes nennt. Allein weil Hannibal vier Tage und zwey Nächte bräuchte, um durch die sumpfige Gegend zu setzen: so war dieselbe viel zu breit, als daß sie jene des Arno seyn konnte; und weil Livius sagt, die Gefilde zwischen Pisole und Arezzo (welche eben die sumpfige Gegend seyn mußten) seyen sehr fruchtbar gewesen, 04 so kann er unmöglich von den Sümpfen des Arno gesprochen haben. Auch scheint Hannibal, da er den Sumpf durchgesetzt hatte, nicht so nahe bey Arezzo gewesen zu seyn als es die Lage des Arno mit sich bringt; denn nach durchsetztem Sumpfe zog er Kundschaft von Toskana ein, und erfuhr, daß die Römer sich bey Arezzo gelagert hätten. Daher ist es sehr wahrscheinlich, daß im 2ten Cap. des 22sten Buchs des Livius anstatt Arnus, 295 Rhenus (der Reno im Bolognesischen) gelesen werden müsse. Die incisa saxa konnte lange vor Hannibals Zeiten dem Arno einen freyen Lauf, und dem Sumpfe einen Abfluß verstattet haben. Wie aber die Elephanten in ältern Zeiten nach Toskana gekommen seyen, ist schwer zu beantworten. Eine andre leichter zu erklärende Seltenheit der Natur sind die Menge Muschelversteinerungen und versteinerte Meerpflanzen in dem Hügel, worauf Certaldo, der Geburtsort des berühmten Boccaccio, liegt. Sie sind auf einigen Plätzen so häufig, daß sie die Erde unfruchtbar machen. Sie sind ein Beweis, daß diese Gegend, welche gegen vierzig italienische Meilen vom Meer entfernt ist, vor undenklichen Zeiten unter Meer war. Von Villamagna im Thal des Arno (Valdarno) liegt ein ganzer Wald unter der Erde begraben. Man gräbt hier viel versteinertes Holz. In den Bächen findet man ganze Stämme von Bäumen, die nach und nach aus der Erde hervorgewaschen werden; und wenn man über diese Gegend zu Pferde galoppirt, so poltert es unter dem Erdboden nicht anders, als wenn man über eine Brücke ritte. Unweit Pietramal an der Strasse nach Bologna lodern Tag und Nacht Feuerflammen aus der Erde hervor, In dem Sienesischen Gebiete liegt ein Berg Montagna di S. Fiora genannt, an welchem man in den Jahren 1777. und 1776. sehr oft die fürchterlichen 296/157 Erscheinungen wahrnahm, welche einen nahen Ausbruch eines Vulkans verkündigen. Man hörte in ihm bald ein tiefes und dumpfes Getöse, bald ein rasselndes Knallen, welches oft mit erschrecklichen Erschütterungen begleitet war. Im Monat October 1777. zählte man ihrer 122. und im Februar nahmen sie sowohl an Stärke als an der Anzahl zu. Oft hörte man ein abgebrochenes Knallen ohne alle Erschütterung, wie wenn eine der Felsensäulen, welche die Rinde der Erde tragen, vom Feuer untergraben, in den Abgrund niederstürzte. Von jeden neuen Erdstoß erhuben sich blasse Wolken von Stand erst auf dem Berge von S. Fiora, wovon hier die Rede ist, und gleich drauf über dem fünf Meilen entfernten Gebürge von Radicofani, welches, wie bekannt, ein uralter ausgebrannter Vulkan ist; woraus zu schließen ist, daß der brennende Feuerherd unter dem Berge S. Fiora seinen Hauptsitz hat, und mit jenem von Radicofani in unterirdischer Verbindung stehe. Da die schon überschrittenen Schranken eines Briefes mich nöthigen meiner Beschreibung ein Ende zu machen, erinnere ich mich, von dem Kupferbergwerke bei Montieri im Sienesischen, welches noch jetzt bearbeitet wird, und von andern mineralischen Seltenheiten dieser Berge kein Wort gesagt su haben. Im zweyten Bande der Akten der Akademie von Siena finde ich eine Beschreibung davon, die ich Ihnen, 297 lieber Freund, ein andermal in einem Auszuge mittheilen werde. Ich werde alsdenn nicht vergessen auch von den warmen Bädern S. Filippo, am Fuße des Berges Santa Fiora, deren heißes Wasser einen gipsigen Tuff bey sich führet, dessen man sich bedient, erhabene Abdrücke von Medaillen in die schönsten Basreliefs zu bilden, und von andern Seltenheiten der Natur aus zuverlässigen Quellen Nachrichten zu ertheilen.
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01 Pierre-François Hugues d' Hancarville. Nancy 1719 - Padua 1805 01 Ein Stajo enthält 1183 französische Cubikzolle, und wiegt 52 bis 54 Florentinische Pfunde. Ein Pfund zu Florenz wiegt 12 Unzen. 02 Carl
Marcus Tuscher (døbt 1. juni 1705 i Nürnberg død
6. januar 1751 i København). Var maler, arkitekt og tegner ved
det danske hof. Det var formentlig Tuscher, der først fremkom med
ideen om den ottekantede plads i Frederiksstaden, der i dag kendes som
Amalienborg Slotsplads. (Tekst og billede hentet fra danske Wikipedia). Carl Marcus Tuscher
03 Francesco Redi, Arezzo 18. Febr. 1626 - Pisa 1. März 1697. (Fr. Redis Ditirambe, siehe unter Miscellaneous). 04 Lib. 22. C. 2. |