MISCELLANEOUS oder INDEX

Fortsetzung
des dritten Briefes
über Italien.
Julius 1775.
(von S. 243 des Juninus.)
 
 (Seite 37) Unter den Produkten der Kunst, welche den Italienern Nahrung und Gewinn verschaffen, verdienen die seidenen Tücher und Strümpfe die erste Stelle. Es sind wenige Länder in Europa, wohin sich der Handel mit solchen Waaren nicht erstrecke. Es wird aber auch mit Kunstwerken von weniger Wichtigkeit sehr viel Geld verdient. Dergleichen sind die Waffen von Brescia, die gebacknen Confecturen von Perugia, besonders die sogenannten Ossa de morti, künstliche von den Nonnen verfertigte Blumen, mosaische Kunstwerke, besonders zu Rom und Neapel; Lavori di Scagliuola, und die pietre commesse (Siehe Jagemanns geographische Erdbeschreibung von Toskana pag. 30.) die künstlichen Strohhüte, die Essenzen von allerhand Blüthen, die vortreflichen Pomaden, die eingemachten Früchte und Pomeranzen-Schaalen zu Florenz, die dasige Cioccolata und die von Meiland, die Majolica von Faenza, die Rosogli und köstliche Würste von (38) Bononien; allerhand römische und hetrurische Alterthümer, deren Italien eine unerschöpfliche Quelle ist, alte und neue Gemählde, und Statuen vortreflicher Meister, Kupferstiche, Gemmen, und italienische Bücher, die in der grösten Menge nach England gehen, der Aufenthalt der vielen Fremden, besonders der Engländer, und in Ansehung der Stadt Rom das häufige Geld, welches für Annaten, Dispensationen, etc. von der ganzen Welt dahin gezogen wird, und auf Millionen hinaus läuft.

     Wegen der bequemen Lage des Landes können alle Produkten der Natur und Kunst sehr leicht an fremde Nationen verkauft werden. Gegen Osten, Westen und Mittag ist es vom Mittelländischen Meer umgeben, und auf allen Seiten fehlt es nicht an bequemen Häfen und Bayen, wo entweder kleine oder große Fahrzeuge anländen können. Weil der mittlere und untere Theil nicht breit ist, so können die Produkten aus den innersten Gegenden ohne viele Unkosten und Zeitverlust, auch wo keine schifbare Flüße sind, von den Bauern der Besitzer bis ans Meer gebracht werden. Woher denn erfolget, daß ein jeder Einwohner des Vortheils, den die Nachbarschaft des Meers einem Lande bringt, aus der ersten Hand genießen kann. Dieser Vortheil ist von der größten Wichtigkeit, und ist der Grund des blühenden Zustandes, worinn sich auch die (39) 42 Provincial-Städte in Italien befinden. Er ist der Weg wodurch die Reichthümer, die von der Handelschaft entstehen und in andern Ländern meistens von den Hauptstädten verschlungen werden, sich über die Einwohner des ganzen Landes verbreiten. Hierdurch wird die Arbeitsamkeit im Ackerbau, der Fleiß in allerhand Künsten und Handwerken, der Geist der Handelschaft ernährt und gestärket. Die Fremden, denen bekannt ist, daß sie die Produkten aus der ersten Hand, folglich wohlfeiler als sonstwo am mittelländischen Meere einkaufen können, bedienen sich dieses Vortheils, und bedecken die Seehäfen mit ihren Fahrzeugen.

     Ein Land von so mannichfaltiger Fruchtbarkeit und von solcher Bequemlichkeit zur Handlung muß nothwendiger weise sehr reich seyn. Baretti, ein Piemonteser, in seinem Buche von den Sitten und Gebräuchen Italiens, ist der Meinung, England sey nicht reicher als Italien. Obgleich dieser gelehrte Schriftsteller wegen seines vieljährigen Aufenthalts in England eben so wenig Italien sein Vaterland kennt, als ich Teutschland kenne, so scheint er mich doch in dieser Sache Recht zu haben. In allen Städten Italiens finden sich prächtig meublirte Palläste, reiche Equipagen und Livreen. Der Pracht in Kleidungen ist ohne Maaß und Schranken, nicht nur in den Städten sondern auch auf dem Lande. (40) Es giebt wenige Bauer-Mädchen, welche nicht mit einem goldenen und diamantenen Kreuze am Halse, und mit seidenen Kleidern auf die Festtage prangen, besonders in der Nachbarschaft der Städte. Die Damen und reichen Bürgerinnen glänzen von Juwelen und Edelgesteinen. Man wird nicht leicht ein adeliches oder bürgerliches Geschlecht, wofern es nicht in die äußerste Armuth verfallen ist, finden, worinn nicht ein reicher Schmuck Perlen und Edelgesteine erblich sey. In den großen Städten giebt es ganze Straßen von Juwelierern, Goldschmieden, und Laden von Galanterie-Waaren. Die Tafeln der Reichen sind überall prächtig und ausgesucht. Fast in allen Städten finden sich ansehnliche Schaubühnen, wo es das ganze Jahr hindurch nie an Zuschauern fehlt. Ueberall giebt es vortrefliche Tempel, deren sehr viele nicht nur an Größe und Baukunst, sondern auch an Reichthum silberner und goldener Leuchter und Opfer-Gefäße, kostbarer Tapeten und Priesterschmucks, die vornehmsten Tempel der alten Griechen und Römer übertreffen. An reich ausmeublierten Lust-Schlößern, woran alle Schönheiten der Baukunst verschwendet sind, übertrift Italien alle übrige Länder von Europa. Die Seehäfen werden von den reichsten Nationen der Welt fleißig besucht; und weil das Land einer jeden Nation gewiße Waaren mittheilen kann, woran es ihr mangelt, und deren Güte vorzüglich ist, hingegen (41) aber nur wenige Dinge sind, die es von andern Nationen kaufen muß, so hat es im ausländischen Handel das Uebergewicht.

     Es sind über 300 Städte in Italien, deren jede von einem zahlreichen Adel bewohnt wird. Weil das Recht der Erstgeburt nicht nur in allen adlichen, sondern auch in den meisten bürgerlichen Häusern eingeführt ist, so bleiben die adlichen und bürgerlichen Güter vereinigt. Woraus erfolgt, daß eine jede der 300 Städte eine ansehnliche Zahl von reichen Einwohnern enthält. Man vergleiche nun in Italien und England die Städte, die reichen Geschlechter und ihre Einkünfte im Durchschnitte gegen einander, so wird ganz sicher das Uebergewicht für Italien seyn. Der Reichthum fällt in England deswegen mehr in die Augen, weil er nicht so sehr unter die Städte vertheilt ist, als in Italien. Er läßt sich fast ganz in London sehen. Man rechne Rom, Neapel und Genua gegen London allein; und dann finde man noch in Großbrittannien und Irland große Städte, wie Venedig, Meiland, Turin, Florenz, Livorno, Bologna, Verona, Ancona etc. sind. Man finde noch andere 200 mittelmäßige und kleinere, die eben so vielen mittelmäßigen und kleinern in Italien an Reichthum gleichen, so will ich Unrecht haben. Ich rede aber von dem wahren Reichthum eines Landes, der sich auf eigene Produkten, (42) und mit Werken solcher Künste gründet; denn die übrigen Reichthümer sind unbeständig, und wenn man von der Wohlfahrt eines Landes redet, kann man keine Rechnung darauf machen. Ein Reichthum, welcher nur vom Glück des Handels abhängt, steigt und fällt, wie das Meer bey Ebbe und Fluth; und weil im menschlichen Leben ordentlicherweise der unglücklichen Zufälle mehr sind, als der glücklichen, so muß ein Land, worinn die Handelschaft sich nicht auf eigene Produkten gründet, in einem gewissen Zeitverlauf keinen Gewinn mehr in Händen behalten. Es ist alsdenn noch ein großes Glück, wenn die eigenen Besitzungen des Landes nicht mit Schulden beschwert sind. Denken Sie dieser Sache recht nach, Sie werden finden, daß ich nicht Unrecht habe.

     Woher kommt es denn, das bey dem großen Reichthum der Engländer sich nicht mehr als 8 Millionen Menschen in Großbrittannien und Irland (in einer Raume von 6000 Q. Meilen) befinden, da in Italien (in einem Raume von 5625 Q. Meilen) 14 Millionen leben? Mich deucht aus keiner andern Ursache, als weil wirklich in Italien mehrere Hülfsmittel zu leben sind. Für die Unterhaltung eines Menschen rechnet man in Italien überhaupt 50 Scudi. Also müssen die Produkten der Natur und Kunst einen jährlichen Ertrag von 700 Millionen (43) Scudi in Italien abwerfen. Weil aber nicht zu vermuthen ist, daß über die Nothdurft nichts zurückgelegt werde, so kann der Ueberrest noch viele Millionen austragen. Wer England besser kennt als ich, der mache nun den Ueberschlag, ob es so viele gewisse und dauerhafte Reichthümer besitze, als Italien.

     Nun falle ich auf die Frage, durch was für Mittel und Wege diejenigen Einwohner Italiens, die keine liegende Güter besitzen, den Besitzern derselben eine solche Portion abgewinnen, die zu ihrem Unterhalte hinreichend sey? So viele Bedürfnisse sind, denen die reichen Besitzer aus ihren eigenen Kräften und Mitteln keine Genüge leisten können, eben so viele Wege stehen am andern Menschen offen, ihnen die Lebensmittel abzugewinnen, und eben so viele Zweige des Nahrungsstandes giebt es in einem Lande. Weil aber die Bedürfnisse der Menschen ordentlicherweise zu- oder abnehmen, nach Maaß der größern oder geringern Neigung zu einem wollüstigen oder angenehmen Leben, und nach Maaß der Veränderungen, so die Annehmlichkeit des Lebens erfodert, so muß es in einem Lande, wie Italien ist, wo die Einwohner gegen alles, was angenehm ist, ungemein empfindsam sind, unbeschreiblich viele Wege geben, den reichen Besitzern die Lebensmittel abzugewinnen. (44)

     In Sachen, so zu den ersten Bedürfnissen des Lebens gehören, und auf den Landgütern der reichen Besitzer wachsen oder zu Stande kommen, als da sind Getreide, Wein, Oel, und Materialien der Künste, ist den Reichern nicht viel abzuverdienen. Durch ihre Factoren verkaufen sie unmittelbar ihr Getreide auf den Marktplätzen im kleinen, oder lassen es durch ihre eigene Bauern an die Meerhäfen führen, um es im großen zu verkaufen. Wein und Oel verkaufen sie entweder unmittelbar an fremde Nationen, oder Flaschenweise in ihren Häusern. — So sind denn die Palläste der Italiener Wirtshäuser? Nein mein Freund: Nur die Sbirri und Soldaten gehen in die Wirtshäuser. — Unten in der Mauer der Palläste ist ein Loch, welches so groß ist, daß eine Flasche hinein und herausgehen kann. Dieses geht ins Oel- und Wein-Magazin, und ist mit einer starken Thüre, woran ein Hammer hängt, verschlossen. Wer Wein oder Oel kaufen will, klopft mit dem Hammer an das Thürchen, und wenn es der Vinajo eröfnet hat, reichet er ihm mit der einen Hand das Geld, und mit der andern die Flasche, wartet auf der Straße, bis er die Flasche angefüllt wiederbekommen hat, und denn gehet er seines Wegs nach Hause. Am Pallast hängt auch mehrentheils ein von Stroh geflochtenes Flaschen-Netz zum Zeichen, daß man Wein und Oel feil habe. (45)

     Die reichen Besitzer benehmen hierdurch andern Einwohnern nicht nur die Gelegenheit mit dem Getreide, Oel- und Wein-Handel etwas zu gewinnen, sondern sie bedienen sich an dieses Mittels, alle außerordentliche Abgaben auf die Schultern der Nichtsbesitzenden zu werfen. Sobald eine solche Abgabe zu erlegen ist, so erhöhen die Besitzer nach Proportion derselben den Preis der nothwendigen Lebensmittel, und so fällt wirklich die allgemeine Last auf diejenigen, die keine liegende Güter besitzen. Diesem Unheil vorzukommen hatten in Toskana die Großherzoge aus dem Hause Medici die Gewohnheit, mit dem Getreide, Wein und Oel, so sie auf ihren Landgütern einerndteten, eigene Magazine anzufüllen, und diese Lebensmittel, so wie der übrige Adel, um einen billigen Preis im kleinen zu verkaufen. Hiedurch bestimmten sie, ohne den unnützen Zwang der Gesetze, den Preis der Lebensmittel. Seitdem aber der hochselige Kaiser Franz die Kammergüter verpachtet hat, so muß der Hof selbst die Lebensmittel vom Adel kaufen, welcher ihn eben sowohl als die übrigen Einwohner in Contribution setzen kann. Der regierende Großherzog hat zwar anfänglich versucht, den Preis des Brodes durch Gesetze zu bestimmen; allein der Ränke, die alsdenn gespielt wurden, waren so viele, daß es für besser befunden wurde, den Verkäufern alle Freyheit zu gestatten. (46)

     Aber warum erhöhen alsdenn nicht auch die Künstler, Handwerker, Kaufleute und Krämer den Preis ihrer Arbeit und Waaren nach Maaße des erhöhten Preißes der Lebensmittel? Das thun sie auch. Weil aber die reichen Besitzer selbst diejenigen sind, welche von Künsten, Handwerken und Handelschaft den Gewinn ziehen, indem sie die Capitalien dazu vorschiesen, und sich um die Hälfte oder um Eindrittel des Gewinnes intereßieren, oder wohl gar den ganzen Gewinn einnehmen, und den Arbeitern nur ein bestimmtes Tagelohn geben, so ist die Erhöhung des Preißes der Arbeit und Waaren vielmehr zu ihrem Nutzen, als zur Entschädigung der Arbeiter. Weil sie den Nachdruck von Gelde haben, und auch wohl im Stande sind, wohlfeiler als andere arbeiten zu laßen, so kann kein Künstler, der für sich arbeiten wollte, aufkommen. Auch die Handwerke und Künste, die an sich selbst keine Capitalien erfordern, können von Armen ohne eine beträchtliche Summe Geldes nicht in den Gang gebracht werden, weil auf eine jede Werkstätte und Laden, die den Reichen zugehören, eine beträchtliche Summe Geldes, ohne das Quartier-Geld, geschlagen ist, welches beym ersten Einzuge erlegt werden muß. Weil der Arme dieses Geld meistentheils nicht in Händen hat, so pflegt er gern darein zu willigen, daß er nur den Namen zum Geschäfte hergebe, um das Tagelohn arbeite, und den Gewinn dem Edelmanne, oder reichen (47) Bürger überlaße. In Toskana gehen die Reichen so weit in der Oekonomie, daß sie Schuster und Schneider unter ihren Bedienten haben, die für sie umsonst arbeiten müßen.

     Die Handwerke und Künste, so in Italien die meisten Beschäftigungen haben, sind Schuster, Schneider, Tapetzierer, Matratzen- und Polstermacher, Tischler, Vergulder, Schlösser, Färber, Juwelierer, Silber- und Goldschmiede, Seidenfabrikanten, Uhrmacher, Gipsgießer, Brillenmacher, Gläserschleifer, Peruckenmacher und Strumpfwürker. Weil die Handwerker keine Hofnung haben sich zu bereichern, so sind sie zufrieden, wenn sie das Tagelohn einer Lira, oder höchstens eines Testone (40 Kreuzer) verdient haben. Alsdenn gehen sie, wenn es noch nicht Nacht ist, vor die Stadtthore, spielen entweder Ballone oder alla Ruzzola, (wo es darauf ankommt, einen runden harten Käse am weitesten auf der ebenen Erde fortzutreiben) und gewinnen einander einen Theil des Verdienstes ab. Im Seidenbau gehet es eben so zu. Er ist in den Händen der Reichen. Weil sogar die Nonnen, und viele Weiber wohlhabender Häuser um den Lohn spinnen, das Spielgeld damit zu gewinnen, so müssen die Armen Gott danken, wenn ihnen Seide zu spinnen oder zu winden gegeben wird, und der Spinnlohn wird bey keiner Theurung erhöhet. Auf solche (48) Weise lebt zwar eine unbeschreibliche Menge Menschen von mechanischen Künsten und Krämerey, sie müssen sich aber kümmerlich behelfen.

     Bisher haben Sie gesehen, wie aller Gewinn Italiens in die Hände derjenigen zusammenfließt, die liegende Güter besitzen. Nun will ich Ihnen die Wege zeigen, wodurch eigentlich die Reichthümer in Umlauf gebracht werden. Der Reiche, der auf der einen Seite allem nur möglichen Gewinne nachstrebt, opfert auf der andern Seite alles mit der größten Verschwendung dem Vergnügen auf. Er, der unbarmherzig und unbillig gegen den Armen verfährt, wenn es Handelschaft und den Lohn schwerer Arbeiten betrift, ist hingegen mitleidig und freygebig gegen denselben, wenn er ihn um ein Allmosen ersucht, oder zum Werkzeuge seiner Belustigung dienen kann. Deswegen findet niemand in Italien leichter und reichlicher seinen Unterhalt, als Toukünstler, Maler, Tänzer, Schauspieler, Improvisatori, Ciceroni, Antiquari; und die sich mit gewissen unlöblichen Dingen beschäftigen, als Taschenspieler, Gaukler, Marktschreyer, Kupler, Fuchsschwänzer, Schmeichler, Pasquillenmacher, Possenreißer, Heuchler und Heuchlerinnen in Buskleidern, falsche Spieler, Beutelschneider, falsche Schwörer ums Geld; besonders in Neapel und Sicilien, die Scaniozzi, Bettler, Pilgrimme, Eremiten, B. und H. (49)

     Es ist zu bewundern, wie sinnreich der gemeine Italiäner ist, Tändeleyen zu erfinden, damit er dem Reichen das Geld aus dem Beutel locke. Manche sitzen mit Cithern unter den Fenstern der Reichen, spielen und singen Verse aus dem Steigreif dazu. Andere stehen, von einem Haufen müsiger Menschen umgeben, auf den Marktplätzen, und singen allerhand sowohl lustige als andächtige Lieder. Andere verbergen sich auf öffentlichen Plätzen in kanzelformigen Machinen, und strecken verschiedene Puppen hervor, geben ihnen mit den darunter verborgenen Fingern allerlei Bewegungen, bilden mit einem Instrument im Munde verschiedene Stimmen, und spielen ganze Comödien. Hier lärmet ein Marktschreyer, dort hüpft ein Luftspringer, oder eine tolle Bacchantin, und singt dazu. Hier siehet man einen Seiltänzer; dort höret man einen Astrologen von zukünftigen Dingen weissagen, dort ein armes Bauernmädchen ganze Predigten, die es zur Fasten-Zeit gehört hat, auswendig herdeklamieren. Es wird auch nicht leicht jemand sich bey diesen Gaukeleyen gegenwärtig befinden, der den Gaukler nicht wenigstens mit einem Soldo beschenke.

     Die Weiber spielen eine Hauptrolle im Nahrungsstande des gemeines Mannes. Sie treiben das Schneider-Handwerk für das Frauenzimmer, (50) stecken Hauben, spinnen und winden Seide, klöppeln seidene Spitzen, weben leinene und seidene Zeuge, frisiren die Damen, und in Toskana flechten sie auch auf eine kunstliche Art die schönsten Strohhüte, die in großer Menge nach England und Wien verkauft werden. Ich muß aber bekennen, daß die Weiber-Arbeit sehr schlecht bezahlt wird. Ein Mädchen muß sehr früh aufstehen, wenn es mit Seidenwinden und Spinnen, welches die gemeinste Arbeit der Armen ist, 3 Groschen verdienen will.

     Daher kommt es, daß wenn ein armer Bürger eine Tochter hat, die durch ihre Schönheit und gute Stimme vieles verspricht, er es gerne siehet, daß ein Reicher sie unter seine Protection nehme, und auf seine Unkosten ihr entweder die Malerey oder die Musik, oder auch das Tanzen lehren laße, damit sie mit der Zeit auf dem Theater ihr Glück machen könne. Solche von reichen Protettori unterhaltene Mädchen gehen prächtig gekleidet, und was sonderbar ist, so folgen ihnen, wenn sie ausgehen, ihre Mütter in andächtigen Terziarien Kleidern, und vertreten die Stelle des Bedienten. Der Protettore besucht täglich sein Mädchen, ohne daß weder er, noch dasselbe ihre Ehre dadurch verliere. Die Italiener schonen in diesem Stücke eines jeden Menschen Reputation, so lang nur einiger Vorwand (51) übrig bleibt, es zu thun. So lang sich ein Mädchen nicht gemein machet, ist sie keinem Vorwurf ausgesetzt. Sonst würde es ihr auch nur erlaubt seyn, in gewissen dazu bestimmten Straßen zu wohnen. Gleichwie die Obrigkeit diese Gattung von Mädchen dadurch brandmarket, daß sie dieselben in eine unehrliche Straße verweiset, also schützt sie auch die andern, die sich nicht gemein machen. In vielen Nordländern, wo man gleichsam mit Laternen umhergehet, um dem Frauenzimmer nachzuspüren, und ihm die Ehre öffentlich zu benehmen, sollte man über die Richterstühle die Worte schreiben, wer unschuldig ist, der hebe einen Stein auf, und werfe auf sie. Dieß muß ich noch hinzusetzen, daß auch Weltgeistliche und Mönche, wann sie Geld haben, Protettori von armen Mädchen seyn können.

     Der Bedienungen, womit sich die Menschen nähren können, giebt es in Italien eine unglaubliche Menge. Neben den Fürstlichen Bedienungen, die überall gebräuchlich sind, sind deren noch sehr viele, von denen andere Länder nichts wißen. Man schlage Jagemanns geographische Beschreibung von Toskana S. 39 nach, wo nur die Namen der Hauptämter des Staates ganze Blätter anfüllen. Das Finanzwesen ernährt in Italien eine ganze Armee von Menschen. Man rechne die Menschen, die (52) in alle Thoren der Städte, und auf den Grenzen der Länder die aus und eingehende Waaren visitiren, die Geldeinnehmer, Schreiber, Controlleurs, die ungemein viele Bedienten der Douanen und Waaren-Magazinen, die Mitglieder der besondern und allgemeinen Finanz-Collegien, so wird man ganz sicher eben so große Anzahl von Finanz-Bedienten als von Soldaten in Italien finden.

     Der Militairstand ernährt in Welschland viel weniger Menschen, als in den meisten andern Europäischen Ländern. Piemont und die österreichische Lombardie ausgenommen, ist der Soldatenstand in schlechtem Ansehen. Weder der Edelmann noch der Bürger siehet es gerne, daß Officiere bey ihm aus und eingehen. Die Entehrung dieses so edlen Standes erfolget theils aus dem in Italien sehr verhaßten Zwang der Militärzucht, theils daher, daß der gemeine Soldat meistens von der Gattung Menschen ist, die wegen ihrem Muthwillen allen übrigen Leuten zur Last fallen, theils auch wegen der Unnutzbarkeit derselben, indem zur innern Sicherheit des Landes die Banden der Sbirren hinreichend sind, und zur Vertheidigung des Landes vor äußerlichen Feinden die unterhaltene Anzal von Truppen meistens zu gering ist. (53)

     Desto nützlicher und nothwendiger sind aber die Dienste der Sbirren. Sie sind die Werkzeuge, die öffentliche Ruhe zu erhalten, und die Strafgerechtigkeit wider die bösen Einwohner auszuüben. Ihre Bestimmung ist, das Land von Räubern und Schleichhändlern zu säubern, und dieselben in die Hände der Gerechtigkeit zu überliefern. Des Nachts müssen sie wie die Nachtwächter in Teutschland (ohne die Leute mit Hörnern, Schnurren oder Singen aufzuwecken) in allen Straßen der Städte auf- und abgehen, Diebstähle und andere Uebel zu verhindern. Ein Theil derselben liegt in den Städten, ein anderer durchstreicht das Land, die meisten aber liegen auf den Gränzen. Sie sind in Compagnien eingetheilt, deren eine jede von einem Caporale angeführt wird. Aber alle sind dem Barigello (Stadthauptmann) untergeben, welcher die Befehle vom Fiscale empfängt, der unmittelbar unter dem Fürsten stehet. Sie tragen kein gewisses Uniform. Man kann sie aber doch an der Art sich zu kleiden und an den Waffen unterscheiden. Sie tragen große, vorn spitze, und überall hoch aufgestülpte Hüte, und einen mit Silber beschlagenen Gürtel, an welchem eine Pistole unter dem Schoose herabhangt. Neben dem sind die noch mit Messern und einer Flinte bewafnet. Wann sie auf ein Unternehmen ausgehen, so sind sie mit großen corsikanischen Hunden begleitet, die darauf abgerichtet sind, daß sie auf ein (54) gegebenes Zeichen den Flüchtigen nachsetzen, sie einhalten, und wann sie Widerstand finden, dieselben verwunden. Aber so fürchterlich sie in ihrem Aufzuge zu seyn scheinen, so feige sind sie in ihren Unternehmungen, besonders wenn sie es mit Contrabandirern zu thun haben. Da die Unehrlichkeit mit ihrem Stande verbunden ist, so kann man keine edlen Thaten von ihnen erwarten.

     Weil in Italien keinem Menschen der Aufenthalt untersagt wird, so hält man für nöthig, eine große Anzahl von Spionen zu unterhalten, welche auf die Handlungen derjenigen insbesondere, welche von ihrer sogenannten Industria leben, ein aufmerksames Auge haben. Zu Florenz wird die Anzahl der Spionen auf 6000 gerechnet. Sie werden nach Maaß ihrer Geschicklichkeit vom Fürsten besoldet, und stehen wie die Sbirri unter dem Barigello und Fiscale. Dieser formirt ein Register aller einheimischen und fremden Familien. Was ihm die Spionen merkwürdiges hinterdringen, das legt er täglich auf einer Tafel (Specchio genannt) dem Fürsten vor Augen, besonders in Betreff derjenigen Personen, auf welche der Fürst ein besonderes Augenmerk geworfen hat. Ueberschreitet etwa ein Spieler, Gaukler und andere dergleichen Leute die Schranken der Bescheidenheit, so erfahrt's der Fiscal durch die Spionen, und läßt sie entweder durch (55) die Sbirri einführen, oder zeiget ihnen durch ein Billet an, daß sie innerhalb einer gewissen Zeit das Land räumen sollen. Das Spionenhandwerk wird von armen Cavalieren, Mönchen, Weltgeistlichen, Eremiten, Betschwestern, Bürgern, Bauern, Bedienten und Bettlern getrieben. Vor einigen Jahren war dem Marchese Bernardino Riccardi zu Florenz ein diamantener Ring entwendet worden. Der Barigello erhielt den Befehl, den Dieb auszukundschaften, und bald darauf schickte der Barigello ihm den Ring wieder, und ließ ihm sagen, unter drey Cavalieren, die ihn vor einigen Tagen zugleich besucht hatten, sey einer der Dieb, der anderer der Spion und der dritte ein ehrlicher Mann gewesen. Die große Anzahl der Spionen hat den Vortheil, daß fast kein Diebstahl geschehen kann, den man nicht in kurzer Zeit entdecke, wofern nicht die Spionen und Sbirren selbst die Thäter sind. Wenn der Diebstahl wichtig ist, so giebt der Barigello seinen Amtsgenossen sowohl außerhalb als innerhalb des Staates Nachricht davon, welche alsdenn durch ihre Spionen die nemlichen Untersuchungen anstellen, und es weiter berichten. Kein Amt aber ist für die Unterthanen gefährlicher und fürchterlicher als das Amt des Fiscale, besonders unter einem leichtgläubigen Fürsten. (56)

     Der Leute, die einen verbotenen Handel mit Salz, Schießpulver, Tabak etc. treiben, und sich damit ernähren, giebt es besonderns im päbstlichen Staate eine große Menge. Man nennt sie Contrabandieri. Sie führen diese Waaren auf Maulthieren in die Grenzörter von Toskana, Venedig, Parma, Mantua und Neapel, und lassen sich durch die Sbirri, die auf den Gränzen liegen, gar nicht abschrecken. Sie führen große corsicanische Hunde mit sich, und sind im Schießen so geübt, daß sie keinen Schuß verfehlen. Sie sind der Schrecken der Sbirri. Wenn diese wider dieselben ausgeschickt werden, so thut es ihnen meistentheils der bestochene Caporal zu wissen, damit sie ihnen ausweichen. Fügt es sich aber, daß sie von ungefehr auf einander stossen, so ist das Treffen etwas ganz besonders. Zuerst schießen sie von beyden Seiten die Hunde todt. Darauf postiren sich die Contrabandieri hinter ihre mit großen Saumsatteln bedeckte Maulthiere, und indem sie sich dadurch vor den Schützen der Sbirri beschützen, so richten sie eine große Niederlage unter ihnen an, weil sie keinen Schuß verfehlen. Entschlossen eher zu sterben, als sich gefangen nehmen zu lassen, wagen sie das äußerste. Daher kommt es, daß ihrer zehn jederzeit hundert Sbirren widerstehen. (57)

     Die adelichen und andere reiche Häuser ernähren eine große Anzahl von Menschen. Sie halten ihre Schreiber, Hausmeister, Weinverkäufer, Faktoren der Landgüter, Kammermädchen und eine ansehnliche Zahl von Bedienten, die dem Herrn nicht aufwarten, als etwa bey der Tafel. Wer in einem adelichen Hause dient, ist versichert, auch nach dem Tode seines Herrn, seine Besoldung zu genießen. Die Bedienten sind meistens verheyrathet. Ihre Weiber, die sich mit Haubenheften und Schneiderey ernähren, kann man in ihrem Aufzuge fast nicht von den Damen unterscheiden. Sie und andere Weiber ihres gleichen halten sich ebenfalls gewisse Bedienten, die sie des Sonntags in die Kirche begleiten, und deswegen Domenichini genannt werden. Ihrer drey oder vier unterhalten einen Domenichino. Sie kaufen ihm eine Livree, die er nur des Sonntags anzieht, wann er seine Frauen eine nach der andern, zu verschiedenen Stunden in die Messe führt.

    Wer gar nichts thun will, der stellt sich auf die Brücken oder vor die Kirchthüre, und bettelt. Die Bettler beschämen die Beredsamkeit der besten Prediger. Sie beschwören die Vorbeygehenden bey allem was heilig ist. Sie gehen mit Fleiß halbnackend, unterhalten Eyterfließende Wunden, zappeln auf der Erde, wie wenn sie das böse Wesen (58) hätten, heulen und jammern, um das Geld aus der Tasche der Vorbeygehenden zu locken. Es müßte ein schlechter Bettler seyn, der des Tages seinen Gulden nicht verdiente, besonders wenn er viele Kinder hat. Kein Kind darf nach Hause kommen, ehe es die gesetzte Summe erbettelt hat. Ein jedes Haus giebt in bestimmten Tagen der Woche gewissen Armen ein Almosen, und wer es so weit gebracht hat, daß er alle Tage von verschiedenen Häusern versorgt wird, der kann darauf heyrathen. Je mehr Kinder sie zeugen, desto votheilhafter ist es für sie.

     Es giebt zu Florenz eine gewisse Art von Bettlern, welche entweder blind sind, oder sich so anstellen. Man nennt sie Orbi. Sie wissen ohne Führer alle Straßen der Stadt zu finden. Im Gehen erheben sie Nase und Augen gen Himmel, jammern und klagen; in der einen Hand tragen sie eine Bettelbüchse, und in der andern einen mit Eisen beschlagenen Stock, mit welchem sie wider das Pflaster stampfen, damit man sie von weiten hören, und ihnen ausweichen könne. Unter allen Bettlern stehen sich diese am besten, besonders diejenigen, welche zugleich auf einem Instrumente spielen, oder vor den Thüren improvisiren. Zu Zeiten der Republik hatten sie zu Florenz eine eigene Confraternität, und ihren eigenen Gasthof. Man giebt den (59) Florentinern überhaupt den Zunamen Orbi (Blödsichtige) wegen der Menge Leute, die diesem Mangel unterworfen sind. Der Widerschein der Sonne von dem erhitzten Pflaster mag wohl schuld daran seyn.

     Die Menge der Menschen, die von geistlichem Verdienste leben, ist unbeschreiblich groß. In Italien ist es sehr leicht, als Weltgeistlicher ordinirt zu werden. Wer eine Caution für 50 Scudi jährlicher Einkünfte vorweisen kann, der kann nach einer Bulle Benedikts XIV ein Weltgeistlicher werden. Pabst Julius II hat auch den Kathedralkirchen das Privilegium gegeben, daß, wer gewisse Jahre denselben als Chorknabe gedient hat, ohne sonderbaren Titulus Mensae ordinirt werden könne; denn es giebt in den Kathedral- und andern Kirchen so viele gestiftete Messen, daß sie ganz sicher darauf rechnen können, und der Hand-Meßen (Meße manuali) die alle Tage einkommen, giebt es, besonders wo Brüderschaften oder wunderthätige Bilder sind, so viel, daß man oft nöthig hat, durch päbstliche Gewalt, 1000 auf 100 reduciren zu laßen. Weil eine jede Meße von unendlichen Werth ist, so läßt sich dieses gar wohl durch denjenigen thun, der die Schlüßel über den Schatz der Verdienste Christi in Händen hat. Sehr viele adeliche und bürgerliche Häuser laßen auch alle Sonn- und Feiertage (60) in ihren Haus-Kapellen Meße lesen, und bezahlen nicht nur etwas mehr als man in den Kirchen bekömmt, sondern geben noch dazu dem Geistlichen die Cioccolata. Dazu kommen noch die fast täglichen Exequien in den verschiedenen Kirchen der Städte und des Landes. Entweder ist im Testamente des Verstorbenen eine gewiße Anzahl Meßen bestimmet, oder es werden so viele Meßen gelesen als von 5 Uhr des Morgens, bis Nachmittag um 1 Uhr auf allen Altären der Kirche gelesen werden können, wo die Anzahl der Meßen manchesmal auf 3 bis 400 hinausläuft. Denn der Altäre sind sehr viele in den Kirchen, und eine Todten-Meße dauert nur eine Viertelstunde. Weil aber mehrere dergleichen Exequien in einem Morgen in den großen Städten vorfallen, und nach Maaße der Ambition des Erben, oder nach Verordnung des Testaments der Verstorbenen, die Todten-Meßen (wiewohl nie geringer als eine Lira (20 Kr.) bald theurer bald wohlfeiler bezahlt werden, so halten die Geistlichen entweder ihre Ausspäher, die ihnen hinterbringen, in welcher Kirche das Meiste für die Meße bezahlt wird, oder sie lassen sichs nicht verdrießen, von einer Kirche zur andern zu gehen, und da ihr unblutiges Opfer zu verrichten, wo der Gewinn am größten ist. Ein Prete, der dieses Handwerk treibet, wird in Toskana Scaniozzo genannt. Sehr viele Geistlichen sind Maestri di Casa in den adelichen Häusern, oder lehren (61) den jungen Damen zu Hause oder in den Sprach-Zimmern der Klöster die Musik, oder sind Ciceroni bey den fremden Reisenden, oder etc. und vermehren dadurch ihre Einkünfte. In Toskana haben sie noch diesen Vortheil, daß ein jeder Geistlicher zu seiner Consumtion 3 Pfund Fleisch Accise-frey durch die Stadt-Thore tragen kann. Weil vor den Thoren das Pfund Fleisch um einen Soldo wohlfeiler ist, als in der Stadt, so bedienen sie sich dieses Vortheils nicht nur zu ihrem Nutzen, sondern auch zum Vortheil ihrer Angehörigen. Sie holen nemlich 3 Pfund Fleisch durch Porta Romana, 3 andere durch Porta Prato, etc. etc. und können wohl 21 Pfund Fleisch in einem Tage Accise-frey in die Stadt bringen, wodurch eine beträchtliche Summe Geldes für sie und ihre Angehörigen erspart wird.

     Ein jeder Prete wohnt bey seinen Anverwandten, oder wo er Freyheit und Vergnügen findet, und so gewiß als er Prete ist, unterhält er, auf mancherley Art, entweder zum Theil, oder gänzlich die Familien, welchen er entweder durch Verwandschaft oder besondere Freundschaft zugethan ist. Ich habe es ganz genau ausgerechnet, daß von den 8355 Weltgeistlichen, die in Toskana leben, wenigstens 40000 Menschen ihren Unterhalt haben, und bin bereit, es augenscheinlich zu demonstrieren. (62)

     Die persönlichen und klösterlichen Einkünfte und der Gewinn der Mönche und Nonnen, welche in die Hände der Weltlichen übergehen, sind so groß, daß man im Durchschnitte auf einen jeden Mönch und auf eine jede Nonne wenigstens eine weltliche Person rechnen kann, die ihren Unterhalt von ihnen ziehet. Ein jeder Mönch und Nonne hat ein Libello (eine jährliche Summe Geldes) die sie sich von ihren Häusern vorbehalten. Der Mönch gewinnt Geld mit Messelesen und Predigen; die Nonne für künstliche Blumen, Spitzen, seidene Geldbeutel und Schnupftücher, Rosen-kränze, Amuletten, Agnus Dei, Confecturen, Rosogli, wohlerzogene Schooß-Hündchen für Damen, etc. Ich habe ausgerechnet, daß neben den Bauren, welche von den Klostergütern auf dem Lande leben, noch 16121 Menschen von den klösterlichen und persönlichen Einkünften und Gewinn der 14897 Mönche und Nonnen in Toskana ihren Unterhalt haben. Es leben also in Toskana ganz zuverläßig 54659 weltliche Personen von den Einkünften der Geistlichen; und wenn diese mitgerechnet werden, so lebt in Italien ganz sicher eine Million Menschen von geistlichen Einkünften, ohne die Bauren, welche die Hälfte der Produkten aller klösterlichen Güter genießen.

     Nun däucht mich, Ihnen die Mittel und Wege, wie die Italiäner sich nähren, hinlänglich gezeigt zu (62) haben. Ich bin des weitern Schreibens müde, und ich glaube auch, daß sie, bester Freund, gnug gelesen haben, um zu sehen, daß es in Italien viel mehrere Wege giebt, wodurch die Einkünfte der Reichen und des Fürsten in die Hände der Menschen, die keine liegende Güter besitzen, übergehen, als je in einem andern Lande. Dies war der Endzweck des gegenwärtigen Briefs. Im folgendem wird es Ihnen leicht fallen, von der Bevölkerung Italiens ein richtiges Urtheil zu fällen. Leben Sie wohl!

Afskrift afsluttet 26. oktober 2008 i Kobberø, Thy.

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